Hamburg - Am Sonntag treffen Joe Zinnbauer und Viktor Skripnik bereits zum zweiten Mal in dieser Saison aufeinander. Im September besiegte Zinnbauer seinen Kontrahenten Skripnik in Bremen 4:2. Damals in der Regionalliga Nord.

Gut zwei Monate später treffen die beiden mit ihren Clubs Hamburger SV und Werder Bremen in der Hamburger Imtech Arena erneut aufeinander. Dieses Mal in der Bundesliga. Im Gespräch mit bundesliga.de erklärt Zinnbauer die Bedeutung der Partie und die Chancen für den HSV. 

bundesliga.de: Herr Zinnbauer, im September haben Sie mit dem HSV II bei Werder II 4:2 gewonnen. Trainer in Bremen war damals Viktor Skripnik. Am Wochenende treffen Sie nun als Bundesliga-Trainer aufeinander. Was hätten Sie gesagt, wenn man Ihnen das im September prophezeit hätte?

Joe Zinnbauer: Das hätte ich wahrscheinlich extrem spannend und sehr reizvoll gefunden. Damals habe ich allerdings noch keinen Gedanken daran verschwendet, dass es wirklich so kommen könnte. Jetzt ist es eine große Herausforderung, die einen voll und ganz fordert.

"Der HSV ist für die Zukunft gut aufgestellt"

bundesliga.de: Sie beim HSV, Skripnik in Bremen, Thomas Schneider damals beim VfB Stuttgart oder Thomas Tuchel in Mainz sind nur einige Beispiele, wie normal es geworden ist, Trainer aus dem Nachwuchsbereich zu befördern, statt Trainer, die gerade auf dem Markt sind, zu verpflichten. Haben Sie eine Erklärung dafür?

Zinnbauer: Ich denke, dass es eher ein Vorteil für die verantwortlichen Funktionsträger im Verein ist. Sie haben die Möglichkeit, sich im eigenen Stall einen Überblick zu verschaffen und die Arbeit eines Trainers aus nächster Nähe zu bewerten. Andersherum kann es natürlich auch für uns Trainer von Vorteil sein, dass wir uns nicht erst ein Bild über Verein, Umfeld und handelnde Personen  machen müssen. Du kannst dich sofort voll auf deine Arbeit konzentrieren, fühlst dich gleich angekommen und heimisch.

bundesliga.de: Nur fünf Jahre ist es her, dass der HSV und Werder in Europa unterwegs waren, zuletzt ging es gegen den Abstieg? Wie erklären Sie sich den Absturz der beiden Traditionsvereine?

Zinnbauer: Die Geschichte zu erzählen, würde sicher einige Zeit in Anspruch nehmen. Bestimmt gibt es auch einige Parallelen. Ich maße mir allerdings nicht an, eine Fehleranalyse der Vergangenheit vorzunehmen. Beim HSV hat offensichtlich ein gewisses Maß an Kontinuität gefehlt, viele unterschiedliche Kräfte haben auf den Verein eingewirkt. Für die Zukunft sehe ich den HSV aber sehr gut aufgestellt. Dietmar Beiersdorfer (Vorstandsvorsitzender der HSV Fußball AG, Anm. d. Red.), Peter Knäbel (Sportdirektor, Anm. d. Red.), Bernhard Peters (Direktor Sport- und Nachwuchsförderung, Anm. d. Red.) - alles Leute, die ihre Kompetenzen schon mehrfach nachgewiesen haben.

bundesliga.de: Die Abwehr Ihrer Mannschaft ist weit stabiler als in den Vorjahren, aber im Angriff hapert es. Woran liegt es und wie wollen Sie das ändern?

Zinnbauer: In erster Linie weiß ich, dass ich das nicht unter der Woche in einem Interview ändern kann. Da schieße ich höchstens mal ein verbales Eigentor wenn ich nicht aufpasse (lacht). Ich halte es ohnehin nicht für angebracht, diese Problematik von unserer Seite aus öffentlich weiter zu thematisieren. Dass Sie es machen müssen, verstehe ich.  Wir haben die Möglichkeit, unser Offensivspiel im Training weiter zu verbessern. Und manchmal reicht ja auch das eine Tor, um drei Punkte einzufahren. So wie zuletzt in Dortmund oder hier bei uns in der Imtech Arena gegen Bayer Leverkusen.

"Es knistert schon ganz gewaltig"

bundesliga.de: Sie sprechen es an: Siege in Dortmund und gegen Leverkusen, in Wolfsburg darf man, wie Sie selbst sagten, verlieren, aber mit dem Auftreten der Mannschaft waren Sie zufrieden. Wie kommt es zu Ausrutschern wie beim 0:3 bei Hertha BSC? Fehlt noch die Konstanz oder liegen der Mannschaft Gegner mehr, die wie Leverkusen oder der BVB mitspielen?

Zinnbauer: Logischer wäre es, dass uns Mannschaften besser liegen, die sich auf einem ähnlichen Leistungsniveau bewegen. Gegen die Top-Mannschaften der Bundesliga haben wir vielleicht sogar mehr Punkte geholt als erwartet. Gegen Hertha haben wir blöde Fehler gemacht, die in der Summe zu einer Niederlage geführt haben. Jetzt geht es darum, bis zur Winterpause ordentlich was auf unser Punktekonto zu packen. Am Sonntag um 15:30 Uhr steht ganz dick Werder auf dem Programm.

bundesliga.de: Kommen wir zu dem Derby: HSV gegen Bremen sind immer brisante Duelle. Unvergessen das Kalenderjahr 2009, in dem die Klubs fünfmal aufeinandertrafen und der HSV sowohl in DFB- als auch UEFA-Pokal-Halbfinale ausschied. Wie nehmen Sie in der Stadt und bei den Spielern die Stimmung in der Woche vor dem Nordderby wahr?

Zinnbauer: Ich habe den Eindruck, dass es schon ganz gewaltig knistert. Die Arena ist ausverkauft. Ich hoffe, dass es am Sonntag so laut bei uns wird wie niemals zuvor. Das ist doch das emotionalste Spiel der Saison. Und angesichts der Tabelle besonders brisant. Wir haben die Chance, mit einem Sieg an Werder vorbeizuziehen. Wir werden alle Kräfte mobilisieren.

bundesliga.de: Werder feierte zuletzt dei Pflichtspielsiege in Folge. Kam der Wechsel auf der Bremer Bank von Robin Dutt zu Skripnik zu einem ungünstigen Zeitpunkt für den HSV?

Zinnbauer: Wenn am Sonntag um 15:30 Uhr angepfiffen wird, ist es nicht von Bedeutung, wie die Spiele vorher ausgegangen sind. Das Ding wird hier in den 90 Minuten plus Nachspielzeit entschieden.

Die Fragen stellte Jürgen Blöhs