Tourrettes - Seinen knapp 750.000 Facebook-Freunden und rund 15.000 Twitter-Followern schickte Mario Götze am Dienstag eine eindeutige Botschaft. "Ich bin bereit für den Sommer, die Vorbereitung läuft gut. Meine Zeit ist gekommen", schrieb der "Double"-Sieger von Borussia Dortmund, für den der Laptop und das Smartphone ständige Begleiter sind, aus dem südfranzösischen EM-Trainingslager der Nationalmannschaft.

Um genau zu sein, wird am kommenden Samstag die Zeit für den Sohn eines Datentechnik-Professors gekommen sein. Im Länderspiel in Basel gegen die Schweiz muss der lange verletzte Edeltechniker die Abwesenheit der Spieler des FC Bayern München nutzen, um seine Unverzichtbarkeit für die Stammelf von Bundestrainer Joachim Löw unter Beweis zu stellen. Sollte der 19-Jährige diese Chance auslassen, wird er bei der EM-Endrunde (8. Juni bis 1. Juli) zunächst wohl nur auf der Ersatzbank sitzen.

"Riesige Qualität"



Nur wenn Götze überzeugt, kann er im letzten Test vor der Europameisterschaft am 31. Mai in Leipzig gegen Israel mit einem Einsatz von Beginn an rechnen. Dort wird Löw voraussichtlich die einzige Chance nutzen, seine EM-Wunschelf auf den Platz zu bringen. Götze, der in seinen bisherigen zwölf Länderspielen zwei Tore erzielt hat, ist sich der Konkurrenzsituation bewusst. "Alle Spieler haben eine riesige Qualität, das sieht man in jedem Training", sagte der gebürtige Memminger.

Die Qualität Götzes, der nach seinem Gala-Auftritt samt Treffer im August 2011 beim 2:0 gegen Brasilien den Spitznamen "Götzinho" erhielt, ist allerdings auch unbestritten. Das weiß auch Löw, der zuletzt erklärte, dass er dem Offensivspieler "mehr als eine Jokerrolle" bei der EM zutraue: "Er ist vielleicht gerade mal ein Jahr bei uns dabei, spielt aber, als wäre er schon immer Teil dieser Nationalmannschaft."

Lob von allen Seiten



Ein Teil der deutschen Auswahl ist Götze tatsächlich schon seit dem 17. November 2010. Damals feierte der Jungstar beim 0:0 gegen Schweden sein Debüt. Rund ein Jahr später war der steile Aufstieg Götzes aber zunächst einmal beendet: Im Wintertrainingslager der Dortmunder wurde eine Schambein-Entzündung diagnostiziert. Der Körper hatte sich gegen die große Belastung gewehrt. Nach insgesamt 39 Pflichtspielen für den BVB sowie elf Einsätzen in der Nationalmannschaft kam das vorläufige Aus.

Was folgte, beschrieb Götze als "schwerste Zeit" seines Lebens. Von DFB-Sportdirektor Matthias Sammer bereits als "Jahrhunderttalent" sowie von "Kaiser" Franz Beckenbauer als neuer Lionel Messi geadelt, musste sich der Power-Fußballer im Geduldsspiel üben. Im Reha-Zentrum des DFB-Physiotherapeuten Klaus Eder absolvierte Götze ein individuelles Training. Und sah sich mit dem Nationalmannschaftskollegen Per Mertesacker und Tennisspielerin Andrea Petkovic in prominenter Gesellschaft.

Comeback nach langer Leidenszeit



Eine Zentnerlast fiel Götze von der Seele, als er am 21. April beim meisterschaftsentscheidenden Spiel der "Schwarz-Gelben" gegen Borussia Mönchengladbach (2:0) in der 73. Minute wieder auf den Rasen geschickt wurde. Seitdem ging es bergauf. "Mittlerweile fühle ich mich sehr gut. Mir fehlen vielleicht noch ein, zwei Prozent", sagte Götze, der mit seiner vorzeitigen Vertragsverlängerung beim BVB bis 2016 die Spekulationen um einen Wechsel zu einem europäischen Top-Club beendet hatte.

Andere Spekulationen, Gerüchte und Neuigkeiten verfolgt Götze allerdings ganz gerne: "Facebook ist die Plattform, die mittlerweile fast jeder nutzt. Das geht heute gar nicht mehr anders. Ich schaue eigentlich jeden Tag rein, um zu gucken, was so alles passiert."