Köln – Das Transferfenster ist eigentlich schon geschlossen, aber Werder Bremen hat dennoch einen spektakulären Wechsel vollzogen. Claudio Pizarro kehrt in die Hansestadt zurück. Den der torgefährlichsten Ausländer der Bundesliga-Geschichte zieht es nach 1999 und 2008 schon zum dritten Mal an die Weser. bundesliga.de nennt fünf Gründe, warum der 36-Jährige Werder weiterhilft.

1) Burgsmüller Reloaded?

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In Bremen haben sie gute Erfahrungen mit Ü35-Transfers gemacht. Im Verlauf der Saison 1985/86 wechselte der fast 36-jährige Manfred Burgsmüller aus der 2. Bundesliga zu Werder Bremen. In seiner ersten Spielzeit für Werder kam er 20 Mal zum Einsatz und erzielte dabei 13 Treffer – eine überragende Quote. Insgesamt lief Burgsmüller 115 Mal für Werder auf (34 Tore) und wurde mit Bremen 1988 Deutscher Meister.

Wie Pizarro war Manfred Burgsmüller ein Schlitzohr – auf und neben dem Platz. Nun könnte der Peruaner in die Fußstapfen von Burgsmüller treten, der mit 213 Bundesliga-Treffern auf Rang 4 der ewigen Torjägerliste liegt. Sein letztes Tor erzielte er im zarten Alter von 39 Jahren. Spielt Pizarro noch so lange weiter, könnte er Burgsmüller sogar noch überflügeln. Der Peruaner steht derzeit bei 176 Treffern.

2) Skripniks Ass im Ärmel

Auch, wenn es nach längerer Wettkampfpause für Pizarro vielleicht noch nicht für 90 Minuten reichen sollte, könnte er zum wertvollen Joker für Werder werden. 14 Tore erzielte der 36-Jährige bereits als Einwechselspieler. Kein aktueller Bundesliga-Spieler kommt an diesen Wert heran. Historisch traf nur Alexander Zickler häufiger als Joker (18 Mal).

Ein weiterer Rekord, der für den ewigen Pizarro (erstes Bundesliga-Spiel im August 1999) in greifbarer Nähe ist. Neben der Ehre des besten ausländischen Stürmers der Bundesliga-Historie ist Pizarro auch der effektivste Spieler der Geschichte. In der Spielzeit 2013/14 benötigte er für seine zehn Tore lediglich 684 Minuten Spielzeit. Einen besseren Toreschnitt innerhalb einer Saison hatte zuvor kein Angreifer mit zweistelliger Trefferzahl. Daran soll er nun wieder anknüpfen.

3) Mentor für Talente

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In seiner dritten Bremer Zeit soll Pizarro nicht nur auf dem Rasen voranmarschieren, sondern das junge Team auch neben dem Platz führen. "Vom Charisma her passt Claudio perfekt. Er kann jungen Spielern das gewisse Extra geben", erklärte Thomas Eichin bei der Vorstellung. Und Pizarro weiß, wie wichtig erfahrene Spieler für die Entwicklung von Talenten sein können: "Ich habe als junger Spieler selbst von einer ähnlichen Konstellation profitiert, als in meinem ersten Jahr bei Werder Julio Cesar verpflichtet wurde", erinnert sich Pizarro an seine Anfangszeit in der Bundesliga und fügt an: "Jetzt freue ich mich auf viele neue Kollegen und einen intensiven Austausch." Ein Austausch, der Ujah, Eggestein und Co. auf ein neues Level heben könnte.

4) Nomen est Omen

Bei seiner ersten Werder-Zeit bildete Claudio Pizarro mit Ailton ein kongeniales Sturmduo. "Pizzatoni" belieferte äußerst regelmäßig die Tore der Bundesliga. Dank Anthony "Tony" Ujah könnte der Begriff in dieser Saison wieder aufleben. In der ersten gemeinsamen Saison erzielten Pizarro und Ailton 22, im zweiten Jahr sogar 33 Bundesliga-Treffer.

5) Klassentreffen am Weserstadion

Claudio Pizarro stand gleich mit drei Verantwortlichen aus dem Bremer Trainerstab noch gemeinsam auf dem Platz. Mit Cheftrainer Viktor Skripnik schnürte er von 1999 bis 2001 die Schuhe. Co-Trainer Torsten Frings und Claudio Pizarro waren in allen sechs Bremer Jahren und einer Spielzeit in München Teamkollegen. Auch mit Christian Vander spielte Pizarro vier Jahre zusammen. Die Trainer kennen seine Qualitäten also ganz genau und wissen, was sie vom erfahrenen Edeltechniker erwarten können: Feine Technik, viele Tore und gute Laune.

Florian Reinecke

Die Infografik Knipser-König Claudio