München - Ab Freitag (20:15 Uhr im Live-Ticker) ist es wieder so weit. Dann starten alle 36 Profivereine der Bundesliga und 2. Bundesliga mit dem großen Ziel Berliner Olympiastadion in den nationalen Pokal-Wettbewerb. Herausgefordert werden sie von 28 Vertretern aus der 3. Liga und dem "Amateurlager".

bundesliga.de präsentiert den zweiten Teil der großen Überraschungen im DFB-Pokal.

Saison 1995/96, 1. Runde: SV Sandhausen - VfB Stuttgart 2:2 n.V., 13:12 i.E.

Wenn im Fernsehen der Trailer zum DFB-Pokal eingespielt wird, hören wir auch immer die aufgeregte Stimme von ZDF-Urgestein Rolf Töpperwien, der von der "Riesensensation" spricht. Entnommen wurde der Schnipsel seiner Reportage zum Pokalduell des SV Sandhausen gegen den VfB Stuttgart.
Heute wäre es vielleicht keine Riesensensation mehr, aber doch eine Überraschung. Denn der SV Sandhausen hat sich längst in der 3. Liga etabliert und auch gelegentlich schon von der Tabellenspitze gegrüßt. Auch vor 15 Jahren gehörte der Club in der damaligen Oberliga Baden-Württemberg der höchsten Amateurklasse an. Zwei Mal wurden die Kurpfälzer zudem Deutscher Amateurmeister.
Aber ein Pokalsieg gegen den VfB Stuttgart ist nochmal ein ganz anderes Kaliber. Noch dazu, wenn er nach einem solch dramatischen Spielverlauf zu Stande kommt. Das 13:12 im Elfmeterschießen bedeutet übrigens bis heute einen Rekord. Nie wurden mehr Elfmeter benötigt, um eine Entscheidung herbeizuführen.

Saison 1997/98, 2. und 3. Runde: Trier - Schalke 1:0, Trier - Dortmund 2:1

Gleich im "Doppelpack" sicherte sich Eintracht Trier seinen Eintrag ins Geschichtsbuch des DFB-Pokals. Dem Amateurclub gelang das wohl einmalige Kunststück, innerhalb weniger Wochen zwei amtierende deutsche Europapokalsieger blamiert nach Hause zu schicken.
Doch der Reihe nach. In der 1. Runde warf die von Karl-Heinz Emig trainierte Eintracht den Zweitligisten Unterhaching mit 2:1 raus. In der 2. Runde traf der Regionalligist auf Huub Stevens' "Eurofighter", die wenige Monate zuvor den UEFA-Cup gewonnen hatten. Trier hielt sich an Stevens' Motto "Die Null muss stehen", verteidigte geschickt und freute sich über das goldene Tor von Rudi Thömmes zum 1:0-Sieg.
Sechs Wochen später gastierte der Champions-League-Sieger Borussia Dortmund im Moselstadion. Und der BVB machte es auch nicht besser als die "Knappen". Nachdem erneut Rudi Thömmes und Marek Czakon zur 2:0-Führung der "Schwarz-Blauen" getroffen hatten, gelang Jürgen Kohler nur der Anschlusstreffer für den späteren Weltpokalsieger.
Für Trier ging dagegen die Reise weiter, fast sogar bis nach Berlin. Nach dem Viertelfinalerfolg gegen Waldhof Mannheim (1:0) unterlag die Eintracht im Halbfinale dem MSV Duisburg unglücklich im Elfmeterschießen mit 9:10.

Saison 2000/01, 1. Runde: VfB Stuttgart II - Eintracht Frankfurt 6:1

Es kam in den letzten Jahren durchaus öfter vor, dass sich Bundesliga-Teams bei den Zweitvertretungen der Konkurrenz schlecht aus der Affäre zogen und ausschieden. Aber dass sich die Profis derartig abschlachten ließen, wie Eintracht Frankfurt bei den "Bubis" des VfB Stuttgart, das war bis heute einmalig.
1:6 unterlagen die Hessen im Gottlieb-Daimler-Stadion und es verwundert, dass der damalige Eintracht-Coach Felix Magath seine Truppe nicht zu Fuß in die Mainmetropole zurückmarschieren ließ. Die Stuttgarter Torschützen hießen Angelo Vaccaro, Jörn Schmiedel, Alexander Hleb, Robert Vujevic und zwei Mal Ioannis Amanatidis, für Frankfurt traf Jan Aage Fjörtoft.
Leider konnten die Stuttgarter ihren Coup nicht mehr wiederholen, wollte das Los doch, dass in der 2. Runde ausgerechnet die Profis des VfB auf sie warteten. Das Spiel geriet zur Farce, da die besten Kicker der Zweitvertretung zu den Profis abkommandiert wurden. Der Bundesligist siegte schließlich mit 3:0. Woraufhin der DFB die Regularien änderte und interne Begegnungen eines Vereins fortan ausschloss.

