Als ihn sein Onkel, der Ordner im Neckarstadion war, 1977 einmal mit zu einem Heimspiel des VfB Stuttgart genommen hatte, war es um Ralph Klenkl geschehen. Seither schlägt sein Herz für den VfB. In der Fanszene der Schwaben ist er seit 1983 aktiv. 1990 wurde er einer der drei ehrenamtlichen Fansprecher des Vereins und seit 1998 ist er hauptberuflich Fanbeauftragter der Stuttgarter.

Im Interview mit bundesliga.de spricht Klenk über die vielschichtige Arbeit als Fanbeauftragter und erläutert seine Arbeit für den VfB, die DFL und den DFB. Er erklärt, warum der Dialog zwischen dem Club und seinen Anhängern so ungemein wichtig ist, und gibt einen sportlichen Ausblick auf die kommende Saison.

bundesliga.de: Herr Klenk, seit wann schlägt Ihr Herz für den VfB Stuttgart?

Ralph Klenk: Seit dem Wiederaufstieg des VfB 1977. Mein Onkel war damals Ordner im alten Neckarstadion. Er hat mich mitgenommen und nach nur einem Spiel hatte mich der VfB-Virus gepackt. Seither gehe ich regelmäßig zum VfB und Anfang der 80er Jahre bin ich dann auch zu den Auswärtsspielen gegangen.

bundesliga.de: Wie sind Sie schließlich Fanbeauftragter geworden?

Klenk: 1990 hat der damalige Manager Dieter Hoeneß eine Fanclubversammlung durchgeführt, weil der VfB eigentlich wenig über seine Fanszene und über die Strukturen der Fanclubs wusste. Bei diesem Treffen wurde ein Sprechergremium gewählt. So wurde ich einer von drei ehrenamtlichen Fansprechern. Im Laufe der Zeit hat sich zum einen die ehrenamtliche Arbeit vervielfältigt, zum anderen hat man den Dialog mit den Fanclubs noch intensiver gesucht. So hat sich das schließlich vom ehrenamtlichen Sprecher zum hauptberuflichen Fanbeauftragten entwickelt. Wie in allen anderen Vereinen war es auch beim VfB notwendig, dass jemand diesen Job als Vollzeitstelle macht. Der Arbeitsaufwand ist riesig und der Dialog mit der Fanszene immer wichtiger.

bundesliga.de: Was genau beinhaltet Ihre Arbeit?

Klenk: Als Fanbeauftragter bin ich der Vermittler zwischen Verein und Fanszene. Ich bin für beide Seiten der Ansprechpartner für alle Fan-relevanten Themen. Ich vertrete natürlich auch die Interessen des Vereins gegenüber der Fanszene, aber vertrete auch die Faninteressen innerhalb des Vereins. Es geht halt darum, beide Seiten auf einen Nenner zu bringen. Ganz aktuell ist bei uns der Stadionumbau ein Thema. Da gab es in der Vergangenheit Arbeitsgruppen innerhalb der Fanszene, wo die Wünsche der Fans eingebracht wurden, wie das neue Stadion gestaltet werden kann. Nicht jeder Wunsch ist umsetzbar, aber die relevanten Dinge wie Stehplätze, die Heimat der Fans, die Möglichkeit, Fahnen aufzuhängen, sind Dinge, die umgesetzt wurden. Das A und O sind die Kommunikation und der Dialog mit der Fanszene.

bundesliga.de: Da hört Ihre Arbeit aber nicht auf. Sie gehören auch zu den Fanbeauftragten des DFB und arbeiten auch eng mit der DFL zusammen. Wie sieht Ihre Arbeit da aus?

Klenk: Ich bin bei verschiedenen Arbeitskreisen dabei, wie zum Beispiel der AG Fandialog, die beim Fankongress in Leipzig vor zwei Jahren entstanden ist. Dort gehen wir auf die überregional relevanten Themen ein. Ein sehr großes Thema ist immer wieder der Umgang mit der Polizei. Immer wieder wird die Polizei auch als Feindbild in bestimmten Kreisen angesehen. Und es geht darum, auch hier den Dialog zu verbessern. Auch einheitliche Genehmigungen von Fanutensilien ist ein Thema. Für jeden Fan, der auch Auswärtsspiele besucht, ist das enorm wichtig. Da gibt es unterschiedliche Richtlinien. Diese Dinge bespricht man in der AG Fandialog.

bundesliga.de: Wie viel Zeit investieren Sie in Ihren Job?

