Stuttgart - Bitteres Ende nach starker erster Hälfte. Am Ende reichte es für den VfB Stuttgarter gegen den SC Freiburg nur zu einem Remis. Spieler und Verantwortliche reagierten dementsprechend enttäuscht.

Am Ende herrschte nur noch Frust und Enttäuschung. VfB-Trainer Huub Stevens betrat nach dem bitteren 2:2 seiner Mannschaft im Abstiegs-Derby gegen den SC Freiburg bei der anschließenden Pressekonferenz das Podium und gab Einblicke in sein Seelenleben. "Ich bin fassungslos, wenn man solche Spiel aus der Hand gibt. Ich habe das in der ersten Hälfte schon kommen sehen und habe es in der Pause das auch angemerkt. Jedoch habe ich gegen eine Wand gesprochen", gab der dieses Mal besonders knurrige Holländer zu Protokoll. Näher in die Details wollte Stevens an diesem Samstagabend nicht gehen und auch seine niedergeschlagenen Spieler wussten in ihrer Analyse nicht, worauf der Chef genau hinaus wollte.

Stuttgart überzeugt wieder spielerisch

Klar ist aber: Für Stevens agierten seine Spieler vor allem gegen Ende der ersten  Halbzeit viel zu lässig und bauten so den am Boden liegenden Gegner aus dem Breisgau wieder auf. Mit dem unnötigen Remis hatte der VfB, übrigens genau wie schon am letzten Spieltag in Augsburg, eine Riesen-Chance vertan, im Abstiegskampf einen immensen Schritt nach vorne zu machen. Zumal die vor ihm stehenden Hannoveraner ihre Partie gegen Hoffenheim verloren.

Dabei zeigten die Stuttgarter in diesem "Sechs-Punkte-Spiel" in der ersten Halbzeit spielerisch eine überzeugende Leistung und knüpften nahtlos an die Vorstellungen der Vorwochen an. Vor allem Alexandru Maxim, seit Wochen in blendender Verfassung, kurbelte das Spiel des VfB mit seinen Ideen und Zuspielen immer wieder an und fand in dem erneut starken Filip Kostic, dem laufstarken Martin Harnik und dem wie am Fließband treffenden Daniel Ginczek auch immer wieder die geeigneten Abnehmer. So war es nur zwangsläufig, dass die Stevens-Truppe nach Treffern von Ginczek (24.) und Harnik (27.) klar in Führung lag. Freibug schien geschlagen.

Harnik scheitert an Bürki

Dann aber folgte die für die Stuttgarter nur schwer erklärbare Wende. Von Beginn der zweiten  Halbzeit an wirkten die Schwaben viel zu passiv und ließen die Freiburger so wieder ins Spiel kommen. "Wir haben das Spiel selbst aus der Hand gegeben und müssen uns an die eigene Nase fassen", analysierte ein niedergeschlagener Sportdirektor Robin Dutt im Anschluss. "Nach der Pause haben wir falsche Entscheidungen getroffen und so den Gegner ins Spiel kommen lassen." Dabei hätte Harnik beim Stand von 2:0 alles klar machen müssen, scheiterte aber freistehend am Freiburger Keeper Roman Bürki.

So sprang nach zwei Treffern des Freiburger Nils Petersen, darunter ein berechtigter Foulelfmeter nach Adam Hlouseks Foul an Jonathan Schmid, nur eine Punkteteilung heraus, die den Gästen im Kampf gegen den Abstieg deutlich mehr hilft. "Wir haben super angefangen und waren voll im Spiel, aber vom Ergebnis her ist das zu wenig. Die Spielweise hat gestimmt, nur konnten wir sie nicht bis zum Ende durchhalten", wusste auch der wie immer enorm kampfstarke Kapitän Christian Gentner. Das lag unter anderem auch daran, dass Hlousek nach seinem zweiten Foul der Partie mit Gelb-Rot vom Feld musste (66.). Nun geht die Reise der Schwaben am kommenden Spieltag nach Schalke und die Stuttgarter müssen den Kopf nicht in den Sand stecken.

Hoffen auf Didavi

Auch gegen Freiburg gab es viele positive Ansätze. Vor allem in der Offensive wirken die Kicker vom Neckar alles andere als ein Kandidat für die 2. Bundesliga. Hinzu kommt, dass Spielmacher Daniel Didavi nach Knieproblemen gegen den Sportclub sein x-tes Comeback feierte und in den kommenden entscheidenden Partien ein weitere Option für Stevens darstellt. Auf Schalke werden dann auch wieder die schmerzlich vermissten Serey Dié (Gelbsperre) und Antonio Rüdiger (Grippe) an Bord sein. Dann scheint auch ein Erfolg auf Schalke möglich – und damit das gegen Freiburg verpasste Happy End.

Aus Stuttgart berichtet Jens Fischer