Sinsheim - Es läuft die 90. Minute im Spiel 1899 Hoffenheim gegen FC St. Pauli, die Gäste führen mit 2:1. Kurz vor dem Abpfiff erlebt der Hamburger Ralph Gunesch den aus dem Sicht seines Teams ärgerlichsten Moment des Spiels im wahrsten Sinne des Wortes hautnah mit: David Alaba zieht ab, trifft den Abwehrspieler mit voller Wucht an der Hand und der Ball landet unhaltbar für Pauli-Torwart Kessler im linken Toreck. Im Interview mit bundesliga.de äußert sich der 27-jährige über die Niederlage in der Schlussminute, die Lehren fürs Köln-Spiel und seine lädierte Hand.

bundesliga.de: Hallo, Herr Gunesch, Ihre Hand sieht ja ziemlich lädiert aus.

Ralph Gunesch: Ja, da habe ich leider den Schuss von Alaba aus drei Metern Entfernung drauf bekommen.

bundesliga.de: Spüren Sie die Hand noch?

Gunesch: Kaum. Umso doofer, dass der Ball danach nicht einen halben Meter weiter links eingeschlagen ist, sondern neben dem Pfosten ins Tor ging. Aber ich kann mich ja nicht in Luft auflösen. Wenn er mich voll getroffen hätte, hätte ich nach vorne abwehren können. So war ich machtlos.

bundesliga.de: Ihr Kollege Fabian Boll sprach von einer "gefühlten Niederlage". Sehen Sie das auch so?

Gunesch: Dazu kann ich nur eines sagen: Klares Ja.

bundesliga.de: Hat es denn die Halbzeitansprache von Trainer Holger Stanislawski gebraucht, um zu merken, dass hier heute mehr drin sein würde?

Gunesch: Nein, da ging es eigentlich nur darum, dass wir so weiterspielen wie in der letzten Viertelstunde der ersten Halbzeit. Sprich: aktiver gegen den Ball, und schneller umschalten nach Ballbesitz. Das haben wir, glaube ich, auch ziemlich gut umgesetzt.

bundesliga.de: Und dann auch zwei Tore gemacht.

Gunesch: Genau, und zwei richtig schön herausgespielte noch dazu. Und dann kriegst du so ein abgefälschtes Ding in der 90. Minute und ärgerst dich schwarz. Aber wie wir gespielt haben, macht schon Mut für die Zukunft. Jetzt müssen wir die Partie halt am Wochenende gegen Köln vergolden.

bundesliga.de: Durch den Tabellenstand erhält das Spiel richtig Brisanz.

Gunesch: Eben, es ist ein weiteres Spiel gegen einen direkten Konkurrenten. Wir sind aber optimistisch, auch weil wir zuletzt spielerisch klar verbessert aufgetreten sind. Die Hoffenheimer Mannschaft haben wir jedenfalls gerade in der zweiten Halbzeit beherrscht. Wir hatten gute Balleroberungen, haben hinten kaum etwas zugelassen - darauf kann man aufbauen.

Das Gespräch führte Christoph Ruf