Klenk: Eine 40-Stunden-Woche gibt es in unserem Job nicht. Als Fanbeauftragter ist man ja bei jedem Spiel dabei - auch und vor allem auswärts ist man Ansprechpartner Nummer eins. Überall gibt es andere Stadien, andere Richtlinien. Da muss man sehr viel vermitteln. Eine Sechstage-Woche ist ganz normal.

bundesliga.de: Wie ist das Verhältnis zwischen den Fankoordinatoren untereinander? Welche Gemeinsamkeiten gibt es und welcher Austausch von Daten und Informationen findet statt?

Klenk: Das funktioniert über ein internes Forum und auch sehr viel über persönliche Kontakte. Jeder Fanbeauftragte hat Kontakt mit seinem Gegenüber, wenn es um das gemeinsame Spiel geht. Da ist die Kontaktaufnahme im Vorfeld immer sehr wichtig. Dabei geht es eben um Fanutensilien. Man trifft sich am Spieltag selbst und bespricht sich. Zum Beispiel zum Saisonstart in Wolfsburg, da informiere ich meinen Kollegen, wie viele Fans ankommen, wann und wo. Ich melde die Fanutensilien an. Auf den intensiven Kontakt untereinander legen wir sehr viel Wert. Man sieht sich aber zusätzlich noch bei internen Tagungen oder Tagungen der DFL oder des DFB. Da herrscht ein reger Austausch, der auch wichtig ist.

bundesliga.de: Ist die Saisonvorbereitung auch für Sie der stressigste Teil des Jahres?

Klenk: Stressig nicht, da es ja auch mit Routine zu tun hat. Aktuell bereiten wir zum Beispiel unsere Auswärtsdauerkarten vor. Wir haben ja einen Stamm von 400 Personen aus der Fanszene, die zu jedem Auswärtsspiel fahren. Die ordern die Auswärtsdauerkarte. Diesen Ablauf koordinieren wir regelmäßig vor der Saison mit unserer Ticketabteilung. Die Vorbereitung kann man aufgrund der langjährigen Tätigkeit relativ entspannt sehen.

bundesliga.de: Als Fanbeauftragter werden Sie vom Club bezahlt, müssen aber immer den Fans gegenüber glaubwürdig sein. Gibt es da ab und an Reibungspunkte? Und wie geht man damit um?

Klenk: In der Bundesliga sind alle Fanbeauftragten hauptberuflich bei den Vereinen angestellt. Oftmals wird die Arbeit wie bei uns oder auch in Gladbach, Hamburg und anderswo auf zwei oder drei Personen verteilt. Es ist einfach so viel geworden. Reibungspunkte wird es im Fußball immer geben. Das ist ganz normal. Es gibt nun mal verschiedene Ansichten und im Stadion ist ja auch verschiedenes Klientel anwesend. Jeder hat sein Recht auf seine Meinung. Da ist der Dialog eben sehr wichtig. Da hockt man sich mit den unterschiedlichen Abteilungen innerhalb des Vereins zusammen oder auch mit den Fans. Das ist immer wichtig. Es geht darum, eine Lösung zu finden, die für alle Seiten annehmbar ist.

bundesliga.de: Nun aber zum Sportlichen. Was erwarten Sie vom VfB Stuttgart in der kommenden Saison?

Klenk: In den vergangenen Jahren waren wir immer weit oben, haben 2007 die Meisterschaft geholt und haben in der Vorsaison dank einer sehr guten Rückrunde die Qualifikation für die Champions League geschafft. Im Moment ist jeder gespannt, wer Nachfolger von Mario Gomez wird. Das wird ziemlich schwer. Ich denke schon, dass wir wieder eine Rolle unter den ersten Fünf spielen werden. Die Konkurrenz ist natürlich groß. Aber ich bin voller Zuversicht.

bundesliga.de: Ist der Job als Fanbeauftragter ein Traumjob?

Klenk: Ja, das kann ich schon sagen. Damals, als ich vor fast 20 Jahren als ehrenamtlicher Fansprecher angefangen habe, hatte ich den Gedanken schon im Hinterkopf, das irgendwann nicht nur ehrenamtlich machen zu wollen. Ich habe darauf hingearbeitet, dass die Fanbetreuung des VfB eben professionell gemacht wird. Das war immer ein großes Ziel von mir. Man hat sehr viel mit Menschen zu tun, natürlich ist der Zeitaufwand enorm groß. Es ist kein 0815-Job. Man kommt viel rum und reist in der Funktion des Fanbeauftragten in Länder, in die man normalerweise nicht fahren würde. In gewissem Sinne ist es also wirklich ein Traumjob.

Das Gespräch führte Sebastian Stolz