München - Am Mittwochabend kommt es im Halbfinal-Rückspiel der Champions League zum Showdown zwischen Real Madrid und dem FC Bayern München. Durch den 2:1-Erfolg im Hinspiel hat der deutsche Rekordmeister seinen Ruf als "Bestia Negra" wieder einmal unter Beweis gestellt und sich eine gute Ausgangssituation geschaffen.

Beim holten sich die Münchner noch einmal Selbstvertrauen und konnten zusätzlich zahlreiche Stars für Madrid schonen.

Vor dem zweiten und entscheidenden Duell mit den "Königlichen" (ab 20:30 Uhr im Live-Ticker) berichtet Giovane Elber von seinen persönlichen Erlebnisse mit den Madrilenen. Der frühere FCB-Torjäger schätzt die Chancen der Münchner auf den Finaleinzug ein und deutet den Streit zwischen Franck Ribery und Arjen Robben als ein Lebenszeichen.

bundesliga.de: Herr Elber, im Halbfinale der Champions-League-Saison 2000/2001 gewann der FC Bayern München zwei Mal gegen Real Madrid und zog so ins Finale ein. Wie sind Ihnen diese Spiele in Erinnerung geblieben?

Giovane Elber: Das Spiel in Madrid war unheimlich schwer, aber Ottmar Hitzfeld hat uns immer gesagt: "Leute, in 90 Minuten werdet ihr schon die eine oder andere Chance bekommen. Die Hauptsache ist, dass wir kein Tor kassieren." Und zum Glück ist das auch so passiert. Schließlich habe ich nach einem Fehler von Iker Casillas noch das 1:0 erzielt. Zuhause haben wir dann alles klar gemacht.

bundesliga.de: Was ist das für ein Gefühl, in einem so wichtigen Spiel im Estadio Santiago Bernabeu auflaufen zu dürfen?

Elber: Für einen Fußballer ist das eines der schönsten Gefühle, die man haben kann. In so einem Stadion gegen Real Madrid zu spielen - was will man mehr? Gegen so einen starken Gegner zu spielen in einem Halbfinale der Champions League, da ist Brisanz drin. Keiner will verlieren, man gibt alles bis zum Umfallen und das vor 80.000 Zuschauern - das ist ein tolles Gefühl.

bundesliga.de: Wie muss die Mannschaft von Jupp Heynckes am Mittwoch auftreten, um zu bestehen?

Elber: Das ist immer ein sehr schweres Spiel gegen Real Madrid, vor allem in Madrid. Um in Madrid zu bestehen und zu gewinnen, muss die gesamte Mannschaft geschlossen sein. Jeder muss für den anderen kämpfen, nur so hat man die Möglichkeit, gegen Madrid zu gewinnen.

bundesliga.de: Im Hinspiel haben die Bayern eine starke Defensivleistung gezeigt. Glauben Sie, dass dies auch im Rückspiel der Schlüssel zum Erfolg sein wird?

Elber: Ja klar, sie müssen ähnlich auftreten. Die Defensive muss stehen, weil Madrid zuhause immer aggressiv ist und nur nach vorne spielt. Und dann muss man sehen, dass man über Franck Ribery und Arjen Robben zu Konterchancen kommt. Mario Gomez wird in den 90 Minuten wahrscheinlich wenig Ballkontakte haben, so wie das bei mir 2001 auch war, aber dann kommt eine Torchance aus dem Nichts und dann macht man das 1:0.

bundesliga.de: Was ist Ihnen durch den Kopf gegangen, als Gomez in der 90. Minute den 2:1-Siegtreffer erzielte?

Elber: Dass das Glück auf Bayerns Seite ist. Wenn man in der letzten Minute oder in der allerletzten Sekunde das 2:1 macht, bedeutet das, dass man das Glück mit der Arbeit, die man über 90 Minuten geleistet hat, erzwungen hat.

bundesliga.de: Wie hoch schätzen Sie die Chancen ein, dass die Bayern den Einzug ins Finale schaffen?

Elber: Ich glaube, dass die Chancen nach dem 2:1 sehr gut stehen. Madrid ist natürlich ein starker Gegner, aber die Chance ist da. Dann muss man sie auch nutzen. Und noch etwas: Ich glaube, dieser Streit, den es jetzt zwischen Franck Ribery und Arjen Robben gegeben hat, tut der Mannschaft gut. Das zeigt, dass die Mannschaft lebt. Man will Erfolg haben, man steht nicht nur bequem auf dem Platz und schaut zu, was der Gegner macht. Sondern der Gegner sieht, die wollen gewinnen.

bundesliga.de: Falls der FC Bayern gegen Real Madrid besteht und in das Endspiel der Champions League einzieht, gewinnen die Münchner dann auch das Finale in der Allianz Arena?

Elber: Am 19. Mai bin ich in München und werde das Finale anschauen. Ich hoffe nur, dass es jetzt auch der FC Bayern ins Finale schafft. In einem Spiel gegen Chelsea ist alles möglich.

Das Gespräch führte Benedikt Büschleb