Dortmund - Für Aytac Sulu war das Wochenende ziemlich perfekt. Erst knipste er Darmstadt 98 mit seinem Last-Minute-Treffer noch zum unerwarteten Punktgewinn beim BVB, dann sicherte sich der Kapitän der Lilien nach dem Spiel auch noch das Trikot von Ilkay Gündogan als Trophäe und Erinnerungsstück gleichermaßen.

Erst eine Niederlage kassiert, zehn Zähler auf dem Konto, dabei gegen Schalke, Leverkusen und Dortmund gepunktet – für Aufsteiger Darmstadt 98 läuft es bislang bombig. Kein Wunder, dass Aytac Sulu im Interview ein gewisser Stolz durchaus anzumerken ist. Ein Gespräche über harte Arbeit und Torinstinkte, Teamgeist und Fan-Unterstützung.

"Alles harte Arbeit"

bundesliga.de: Aytac Sulu, jetzt wird es aber langsam unheimlich. Nach Schalke und Leverkusen hat Darmstadt auch gegen den BVB gepunktet.

Aytac Sulu: Unheimlich werden wir nicht, das ist alles harte Arbeit. Uns fällt es vielleicht momentan leicht, gegen die Großen zu punkten, weil wir da giftig sind und nichts zu verlieren haben. Aber wichtig wird es sein, dann zu punkten, wenn es darauf ankommt. Das waren jetzt alles Bonuspunkte, die wir ergattern konnten.

bundesliga.de: Wie haben Sie das Spiel in Dortmund erlebt?

Sulu: Wir haben 60 Minuten ein gutes Spiel gemacht, dann zwei Tore kassiert, die man so nicht bekommen muss. Das kann man besser verteidigen. Aber wir haben bis zur letzten Sekunde gefightet und uns wieder in jeden Zweikampf geworfen. Dass wir dann am Ende glücklich nach so einer Druck-und Drangphase der Dortmunder noch das Tor zum Ausgleich machen, das ist natürlich famos.

© gettyimages / Alex Grimm

bundesliga.de: Sie haben ja selbst in der 90. Minute für den Ausgleich gesorgt – erzählen Sie doch mal.

Sulu: Es war nach einem Standard, als Jungwirth zum Kopfballduell hoch geht. Der Ball fällt mir vor die Füße. (lacht) Und da musste ich auch als Innenverteidiger mal Ruhe bewahren und den Ball ins lange Eck schieben.

"Die Mannschaft hat dran geglaubt"

bundesliga.de: Haben Sie noch überlegt, was Sie machen?

Sulu: Es war mehr Instinkt. Ich wusste, dass das Tor irgendwo da vorne steht. Ich habe versucht, Richtung Pfosten zu zielen. Dass er dann so präzise reingeht, war natürlich schön.

bundesliga.de: Hatten Sie nach der Führung der Dortmunder überhaupt noch an einen Punktgewinn geglaubt?

Sulu: Es war wichtig, nicht aufzumachen.  Dann wäre es komplett vorbei gewesen. Dann hätte Dortmund die Konter ausgenutzt. Darum wollten wir weiter stabil stehen und bis zur letzten Minute auf die Standards gehen. Es kam uns auch entgegen, dass Dortmund weiter auf das dritte Tor gegangen ist. Wir wussten, dass wir so bis zum Abpfiff noch die Möglichkeit haben, ein Tor  zu schießen. Die Mannschaft hat daran geglaubt und sich diesen Punkt auch verdient.

"Ich bin sehr stolz auf die Mannschaft"

bundesliga.de: Zuletzt in Dortmund haben 8000 Fans die Mannschaft begleitet und unterstützt. Was sagen Sie dazu?

Sulu: Das ist mega! Ich war vor zwei Jahren im Dortmunder Stadion, als der BVB gegen Real Madrid gespielt hat. Da waren 400 Real-Fans da. (lacht) Dass unsere Anhänger mit 8000 Fans dort auflaufen, ist natürlich geisteskrank. Für uns ist es wirklich sehr, sehr schön, dass sie uns immer so lautstark unterstützen. Ich hoffe, wir konnten sie mit dem Punkt glücklich wieder auf den Heimweg schicken.

bundesliga.de: Macht es Sie eigentlich auch ein bisschen stolz, diese Mannschaft als Kapitän zu führen?

Sulu: Ich bin sehr stolz auf diese Mannschaft. Jeder fügt sich nahtlos ein. Hier gibt es keine Streitigkeiten, keine Arroganz.  Daher ist es für mich zurzeit wirklich einfach, Kapitän dieser Mannschaft zu sein. Und das macht mich auch ein Stückweit glücklich.

 

Vom SV Darmstadt 98 berichtet Dietmar Nolte