München - Das Nordderby wirft seine Schatten voraus. Zum 95. Mal kommt es in der Bundesliga zur Partie Werder Bremen gegen den Hamburger SV - keine andere Bundesligapartie gab es so häufig. bundesliga.de präsentiert weitere Fakten und Rekorde rund um das prestigeträchtige Duell der Clubs aus den Hansestädten.

In der Gesamtstatistik hat Bremen insgesamt knapp die Nase vorn (31 Siege, 33 Remis, 30 Niederlagen, 137:144 Tore). Keine andere Paarung in der Bundesliga-Historie endete so häufig remis wie diese (33 Mal).

Zuhause stehen für Werder 22 Siege, 16 Remis und neun Niederlagen zu Buche (84:59 Tore). Unter Thomas Schaaf gewann Werder elf von 24 Partien gegen den HSV (sechs Remis, sieben Niederlagen). Im Weserstadion gab es unter Schaaf in zwölf Partien sogar nur zwei Niederlagen (bei sieben Siegen und drei Remis).

Schaaf erlebte elf HSV-Trainer

Als Spieler traf Schaaf 16 Mal mit Werder auf den Nordrivalen, erreichte dabei eine ausgeglichene Bilanz (7-2-7). Seit über zwölf Jahren (Mai 1999) ist Thomas Schaaf nun schon Trainer bei Werder Bremen. Im gleichen Zeitraum saßen beim HSV elf verschiedene Trainer auf der Bank: Pagelsdorf, Jara, Toppmöller, Doll, Stevens, Jol, Labbadia, Veh und Oenning plus die beiden Interimstrainer Hieronymus und Moniz.

Die Zeiten änderten sich: Der HSV, einstmals der unangefochtene Top-Club im Norden, ist seit über 24 Jahren ohne Titel (seit dem Pokalsieg 1987). In diesem Zeitraum wurde Werder drei Mal Meister, fünf Mal Pokalsieger und gewann zudem den Europapokal der Pokalsieger.

Kaltz ist der Rekord-Derbyspieler

Die titellose Zeit wäre vielleicht sogar zu Ende gegangen, hätte es nicht im Frühjahr 2009 für den HSV besonders bittere Tage gegen Bremen gegeben: Damals gab es die "norddeutschen Festwochen", als der HSV und Werder innerhalb von 19 Tagen vier Mal aufeinander trafen (ein Novum in Fußballdeutschland). Werder spuckte dem HSV gewaltig in die Suppe, schmiss ihn aus dem Pokal, dem UEFA-Cup und machte in der Bundesliga mit dem 2:0-Erfolg am 31. Spieltag die letzte Meisterschaftschance des HSV zunichte.

In der Bundesliga trafen beide Teams 94 Mal aufeinander - und ein Spieler war in einem Drittel dieser Partien dabei: Manfred Kaltz. Der "Erfinder der Bananenflanke" war in der Eliteliga 31 Mal im Nordderby am Ball und somit öfter als jeder andere Spieler. Aus der aktuellen Spielergeneration stand David Jarolim am häufigsten bei diesen brisanten Duellen auf dem Platz (zwölf Mal, auf Seiten der Bremer Tim Borowski in elf Spielen).

Werders legendäres 6:0

Den höchsten Bremer Sieg im Nordderby gab es am 1. Mai 2004 im Weserstadion: 6:0 fertigte Werder damals den HSV ab (Eigentor Barbarez, Ismael, Klasnic, Ailton, Valdez und Skripnik) und sorgte damals vor allem in München für Unmut.

Bremen kämpfte seinerzeit mit dem FC Bayern um die Meisterschaft und die Herren Hoeneß & Co echauffierten sich über den Hamburger Auftritt, auch da der HSV mit Tom Starke die etatmäßige Nummer drei zwischen die Pfosten stellte - eine Woche später machte Werder mit einem 3:1 in München die Meisterschaft perfekt. In Hamburg lautete der höchster Bremer Erfolg 4:0. Dies schaffte Bremen zwei Mal, zuletzt am 11. September 2001 (Ailton, Bode, Ernst und Stalteri).

Der höchste HSV-Sieg gegen Werder war zwei Mal ein 5:0. Zuletzt gelang dies am 15. Mai 1982 unter Ernst Happel durch Tore von Hrubesch (drei) und je ein Mal Magath und Bastrup.

Beiersdorfer gewann mit beiden Clubs den Pokal

Im aktuellen Kader beider Teams steht kein Spieler, der schon für beide Mannschaften in der Bundesliga auflief. Bekannte "Doppel-Agenten", die für Bremen und den HSV in der Bundesliga die Stiefel schnürten, waren etwa Frank Rost, Dietmar Beiersdorfer, Benno Möhlmann, Ailton, Marinus Bester, Werner Dreßel, Andreas Reinke, Ole Björnmose, Bruno Labbadia, Frank Ordenewitz, Rodolfo Esteban Cardoso, Mohamed Zidan, Fabian Ernst, Dirk Weetendorf, Raphael Wicky oder Boubacar Sanogo.

Möhlmann und Cardoso waren dabei die einzigen beiden Spieler, die in einem Derby sowohl für Bremen als auch für den HSV trafen. Dietmar Beiersdorfer gewann unter anderem mit beiden Clubs den DFB-Pokal (1987 mit dem HSV und 1994 mit Werder), traf dabei sogar jeweils im Endspiel.

Auf Trainer-Seite gab es erst einen, der bei beiden schon an der Linie stand: Felix Magath, der den HSV in 58 Bundesligapartien und Werder in 22 Bundesligaspielen betreute. Dabei hat Magath als Trainer nur ein Derby verloren: Als Werder-Coach teilte er zwei Mal mit dem HSV die Punkte, als Übungsleiter der Hamburger gab es je einen Sieg, ein Remis und eine Niederlage gegen Bremen.

Tobias Gonscherowski