München - Was die Bayern mit Chamäleons aus Arizona gemein haben, warum es zwischen zwei Pechvögeln selten einen Sieger gibt, was die Wölfe dem Wolf voraus haben und wieso Hahns Weckruf fruchtlos bleibt - darüber spricht die Liga am 16. Spieltag.

Helle Köpfchen haben's gut

Kämpfen zwei Chamäleons, siegt zu 83 Prozent das Tier mit der helleren Kopffarbe. Das haben vor kurzem die Forscher Russell Ligon und Kevin McGraw von der Arizona State University herausgefunden, als sie Zweikämpfe mit Jadechamäleons arrangierten. Ganz erklären konnten die Forscher das nicht, aber die Ergebnisse waren unumstößlich. Die Exemplare mit den helleren Köpfen hatten offensichtlich einen gravierenden Vorteil. 83 Prozent sind eine Menge. Und die in strahlend rot leuchtenden Super-Chamäleons in unserer Analogie sind natürlich die Bayern (hier Mario Mandzukic, M./ © Imago). 18 Mal waren die Münchner bis Samstag Herbstmeister, 15 Mal holten sie sich am Ende den Titel. Der nächste folgt also mit einer Wahrscheinlichkeit von 83 Prozent. Die "Verfolger" geben schon klein bei. In Dortmund beispielsweise "ist keiner mehr so blauäugig, noch an die Bayern zu denken" (Nuri Sahin). Dennoch: 83 Prozent bleiben 83 Prozent, nicht 100. Einige sehr bunte, aber fürs Leben gezeichnete und gedemütigte Chamäleons in Arizona sollten dem FCB eine Warnung sein. Einstmals favorisiert, und doch tief gefallen. Die Forschungsergebnisse waren zwar verblüffend. Doch die Antwort auf die eigentlich spannendere Frage, wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, "Chamäleon" falsch zu buchstabieren, blieben Ligon und McGraw bislang noch schuldig. Matthias Sammer gab auf dem Trip nach Marokko - dort sind Chamäleons übrigens heimisch - bereits zu, den Namen des nächsten Gegners "noch nicht mal aussprechen" zu können. Also, Guangzhou Evergrande, nicht Chamäleon.

Treffen sich zwei Pechvögel

Auch in Hannover gab es ein ungleiches Duell, zumindest, wenn man die Zeit nach der Pause betrachtet. 3:0 führten sieglose Nürnberger gegen die zuletzt ähnlich schwachen 96er. Doch hier duellierten sich keine Chamäleons: Beim Zweikampf zweier chronischer Pechvögel kann einfach alles passieren, mal ausgenommen, dass tatsächlich einer gewinnt. Der 13. und 14. Alu-Treffer der Saison belegen, dass zumindest der FCN definitiv in diese Gattung gehört. Gegen Hannover folgten auf die beiden Fast-Tore auch noch zwei direkte Gegentreffer, wovon einer auch noch abseits war. Und, ähnlich wie die Chamäleon-Forscher, konnten die Hannoveraner ihr Glück danach auch nicht recht erklären. Zumindest Leonardo Bittencourts (l., © Imago) Worte scheinen aber absolut schlüssig: "Der Trainer hat gesagt, wir sollen das nicht für ihn machen, sondern für Hannover 96. Dann haben wir uns alle in die Augen geschaut und haben uns gesagt: Männer, wir gehen raus und müssen das auch ein Stück weit für den Trainer machen und probieren, das Unmögliche möglich zu machen." 

Der magere Wolf

Bleiben wir tierisch. So macht es einfach von der Natur her viel mehr Sinn, dass Wölfe im Rudel erfolgreicher jagen. Seit acht Ligaspielen (6 Siege, 2 Remis) ist das VfL-Rudel ungeschlagen, hat mit 29 Punkten so viele auf dem Konto wie noch nie, nichtmal in der Meistersaison. Die Konkurrenten aus Gladbach und Dortmund sind in Schlagdistanz gerückt. Der einzelne Wolf hat da weit weniger Erfolgschancen. Vor allem, wenn er gerade im Bremer Tor steht. 14 Gegentore in den ersten drei Bundesliga-Spielen kassierte Bremens "einsamer" Raphael Wolf bereits. Seit dem ehemaligen Bochumer Keeper Reinhold Mager, der eine genauso unglückselige Bilanz in die Bundesliga-Geschichtsbücher schrieb, war kein Keeper mehr so glücklos.

Abermals krähte der Hahn

Einer darf im Bestiarium der Bundesliga natürlich nicht fehlen: Andre Hahn. Der schnellste Spieler der Liga "krähte" mal wieder gleich zweimal: 174 Sekunden verstrichen lediglich zwischen seinen beiden Treffern. Belohnung gab es auch noch: Drei Punkte, einen dicken Schmatzer von Kollege Daniel Baier und viel Lob, so auch von seinem Chef: "Er schließt technisch sehr sauber ab, nicht mehr überhastet. Dabei war er unter der Woche noch krank. Aber er ist von seiner Physis eben sehr begnadet", sagte Markus Weinzierl. Unglücklich nur für die Pointe dieses Absatzes, dass Schlusslicht Braunschweig wahrlich keinen "Weckruf" mehr brauchte.

 

Christoph Gschoßmann