München - Ab Freitag (20:15 Uhr im Live-Ticker) ist es wieder so weit. Dann starten alle 36 Profivereine der Bundesliga und 2. Bundesliga mit dem großen Ziel Berliner Olympiastadion in den nationalen Pokal-Wettbewerb. Herausgefordert werden sie von 28 Vertretern aus der 3. Liga und dem "Amateurlager".

Der Pokal hat bekanntlich seine eigenen Gesetze. Überraschungen und Sensationen gab es schon immer und wird es immer geben. Kein Bundesligist kann es sich heutzutage noch leisten, den vermeintlichen Außenseiter auf die leichte Schulter zu nehmen. Sonst droht ein böses Erwachen und den siegreichen Dorfvereinen bleibender Ruhm. Ortschaften wie Eppingen, Geislingen oder Weinheim wurden urplötzlich in der ganzen Republik bekannt.

In diesem Jahr hoffen Vereine wie der ZFC Meuselwitz, FC Teningen, SVN Zweibrücken oder SC Wiedenbrück auf den großen Wurf. Und so schlecht stehen die Chancen auf den großen Paukenschlag nicht - bundesliga.de hat einen Blick auf die großen Überraschungen der Vergangenheit geworfen...

Saison 1974/75, 2. Runde: VfB Eppingen - Hamburger SV 2:1

Diese Begegnung ist so etwas wie die "Mutter aller Sensationen" im DFB-Pokal. 1974/75 wurde der Pokal erstmals mit 128 Teams ausgespielt. So bekamen auch zahllose "Dorfvereine" die Chance, einmal in einem K.o.-Spiel gegen die Großen der Bundesliga anzutreten. So auch der VfB Eppingen, der in der 1. Runde noch nicht das ganz große Los zog, aber immerhin den Zweitliga-Aufsteiger Röchling Völklingen mit 2:1 eliminierte.
In der 2. Runde empfingen die Nordbadener dann den Hamburger SV. Der kam als Bundesliga-Spitzenreiter ins Eppinger Kraichgaustadion und erlebte sein blaues Wunder. Vor 15.000 Zuschauern blamierten sich die HSV-Stars bis auf die Knochen und verloren mit 1:2. Der gefeierte Pokalheld war der zweifache Torschütze Gerd Störzer.
Der VfB Eppingen gewann danach auch noch sein Drittrundenspiel, erneut 2:1 in Sandhausen, bevor im Achtelfinale nach einem 0:2 gegen Werder Bremen Schluss mit lustig war. In der Saison 1981/82 spielte Eppingen sogar in der 2. Bundesliga, heute findet sich der Verein in der siebtklassigen Landesliga Rhein-Neckar wieder.

Saison 1978/79, 2. Runde: Bayern München - VfL Osnabrück 4:5

Eigentlich waren die Bayern gut drauf. In der Woche vor dem Pokalspiel hauten Maier, Breitner, Rummenigge, Müller und Co. Eintracht Braunschweig mit 6:1 weg und kletterten auf Platz 2 der Bundesliga-Tabelle. Da sollte daheim gegen den Zweitligisten aus Osnabrück auch nicht viel schief gehen.
Denkste! Von Anfang an entwickelte sich ein munteres Toreschießen. Mit 3:3 ging es in die Halbzeit, dann verwandelte Gerd Müller seinen dritten Elfmeter an diesem Tag zur neuerlichen Bayern-Führung. Doch auch das 4:3 brachte der Elf von Trainer Gyula Lorant keine Sicherheit.
Es war der Tag des 21-jährigen Andreas Wagner. Der Osnabrücker Stürmer erzielte ebenfalls drei Tore, allerdings alle aus dem Spiel heraus. Zudem trafen Reinhold Nordmann und Michael Strunck für die Niedersachen vor 8.500 fassungslosen Zuschauern. Der Sensation von München ließ der VfL Osnabrück noch so manche weitere folgen, diese allerdings im heimischen Stadion an der Bremer Brücke. In der vergangenen Spielzeit warf der VfL als Drittligist mit dem HSV und Dortmund wieder zwei Große aus dem Rennen.

