Mit einem ungefährdeten 4:1-Sieg über den SV Wehen Wiesbaden in der 1. Runde des DFB-Pokals begann am vergangenen Freitag die Amtszeit von Armin Veh als Trainer des VfL Wolfsburg. Nun folgt die erste Pflichtaufgabe in der Bundesliga.

Am Freitag eröffnet der Deutsche Meister die Saison 2009/10 ausgerechnet gegen Vehs ehemaliges Team, den VfB Stuttgart. Im Interview mit bundesliga.de spricht Wolfsburgs neuer "Leitwolf" über das brisante Duell, die Saisonvorbereitung und die erstmalige Teilnahme der "Wölfe" an der Champions League.

bundesliga.de: Herr Veh, am Freitag bestreiten Sie Ihr erstes Heimspiel als Trainer des VfL - und das gegen Ihren ehemaligen Arbeitgeber VfB Stuttgart. Was geht in Ihnen vor, wenn Sie daran denken?

Armin Veh: Ich freue mich in erster Linie darauf, dass es wieder losgeht. Und es ist natürlich für mich etwas Besonderes, das Eröffnungsspiel gegen meinen Ex-Verein zu bestreiten. Ich bin mit dem VfB 2007 Meister geworden und ein Großteil der Spieler gehört auch zur aktuellen Mannschaft. Ich bin sehr gespannt auf diese Partie.

bundesliga.de: Es ist das Duell der beiden besten Mannschaften im Kalenderjahr 2009. Zugleich ist es oft so, dass die Teams bei Saisonstart noch nicht ganz rund laufen. Was erwarten Sie von der Partie?

Veh: Ich erwarte ein interessantes Spiel. Stuttgart hat sich gut verstärkt, aber wir haben auch eine gute Vorbereitung gespielt und zuletzt im DFB-Pokal eine ordentliche Leistung gezeigt. Der VfL war in der letzten Saison sehr heimstark, und ich hoffe, dass die Mannschaft an diese Leistungen anknüpfen kann.

bundesliga.de: Eine Mannschaft zu übernehmen, die Meister geworden ist, klingt nach einer enormen Herausforderung - vor allem, wenn es sich dabei nicht um den FC Bayern handelt. Warum haben Sie sich für den VfL Wolfsburg entschieden?

Veh: Es ist ja eher ungewöhnlich, dass beim Meister der Trainerjobfrei wird. Ich möchte den VfL in der Bundesliga-Spitze etablieren. In dieser Aufgabe liegt ein unglaublich großer Reiz.

bundesliga.de: Worauf haben Sie im Trainingslager besonderen Wert gelegt?

Veh: In unserem ersten Trainingslager auf Sylt ging es für mich vor allem auch darum, die Mannschaft kennenzulernen. Außerdem haben wir verstärkt im konditionellen Bereich gearbeitet, auch viele Laufeinheiten absolviert. In Österreich stand dann mehr die Taktik im Vordergrund. Insgesamt bin ich zufrieden mit der Vorbereitung.

bundesliga.de: Sie bekleiden dieselben Ämter, die vor Ihnen Felix Magath ausgeübt hat. Dies war neu im deutschen Profifußball. Denken Sie, Trainer mit mehr Verantwortung aber auch mehr Macht sind die Zukunft im Profifußball?

Veh: Für mich ist diese Entwicklung nicht unbedingt neu. Ich bin der Meinung, dass man als Trainer immer auch ein bisschen Manager ist. So habe ich meinen Trainerjob auch immer interpretiert. In Wolfsburg hat sich die Doppelfunktion für mich angeboten.

bundesliga.de: Neben einigen Nachwuchstalenten aus dem eigenen "Stall" und einigen ausgeliehenen Rückkehrern hat der VfL mit Obafemi Martins, Fabian Johnson, Karim Ziani und Thomas Kahlenberg vier nennenswerte Neuverpflichtungen getätigt. Welche Rolle schreiben Sie diesen vier Spielern zu?

Veh: Mein Ziel war es, die Mannschaft punktuell zu verstärken. Martins zum Beispiel ist genau der Typ Spieler, den wir in Ergänzung zu Edin Dzeko und Grafite gesucht haben. Wir haben eine harte Saison mit drei Wettbewerben vor uns, die Länderspiele nicht zu vergessen. Auch Ziani und Kahlenberg, wenn er wieder fit ist, werden uns sofort weiterhelfen können. Johnson ist ein Riesentalent, der sich beim VfL weiterentwickeln wird.

bundesliga.de: Im Trainingslager konnten Sie sich sicher auch mit einigen Fans des VfL ausgiebig unterhalten. In der Vorbereitung ist dies die wohl einfachste, weil druckfreiste Möglichkeit des Miteinanders. Wie wichtig war es für Sie, die Stimmungslage der Fans erfragen zu können?

Veh: Natürlich führt man im Trainingslager auch mal das eine oder andere Kurzgespräch mit Fans, die die Mannschaft begleiten. Viel wichtiger war für mich aber das Saisoneröffnungsfest am Samstag, zu dem 20.000 Fans kamen. Es war eine unglaublich positive Stimmung, auch ich bin sehr herzlich empfangen worden.

bundesliga.de: Erstmals in seiner Clubgeschichte wird der VfL auch in der Champions League spielen. Sie spielten schon mit Stuttgart in der "Königsklasse", verloren aber fünf der sechs Gruppenspiele. Welche Lektionen haben Sie damals gelernt, die Ihnen heute helfen sollten?

Veh: Ich bin froh, dass ich diese Erfahrungen mit Stuttgart machen durfte. Ich möchte darauf nicht näher eingehen. Ein wichtiger Grund damals war aber, dass wir sehr viele Verletzte hatten. Mit dem VfL möchte ich die Gruppenphase überstehen, und ich denke, dass wir die Qualität dafür haben.

Die Fragen stellte Sebastian Stolz