Köln - Am 12. Januar wird er verliehen: der Ballon d’Or, der goldene Ball. Wer mit ihm geehrt wird, ist "Weltfußballer" - bester Fußballer weltweit. Titelverteidiger Cristiano Ronaldo und der vierfache Preisträger Lionel Messi sind erneut nominiert. Dass die beiden Spieler zu den besten des Planeten gehören, zweifelt niemand an. Der dritte in der Riege ist Manuel Neuer, Torwart des FC Bayern München und der deutschen Nationalmannschaft.

Würde er gewinnen, wäre Neuer nicht nur erst der zweite Deutsche nach Lothar Matthäus, sondern sogar der weltweit erste Torwart, der sich mit dem Titel "Weltfußballer" schmücken darf. Wie hat es Manuel Neuer geschafft, mit den besten Stürmern der Welt gemeinsam nominiert zu werden? Was unterscheidet ihn von anderen Torhütern? bundesliga.de verrät, wieso Manuel Neuer nicht einfach "nur" Keeper ist, sondern ein richtig guter Fußballer.

Keiner spielt so oft zu Null

Natürlich beeindrucken in erster Linie die Torwart-Statistiken des 28-Jährigen, der nicht umsonst bereits zum zweiten Mal zum "Welttorhüter" gewählt wurde. Der persönliche Rekord des Keepers liegt bei 770 Minuten ohne Gegentor - das sind rund 12,8 Stunden. Und damit etwa 8,5 Fußballspiele! Außerdem blieb er in insgesamt 122 Bundesliga-Spielen ohne Gegentor, die Quote von 46 Prozent ist Rekord unter den Keepern mit mindestens 100 Spielen.

Im Bayern-Trikot blieb er sogar in 55 Prozent aller Spiele ohne Gegentor (59 von 107). Allein in dieser Saison wehrte Bayerns Nummer eins überragende 91 Prozent der Bälle auf sein Tor ab und vereitelte acht der zehn gegnerischen Großchancen.

"Neuer ist der beste Libero seit Beckenbauer"

Doch es sind nicht nur seine Heldentaten als Torhüter, sondern vor allem seine unglaublichen Aktionen ohne die Hand zu Hilfe zu nehmen, die Neuer herausheben. Der Bayern-Keeper hat das Torwartspiel ganz neu definiert, agiert häufig, als wäre er ein normaler Feldspieler. Und das ausgezeichnet. "Als Feldspieler könnte er in der 3. Liga locker mitspielen", glaubt etwa Andreas Köpke, der Torwarttrainer der Nationalmannschaft und selbst einst Welttorhüter. Und fügt schmunzelnd an: "Manuel ist der beste Libero seit Franz Beckenbauer."

Nie stellte Neuer das eindrucksvoller unter Beweis als im WM-Achtelfinale gegen Algerien. Die Afrikaner machten der deutschen Innenverteidigung mit ihren Kontern immer wieder große Probleme. Und Neuer sah sich mehrfach den schnellen algerischen Stürmern allein gegenüber. Um die zahlreichen Angriffe von Slimani & Co. zu stoppen, schaltete sich der Torhüter aktiv ins Geschehen ein. Immer wieder kam er weit aus dem Strafraum heraus, bespielte fast die gesamte eigene Hälfte. Der Torwart fungierte gleich in mehreren Rollen. Er ging in Laufduelle, grätschte, tauchte immer wieder vor den überraschten Algeriern auf, die völlig unvorbereitet auf solch einen Spielertypen waren.

"Man hat immer das Gefühl, er weiß was er tut"

Doch nicht nur das Abwehrverhalten Neuers, der wie eine Symbiose aus Libero und Torwart wirkte, war überragend. Auch im Spielaufbau zeigte der 28-Jährige seine Klasse. Wie ein Mittelfeldspieler war er am Spielaufbau beteiligt und schoss häufig lange Bälle nach vorn, fast hätte er sogar ein Tor vorbereitet.

"Manu hat das phantastisch gemacht. Er war weniger im Tor gefragt, sondern durch antizipieren, mitspielen. Er findet da immer mehr Spaß dran. Draußen hat man trotzdem die Ruhe, man wird nicht nervös, weil man immer das Gefühl hat, er weiß was er tut", sagt Köpke. Und Innenverteidiger Per Mertesacker, dem die Algerier mehrfach enteilt waren, fügt an: "Es war wichtig, dass er das Auge hat, brenzlige Situationen zu sehen und abzulaufen. Dafür ist er weltberühmt. Deswegen brauchen wir ihn auch."

Neuer selbst beschreibt seine Großtaten ganz nüchtern: "Im modernen Fußball geht es darum, früher die Bälle zu erobern und schneller vor dem gegnerischen Tor zu sein. Und da muss ich als Torwart halt auch etwas offensiver spielen." Dass er das kann, beweist Neuer in jedem Training. Beim Fünf-gegen-Zwei spielt er immer mit, wird von den Feldspielern sogar ausdrücklich gesucht. Und beim Torwarttraining übernimmt er die Flanken, wenn die Keeper-Kollegen an der Reihe sind - mit überragender Präzision. Und in einem Bundesliga-Spiel leitete er einmal einen Pass in Hüfthöhe seitlich mit dem Außenrist weiter.

"Der Neue geht ins Tor"

Grundsätzlich spiele er halt "gern im Feld mit", erklärt Neuer. Schon früher sei er beim Freizeitkick immer als Feldspieler aufgelaufen, die Position war egal, er spielte halt überall. Und überhaupt sei er ja auch nur durch Zufall ins Tor gekommen: "Als ich auf Schalke zum ersten Mal zum Training kam, hat mich der Trainer ins Tor gestellt. Ich war der Kleinste, und ich war der Neue. So war das damals. Der Neue geht ins Tor", hat er dem Magazin bahnmobil verraten.

Sein "großes Vorbild in der Jugend" sei übrigens der Niederländer Edwin van der Sar gewesen. Der habe "dieses moderne Torwartspiel geprägt". Neuer: "Ich will die Mannschaft durch dieses offensive Stellungsspiel unterstützen, wo immer ich kann. Als Torwart ist man zwar oft Einzelkämpfer. Aber ich habe auf dem Rasen wohl auch eine Art Helfersyndrom." Seine Mitspieler lassen sich gerne so helfen.

Linktipp: 10 Gründe, warum Manuel Neuer Weltfußballer wird