Saison 1984/85, 1. Runde: SC Geislingen - Hamburger SV 2:0

Wieder erwischte es den großen HSV, wieder bei einem Dorfverein in Baden-Württemberg. Immerhin hat der SC Geislingen sich auch vorher schon einen Namen gemacht. Später bekannte Fußballer wie Karl Allgöwer, Andreas Buck oder Jürgen Klinsmann trugen einst das Trikot des SCG.
Der HSV 1984 war immer noch die von Legende Ernst Happel gecoachte Startruppe, die nach den Meisterschaften 1982 und 1983 sowie dem Sieg im Europapokal der Landesmeister 1983 die Saison 1983/84 immerhin als Vizemeister abgeschlossen hatte. Topspieler wie Uli Stein, Felix Magath, Thomas von Heesen oder Manfred Kaltz standen in Geislingen auf dem Platz.
Happels Pendant auf Geislinger Seite war der Malermeister Jakob Baumann, der nicht einmal eine Trainerlizenz besaß. Doch der Coach hatte den Außenseiter perfekt eingestellt. Nach Toren von Wolfgang Haug und Klaus Perfetto war die Sensation perfekt. In der nächsten Runde bezwangen die Schwaben auch noch Bundesliga-Absteiger Kickers Offenbach mit 4:2, ehe im Achtelfinale gegen Bayer Uerdingen mit 0:2 das Aus kam.

Saison 1990/91, 1. Runde: FV 09 Weinheim - Bayern München 1:0

Bayern München ging in die vierte Saison unter Trainer Jupp Heynckes. 1989 und 1990 hatten die Bayern die Meisterschaft gewonnen, sechs Bayern-Spielern waren gerade als gefeierte Weltmeister aus Italien zurückgekehrt. Ideale Voraussetzungen also für einen lockeren Saison-Aufgalopp.
Ideale Voraussetzungen aber auch für eine große Pokalblamage. Denn wer nimmt schon einen Oberligisten aus dem Rhein-Neckar-Kreis ernst? So spielten die Bayern-Stars dann auch auf. Auch nach dem von einem gewissen Thomas Schwechheimer nach 28 Minuten verwandelten Elfmeter kam bei den Bayern keine Panik auf. Aber auch keine Gegenwehr.
Das Spiel plätscherte vor sich hin und war auf einmal vorbei. Der große FC Bayern hatte sich im Sepp-Herberger-Stadion in Weinheim an der Bergstraße aus dem Wettbewerb verabschiedet, sang- und klanglos. Das Einzige was sie mitnehmen konnten, war ein schöner Bildband von Weinheim und Umgebung...

Saison 1994/95, 1. Runde: TSV Vestenbergsgreuth - Bayern München 1:0

Geschichte wiederholt sich. Wenn auch unter etwas anderen Vorzeichen. Wie schon vier Jahre zuvor scheiterte der FCB als amtierender Meister in der 1. Runde bei einem krassen Außenseiter. Mit Giovanni Trapattoni saß ein neuer Coach auf der Bank, ein Mann von Welt, der mit italienischen Clubs alles gewonnen hatte. Doch auch ein "Maestro" ist nicht vor bösen Überraschungen gefeit. Vom TSV Vestenbergsgreuth hat Trapattoni vermutlich nicht viel gewusst. Das Spiel wurde im nahen Nürnberger Frankenstadion vor großer Kulisse ausgetragen. Der Industriemechaniker Roland Stein schoss vor 26.000 Besuchern das Tor des Tages gegen Oliver Kahn, Lothar Matthäus, Mehmet Scholl und Co.
Der Dorfclub nutzte die Gunst der Stunde, die Bayern waren draußen. Nur ein Jahr nach dem Triumph fusionierte Vestenbergsgreuth mit der SpVgg Fürth zur SpVgg Greuther Fürth, die seitdem zum Establishment der 2. Bundesliga gehört. Übrigens schaltete die TSV im laufenden Wettbewerb auch noch den FC Homburg mit 5:1 aus. Der K.o. kam erst in Runde 3 äußerst unglücklich gegen den Zweitligisten und späteren Pokalfinalisten VfL Wolfsburg im Elfmeterschießen.


Zusammengestellt von Tobias Gonscherowski


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