Saison 2000/01, 1. und 2. Runde: Magdeburg - Köln 5:2, Magdeburg - FC Bayern 1:1 n.V., 4:2 i.E.

In seiner ruhmreichen Vergangenheit erwies sich der 1. FC Magdeburg schon öfter als Pokalspezialist. Sieben Mal gewann der Traditionsverein den Pokalwettbewerb der DDR, 1974 zudem sogar als erster und einziger Club aus der DDR einen Europapokal. Doch die glanzvollen Zeiten waren lange vorbei. Nach der deutschen Wiedervereinigung verschwand der Club in den Niederungen des Amateurfußballs. Als Viertligist qualifizierte sich Magdeburg für den DFB-Pokal und zog gleich ein großes Los - den 1. FC Köln. Zeitgleich zur Eintracht in Stuttgart ging der FC mit 2:5 baden.
Trainer Eberhard Vogel stellte sein Team auch gegen Bayern München wieder perfekt ein. Nach torloser 1. Hälfte brachte Adolphus Ofodile den Außenseiter in der 66. Minute in Führung. Hasan Salihamidzic glich in der Schlussphase aus. Doch mehr gelang dem Rekordmeister, der in dieser Saison noch die Champions League gewinnen sollte, nicht.
Im Elfmeterschießen avancierte Magdeburgs polnischer Keeper Miroslav Dreszer zum umjubelten Helden, als er die Strafstöße von Jens Jeremies und Giovane Elber abwehrte, während alle FCM-Schützen trafen. Magdeburg setzte seinen Siegeszug gegen den damaligen Regionalligisten Karlsruher SC fort (5:3 n.V.), ehe der spätere Cupgewinner Schalke mit einem 1:0 im Viertelfinale dem Spuk im Ernst-Grube-Stadion ein Ende setzte.

Saison 2009/10: Es hagelte Überraschungen

Trotz des Favoriten-Finales im vergangenen Pokalwettbewerb mit Bayern München und Werder Bremen hagelte es nur so Überraschungen und Kuriositäten. Den Anfang machte der 1. FSV Mainz 05, der beim VfB Lübeck mit 1:2 n.V. rausflog, seinen kurz zuvor noch umjubelten Aufstiegstrainer Jörn Andersen vor die Tür setzte und durch den damals unbekannten Thomas Tuchel ersetzte.
Nicht viel geschickter stellte sich Hannover 96 beim Oberligisten Eintracht Trier an. Kurz nach dem 1:3 der Niedersachsen trat Dieter Hecking dann auch zurück.
In der 2. Runde düpierte der Drittligist VfL Osnabrück den in der Bundesliga ungeschlagenen HSV mit 7:5 nach Elfmeterschießen. Die ebenfalls unbesiegten Leverkusener flogen in Kaiserslautern mit 1:2 raus.
Borussia Dortmund schloss sich im Achtelfinale beim 2:3 in Osnabrück den Darbietungen der genannten Clubs an. Und im Viertelfinale ließ sich Köln vom klassentieferen FC Augsburg die Grenzen aufzeigen (0:2).

Saison 2010/11: 2. Runde: Kickers Offenbach - Borussia Dortmund 4:2 n.E.

"Die Fans kommen, weil sie auf ein Fußball-Wunder hoffen", orakelte Sportmanager Andreas Möller noch vor dem Zweitrunden-Duell seiner Offenbacher Kickers gegen den augenscheinlich übermächtigen Gegner Borussia Dortmund. Der hatte sich seit Saisonbeginn souverän an die Tabellenspitze der Bundesliga vorgekämpft und schien zu dem Zeitpunkt wirklich nur durch das Schicksal zu bezwingen.
Und dann kam doch alles ganz anders: Die Hessen hielten bravourös dagegen und zeigten sich spielfreudig. Nach der Verlängerung stand es noch immer 0:0. Im anschließenden Elfmeterschießen parierte der Offenbacher Torhüter Robert Wulnikowski zwei Schüsse (Barrios und Lewandowski) und begründete somit die Dortmunder Tradition des Elfmeter-Versagens.
Noch am selben Abend verabschiedete sich auch der FSV Mainz 05, der drei Tage zuvor erst die Führung in der Bundesliga übernommen hatte, mit einem 1:2 gegen Zweitligisten Alemannia Aachen aus dem DFB-Pokal. Somit war die Erstliga-Doppelspitze an nur einem Spieltag im Pokal bezwungen.



Zusammengestellt von Tobias Gonscherowski


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