Bremen - Es läuft beim Hamburger SV. Vor einer Woche besiegten die Rothosen sensationell Borussia Dortmund mit 3:1. Mit dem gleichen Ergebnis gewann der HSV jetzt sogar erstmals seit dem 17. Februar 2007 (2:0) wieder das Nordderby gegen Werder Bremen. Seit drei Partien ist der HSV ungeschlagen und kann nach langer Zeit wieder den Blick in die oberen Tabellengefilde richten.

Die positive Entwicklung beim Hamburger hat gute Gründe. Seit Trainer Bruno Labbadia zum zweiten Mal das Zepter beim HSV übernommen hat, steigert sich die Mannschaft kontinuierlich. Zunächst rettete der Trainer die Hamburger vor dem Abstieg.

Seit seinem Amtsantritt hauchte er dem am Boden liegenden Bundesliga-Dino wieder neues Leben ein. Er startete sein Debüt allerdings ausgerechnet mit einer Niederlage in Bremen. Nach dem 0:1 am 19. April 2015 war der HSV Tabellenletzter und stand schon mit einem Bein in Liga zwei.

Labbadia dreht an den richtigen Stellschrauben

Seitdem ist viel passiert. In der Sommerpause trennte sich der Verein von mehreren altgedienten Spielern wie van der Vaart, Westermann oder Behrami. Doch Labbadia schaffte es in der Vorbereitung aus dem vorhandenen Personal eine echte Einheit zu bilden. "Der Trainer hat uns das Selbstvertrauen zurückgegeben. Die Mannschaft hat sich spielerisch verbessert und wir sind ruhiger am Ball", erklärte Kapitän Johan Djourou nach dem Derbysieg.

Nach dem ersten Spieltag und der destaströsen 0:5-Niederlage bei den Bayern befürchteten viele schon wieder eine ähnlich schwierige Saison, wie in zwei Jahren zuvor. Doch in den darauffolgenden 13 Spieltagen kassierte der HSV nur 13 weitere Gegentore. In der Defensive sind die Hamburger stabiler denn je. Torwart Rene Adler knüpft an seine starke Form wieder an und verhinderte gegen Bremen eine klare Torchance Fin Bartels kurz nach der Halbzeit reaktionsschnell. Die Viererkette ist eingespielt und von Kapitän Johan Djourou bestens organisiert.

Offensive: Mehr als nur Lasogga

Auch in der Offensive ist unter Labbadia eine Verbesserung zu sehen. In der vergangenen Saison hatte der HSV nach 14 Spieltagen die schwächste Trefferquote (21 Torschüsse pro Tor). Jetzt landet immerhin jeder zehnte Schuss im Tor des Gegners. Pierre-Michel Lasogga, der in Bremen verletzt ausgewechselt werden musste, ist nicht mehr auf sich alleine gestellt, sondern erhält Unterstützung von den beiden offensiven Außen, zumeist in Person von Ivo Ilicevic und Nicolai Müller. Aber auch für Lasogga läuft es in dieser Saison schon besser. Er hat bereits sechs Tore erzielt, mehr als in der kompletten vergangenen Saison (4). „Wir machen die Chancen jetzt rein, auch schon gegen den BVB haben wir fast jede Situation genutzt“, erklärt Nicolai Müller, warum es in der Offensive so gut läuft.

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An zwei HSV-Spielern kann man die positive Entwicklung des HSV besonders gut erklären. Lewis Holtby und Nicolai Müller. Beide Spieler kamen für viel Geld und mit hohen Erwartungen an die Elbe und konnten in ihrer ersten Saison beim HSV nie ihr Potenzial abrufen. Erst unter Labbadia kommen die Beiden besser in Form und haben sich als Stammspieler etabliert. Holtby ist endlich der erhoffte Anführer im Mittelfeld und ist bislang in jedem Spiel aufgelaufen. Gegen Dortmund krönte er seine gute Leistung mit einem Tor. Er traf bisher zweimal in dieser Saison. Davor überhaupt nicht. Auch Müller hat bereits zwei Saisontore erzielt. 2014/15 traf er nur einmal. „Es hat viele Gründe, warum wir derzeit so stark spielen. Die Mannschaft harmoniert gut. Jeder hilft dem anderen, jeder kann seine Qualitäten ausspielen“, so Torschütze Müller.

Schon 21 Punkte – Blick nach oben

Schon jetzt hat der HSV 21 Punkte auf dem Konto. Dafür brauchten die Hamburger in der vergangenen Saison noch bis zum 20. Spieltag. Auch auf fremden Plätzen treten die Rothosen viel entschlossener auf als noch vor einem Jahr.

Aus acht Gastspielen holte der HSV schon einen Punkt mehr (13) als in der kompletten letzten Spielzeit. „Wir dürfen jetzt nicht so viel auf die Tabelle schauen. Wir müssen einfach weiter hart arbeiten im Training und dann werden wir mal schauen,was geht. Wir haben sehr viel Qualität im Kader“, ist sich Djourou sicher.

Aus Bremen berichtet Alexander Barklage