Als Werder Bremen das letzte Mal eine so unglaubliche Serie hinlegte wie aktuell, wurden die Hanseaten Deutscher Meister. In der Saison 2003/04 blieben die Grün-Weißen in 27 aufeinanderfolgenden Pflichtspielen ungeschlagen.

Marco Bode kennt Werder wie seine Westentasche, 379 Mal trug er in der Bundesliga das "W" auf der Brust. Im Interview mit bundesliga.de nennt Bode die Gründe für die Erfolgsserie der Bremer und spricht über Diegos Erben.

bundesliga.de: Herr Bode, Bremen ist seit 20 Spielen ungeschlagen. Was zeichnet die Mannschaft aus?

Marco Bode: Die Mannschaft hat ein unglaubliches Selbstbewusstsein und große Sicherheit durch diese Serie von 20 ungeschlagenen Spielen in Folge bekommen. Die Tatsache selbst, dass man so lange unbesiegt ist, ist ein wichtiger Punkt innerhalb der Mannschaft geworden. Das Team glaubt an sich und geht mit einer großen Zuversicht in die Spiele hinein. So etwas kann spielentscheidend sein.

bundesliga.de: Nach Diegos Weggang fragten sich nicht wenige, wie Werder diesen Abgang verkraften würde. Diese Frage stellt sich ja nun wohl niemand mehr, oder?

Bode: Schon bevor es diese Serie gab, stand für mich fest, dass Werder sehr viel Qualität im Kader hat. Und die Idee, die Philosophie in der Offensive ein Stück weit zu ändern, ist voll aufgegangen. Wirklich geändert hat Thomas Schaaf nichts. Aber die Arbeit, die Diego verrichtet hat, wird jetzt auf mehrere Schultern verteilt. Und das mit Erfolg. Mesut Özil, Marko Marin und Aaron Hunt sind in einer tollen Form und harmonieren sehr gut. Sie sind jung und haben unglaublich viel Potenzial.

bundesliga.de: Nun kommt Wolfsburg an die Weser. Was erwarten Sie für ein Spiel?

Bode: Ich habe die Hoffnung auf ein sehr offensiv geführtes Spiel. Allerdings sind beide Mannschaften auch durchaus in der Lage, defensiv zu agieren. Vor allem bei Werder ist die Abwehr in den vergangenen Wochen bärenstark gewesen. Das hat die Mannschaft während ihrer Serie neben der üblich gefährlichen Offensive ja so ausgezeichnet. Allerdings darf man Wolfsburg nicht unterschätzen. Ich finde, der VfL hat einen ganz tollen Kader und ist deshalb immer gefährlich. Nun muss man abwarten, wie sich das Champions-League-Spiel auf die Mannschaft ausgewirkt hat. Ich rechne damit, dass es ein ausgeglichenes Spiel sein wird.

bundesliga.de: Ganz vorn steht jedoch Leverkusen. Haben Sie Bayer eine solch starke Hinrunde zugetraut?

Bode: Im Prinzip schon, obwohl man nicht davon ausgehen konnte, dass sie zu diesem Zeitpunkt Tabellenführer sind. Aber auch die Leverkusener haben einen guten, jungen und aufstrebenden Kader. Schon in der vergangenen Saison haben sie eine grandiose Hinrunde gespielt. Die Mannschaft ist jetzt noch ein bisschen reifer geworden. Ähnlich wie bei Werder ist auch bei Bayer sehr viel spielerisches Potenzial vorhanden. Es ist ein guter und ausgewogener Kader. Mit Sami Hyypiä hat Bayer noch Erfahrung hinzugewonnen in der Abwehr. Das hat der Mannschaft noch einmal geholfen. Also es ist keine ganz große Überraschung, dass sie oben dabei sind. Aber dass sie ganz oben stehen, war nicht zu erwarten.

bundesliga.de: Nun geht es gegen angeschlagene Stuttgarter. Ein undankbarer Gegner. Könnte es da zu einem Ausrutscher der Leverkusener kommen?

Bode: Auf jeden Fall. Stuttgart ist in der Bundesliga bislang nicht wirklich in Fahrt gekommen. Es steckt aber wesentlich mehr in der Mannschaft. Da kann es natürlich jederzeit passieren, dass sie auch mal einen richtig guten Tag erwischen. Gerade nach dem jüngsten Erfolgserlebnis in der Champions League ist das schon denkbar und insofern für Leverkusen nicht ungefährlich.

bundesliga.de: Ist es also denkbar, dass Werder am Sonntagabend Tabellenführer ist?

Bode: Es kann sein, dass Bremen ganz oben steht. Es kann aber auch sein, dass Schalke ganz oben steht. Denn auch Bremen hat noch nicht gewonnen gegen Wolfsburg. Es spricht zwar momentan manches für Werder, aber ich denke, es steckt bei Wolfsburg vor allem in der Offensive so viel Qualität, dass sie auch in Bremen gewinnen können. Es ist momentan einfach eine tolle Situation für die Fans der Bundesliga. Leverkusen und Werder spielen sehr schönen Fußball. Aber auch Schalke, Hoffenheim und der Hamburger SV reden da oben mit. Da ist viel Bewegung drin und wir sind ja noch relativ früh in der Saison.

Das Gespräch führte Sebastian Stolz