München - Der FC Bayern hat bislang mit Manuel Neuer, Rafinha und Nils Petersen drei Transfers für die neue Saison vermeldet. Doch wenn man das Team der vergangenen Spielzeit betrachtet, dann ist auch ein vierter Neuzugang perfekt - Ivica Olic.

Streng genommen ist der kroatische Stürmer natürlich auch in der abgelaufenen Saison beim Rekordmeister unter Vertrag gewesen, allerdings konnte der 31-Jährige nur in den ersten sechs Spielen mitwirken. Was dann kam, würde Olic am liebsten aus seinem Gedächtnis streichen: Im Länderspiel zwischen Kroatien und Israel Anfang Oktober verletzte er sich am linken Knie und erhielt anschließend eine erschütternde Diagnose: Außenmeniskusriss und Knorpelschaden.

"Das war die Hölle"

Olic wurde in den USA operiert und musste anschließend ein knallhartes Reha-Programm absolvieren. "Zuerst durfte ich das Bein überhaupt nicht bewegen. Danach bekam ich eine Maschine, das war die Hölle", beschreibt er in der "Bild" seine Qualen. "Ich musste mich acht Wochen lang jeden Tag für acht Stunden auf diese Maschine schnallen, die mein Bein geknickt hat. Acht Stunden lang! Jeden Tag! Ich bin kaum noch vor 1 Uhr nachts ins Bett gekommen. Das war die schlimmste Zeit meiner Karriere."

Geholfen hat ihm die Aussicht, dass er nach Beendigung der Tortur auf jeden Fall wieder auf dem Spielfeld stehen könne. "Von da an habe ich nicht mehr an die acht Monate gedacht, sondern daran, dass ich irgendwann wieder auf dem Platz stehen werde. Dieses Ziel habe ich vor Augen und ich werde es schaffen", so Olic.

Nach monatelangen Qualen sah Olic im Mai erstmals Licht am Ende des Tunnels. Ausgerechnet am Freitag, den 13. absolvierte er wieder eine Einheit auf dem Platz und konnte sein Glück danach kaum fassen. "Ich bin so froh, dass ich wieder den Rasen rieche", sagte er nach dem rund 40-minütigen, leichten Lauftraining, das für ihn wie im Flug verging. "Es kam mir vor wie zwei Minuten." Der 31-Jährige deutete auf den ersten Stock des Leistungszentrums, wo er in den vergangenen Monaten hart auf diesen Tag hingearbeitet hat. "Da oben fühlte ich mich wie in einem Gefängnis. Jetzt bin ich wieder frei."

Top-Werte in der Datenbank

Seine persöniche Freiheit kostet Olic zwar die Sommerferien - doch darauf verzichtet er gerne. Während die Mannschaftskollegen die Beine hochlegen, schuftet der Kraote weiter an seinem Comeback. "Ich hatte jede Woche ein Ziel. Jeder Fortschritt war meine Motivation", erzählt er, "jetzt macht es Spaß. Ich kann laufen und bald kommt auch der Ball dazu. Jetzt trainiere ich für den Fußball."

Den Wert des Torjägers, der die Bayern vor gut einem Jahr mit drei Treffern gegen Lyon und zwei gegen Manchester United ins Champions-League-Finale geschossen hatte, lässt sich aus seinen statistischen Daten leicht herauslesen: Alle 204 Minuten schoss Olic ein Tor in der Bundesliga. In der Saison 2009/10 war er in 29 Einsätzen elf Mal erfolgreich. Der Kroate glänzte im "Oberhaus" mit einer Schussgenauigkeit von 56,6 Prozent und einer Chancenverwertung von 18,8 Prozent - für einen Stürmer sind dies hervorragende Werte.

Comeback am 1. Bundesliga-Spieltag?

Zudem brachte der kroatische Nationalspieler fast 75 Prozent seiner Pässe an den Mann und bereitete in insgesamt 115 Partien 13 Treffer vor. Die durchwachsene Saison des FC Bayern ausschließlich mit dem Fehlen des Stürmers zu erklären, wäre sicher zu kurz gegriffen - zu einem Großteil dürfte es allerdings zutreffen.

Anfang August will Olic mit seinen Mannschaftskollegen des FC Bayern am 1. Bundesliga-Spieltag dabei sein. Bis dahin arbeitet er weiterhin knallhart an seinem Comeback - wohl wissend, dass er die schlimmste Zeit hinter sich hat.

Johannes Fischer


Hier geht's zum großen Saisonrückblick 2010/11