Bremen - Mario Gomez konnte einem bei seiner Auswechslung irgendwie Leid tun. Erst klopfte Trainer Louis van Gaal seinem Super-Torjäger anerkennend wuchtig auf die Schulter, van Gaals Assistent Andries Jonker bearbeitete die andere Seite und von Manager Christian Nerlinger gab es mit der flachen Hand dann noch einen Nachschlag.

Dabei war Gomez dieses Mal gar nicht der Matchwinner. Und auch ein Arjen Robben avancierte nicht zum Helden des Tages beim Rekordmeister.

"Nicht mit einem Unentschieden abgefunden"

Vielmehr war es das Kollektiv, dass beim ewigen Nordrivalen Werder Bremen nach Startschwierigkeiten letztlich ein verdientes 3:1 erkämpfte. "Ich glaube, man hat gesehen, dass die Spieler einfach wollten und sich nicht mit einem Unentschieden abgefunden haben. Über 90 Minuten stand eine Mannschaft auf dem Platz und das war sehr schön anzusehen", sagte Kapitän Philipp Lahm.

Auch Trainer van Gaal stimmte in die Lobeshymnen mit ein. "Kompliment an meine Mannschaft. Wir stehen jetzt auf einem Champions-League-Platz. Das ist das, was wir wollen. Und dabei haben wir wieder drei Tore geschossen. Das ist unglaublich", freute sich der Niederländer.

24 Treffer haben die Bayern in den vergangenen sechs Pflichtspielen erzielt. Insgesamt waren es in dieser Saison schon 74 - das hat kein anderer Bundesligist geschafft.

Beste Saisonplatzierung

Dabei sah es zu Beginn der Partie für die Münchner gar nicht so gut aus. Die Hausherren setzten die Gäste vom Anpfiff an unter Druck. Dass der FCB nicht schon frühzeitig in Rückstand geriet, hatte er allein Torwart Thomas Kraft und dem Eigensinn von Clemens Fritz zu verdanken.

"Bremen war in den ersten 20 Minuten stärker. Aber dann haben wir taktisch etwas umgestellt und wurden besser. Nach dem 0:1 hat meine Mannschaft den Druck erhöht und bedeutend aggressiver gespielt. Bremen hat dann keine Torchance mehr kreiert. Es tut mir leid. Aber das war so. Am Ende haben wir verdient gewonnen", analysierte van Gaal die Partie.

Mit dem Sieg an der Weser sind die Bayern auf den 3. Rang vorgerückt. Erstmals in der laufenden Saison stehen sie auf einen Champions-League-Platz. Doch sie wollen mehr. "Wir haben einen Kader, mit dem wir auf jeden Fall den 2. Platz erreichen können. Das ist nicht so leicht. Aber wenn wir so auftreten wie heute, schaffen wir das", erklärte Lahm.

BVB "interessiert nicht"

Oder geht es vielleicht noch höher hinaus? Über das Thema Meisterschaft wollte sich keiner so richtig Gedanken machen. "Mich interessiert nicht, was der BVB macht. Das war ein wichtiger Sieg. Das waren gute Zeichen eines Siegergens, das uns letztes Jahr ausgezeichnet hat", bewertete Nerlinger den Erfolg bei Werder.

Der guten Stimmung bei den Bayern tat auch das Gerangel zwischen Robben und Thomas Müller keinen Abriss. Im Gegenteil. Dem Disput zwischen den beiden WM-Helden konnte van Gaal etwas Positives abgewinnen. "Generell finde ich es gut, wenn die Spieler sich gegenseitig zur Verantwortung rufen und miteinander kommunizieren. Das muss aber alles mit gegenseitigem Respekt erfolgen."

Der 1. FC Köln ist für das Heimspiel am kommenden Spieltag auf jeden Fall gewarnt. Der FC Bayern scheint endgültig auf Hochtouren zu laufen. Die Kampfansage wurde von Lahm und Nerlinger unisono ausgesprochen: "Wichtig ist, dass wir unseren Kurs fortsetzen und mal eine Serie hinlegen. Dann können wir unsere Ziele noch verwirklichen."

Aus Bremen berichtet Michael Reis