München - Nach einem kleinen Zwischenhoch mit drei Pflichtspielen ohne Niederlage ist der FC Augsburg zuletzt beim 0:3 in Köln wieder auf dem harten Boden der Realität gelandet. In dieser Verfassung wird es der Aufsteiger schwer haben, die Bundesliga zu halten.

Im Interview mit bundesliga.de schätzt FCA-Keeper Simon Jentzsch die Situation der Schwaben realistisch ein. Leider kann der 35-Jährige wegen einer Fingerverletzung am Wochenende nicht spielen.

bundesliga.de: Nach einigen erfolgreichen Spielen gab es für den FC Augsburg beim 0:3 in Köln einen Rückschlag. Wie ordnen Sie die Vorstellung ein?

Simon Jentzsch: Die Niederlage war bitter. In dem Spiel ist letztendlich alles in die falsche Richtung gelaufen. Das war ein gebrauchter Tag. Auch für mich. Ich habe beim ersten Gegentor nicht gut ausgesehen. Wir hatten uns viel vorgenommen und waren in den letzten Wochen etwas vom Erfolg verwöhnt. Aber so ist Fußball.

bundesliga.de: Ist der FC Augsburg in der Bundesliga konkurrenzfähig?

Jentzsch: Jeder Punkt, den wir holen, ist ein Geschenk. Wir müssen immer 100 Prozent geben. Das haben wir immer wieder betont. Bis jetzt sind wir nicht Letzter. Aber das wird man erst am Ende der Saison beurteilen können.

bundesliga.de: Wo liegen die größten Probleme, ist der Unterschied zwischen Bundesliga und 2. Bundesliga zu groß?

Jentzsch: Das hat mehrere Ursachen. Wir müssen den Ball mehr aus der Gefahrenzone heraus halten. Wir müssen am professionellen Verhalten dazulernen. Jede Minute, die wir in der Bundesliga auf dem Platz stehen, ist für uns wichtig, um zu lernen.

bundesliga.de: Elf Spieltage sind nun gespielt. Auf den Abstiegskampf dürfte jeder in Augsburg vorbereitet gewesen sein. Auch nach den jüngsten guten Ergebnissen dürfte niemand Luftschlösser gebaut haben?

Jentzsch: Genau. Wir haben das realistisch gesehen. Wir müssen zusehen, dass wir bis zum Winter Punkte sammeln. Dann müssen wir versuchen, neue Kräfte zu schöpfen. Was in der Rückrunde passiert, steht dann in den Sternen.

bundesliga.de: Muss der FC Augsburg personell in der Winterpause noch einmal nachlegen?

Jentzsch: Ich bin Angestellter des Vereins. Das müssen Trainer und Manager beurteilen und dann eine Entscheidung treffen.

bundesliga.de: Wie viel Spaß macht Ihnen die Bundesliga?

Jentzsch: Für mich ist es ein Geschenk. Ich war vor zweieinhalb Jahren am Boden. Meine Karriere war schon fast am Ende. Ich genieße jede Sekunde, auch wenn es nicht schön ist, wenn man verliert.

bundesliga.de: Wie nehmen Sie die Erwartungshaltung in der Stadt wahr?

Jentzsch: Die meisten Leute sehen das schon realistisch. Wir haben einen kleinen Kader und mit Abstand den geringsten Etat. Jeder Punkt, den wir holen, ist schon ein Erfolg. Wir sind noch in Reichweite und wollen das bis zum Saisonende auch bleiben. Aufgeben werden wir nicht.

bundesliga.de: Bayern München ist der nächste Gegner. Was rechnen Sie sich gegen den Tabellenführer aus?

Jentzsch: Das ist für uns das einfachste Spiel der Saison. Von uns erwartet gegen die Bayern keiner etwas - nur, dass wir mit Leidenschaft in das Spiel gehen und kämpfen bis zum Ende. Ich habe irgendwo gelesen, dass wir nicht einmal ein Zehntel vom Etat der Bayern haben. Insofern spricht das alles für sich. Schade, dass ich nicht mitspielen kann.

bundesliga.de: Die Ausgangsposition ist vielleicht gar nicht so schlecht. Die Bayern spielten vorher in der Champions League und haben sich in der Bundesliga bereits ein bisschen von den Verfolgern abgesetzt. Vielleicht lassen sie es in Augsburg ein bisschen ruhiger angehen.

Jentzsch: Aber man hat auch gesehen, dass die Bayern über einen exzellenten Kader verfügt. Selbst wenn sie mit der B-Mannschaft antreten, können wir ihnen von der Qualität der Spieler nicht das Wasser reichen. Dafür spielen sie in der Champions League. Aber im Fußball ist alles möglich. Wir spielen auch in der Bundesliga und werden unser Bestes geben.

bundesliga.de: Wie sehr sind Sie überzeugt, dass der FC Augsburg den Klassenerhalt schaffen kann?

Jentzsch: So lange wir nicht abgeschlagen sind, bin ich sehr überzeugt. Wir hatten viele Spiele, die auf Messers Schneide standen. Es gab sicher auch Spiele, in den wir chancenlos waren, keine Frage. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Und im Moment sind wir nicht Letzter und es ist noch alles eng beieinander.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski