Hamburg - Wenn sich der Hamburger SV vor dem Bundesliga-Auftakt noch auf eines verlassen kann, dann sind es seine Fans. Nach dem Pokalaus am Sonntag in Jena pilgerten seit Anfang der Woche rund 200 Zuschauer auf das Trainingsgelände neben dem Volksparkstadion, um ihren Verein seelischen Beistand zu leisten. Unterdessen mochte selbst der sonst so positiv eingestellte Trainer Bruno Labbadia vor der Partie in der Allianz Arena am Freitagabend gegen Bayern München nicht den "Gute-Laune-Onkel" spielen.

Auf der Abschluss-Pressekonferenz am Mittwoch gestand Labbadia, dass er die Pokalniederlage nicht erwartet habe: "Die Pleite ist schwer zu verdauen und vermiest uns die Vorfreude auf den Bundesliga-Start gegen die Bayern." Auch HSV-Boss Dietmar Beiersdorfer sprach von einem "indiskutablen Auftritt". Er erwarte von der Mannschaft eine Reaktion.

Labbadia: "Wir müssen schon einen Sahnetag erwischen"

© gettyimages / Karina Hessland

Am Dienstag hatten die Rothosen unverhofft Besuch bekommen. 25 Schornsteigerfeger machten der Mannschaft ihre Aufwartung. Das ganze Team klatschte jeden einzelnen Schornsteigerfeger ab, das soll ja bekanntlich Glück bringen. Ein wenig Glück kann dem HSV am Freitagabend sicherlich auch nicht schaden, wenn die Hanseaten beim Rekordmeister antreten. "Wir werden schon einen Sahnetag erwischen müssen, wollen wir bei den Bayern bestehen“, erklärte Labbadia.

Der Trainer weiß aber auch, dass nicht nur Glück dabei helfen wird. "Die Bayern sind vor allem zuhause eine Macht. Sie werden sehr hohen Druck auf uns ausüben. Es wird dabei wichtig sein, selbst auch Gegendruck zu entwickeln. Zusätzlich benötigen wir eine sehr große Laufbereitschaft vom ganzen Team."

Ostrzolek vs. Robben

Nicht nur Trainer Labbadia und HSV-Boss Beiersdorfer sehen das Duell gegen die Bayern als Wiedergutmachung an, auch die Spieler wollen sich vor den eigenen Fans und der Nation vor dem Bildschirm besser präsentieren. "Die ganze Fußball-Welt schaut am Freitagabend auf auf uns. Jeder von uns muss einen guten Tag erwischen", so Linksverteidiger Matthias Ostrzolek.

© gettyimages / Christof Koepsel

Über seine Seite wird er es vermutlich mit Superstar Arjen Robben zu tun bekommen. Angst vor dem Duell mit dem niederländischen Nationalspieler hat er jedoch nicht. "Robben ist einer der besten Spieler der Bundesliga, aber ich habe in den Duellen gegen ihn immer ganz gut ausgesehen." Beim desaströsen 0:8 im Februar spielte der Ex-Augsburger nicht mit. Beim Pokalspiel (3:1 für die Bayern) stand Robben nicht im Kader. Im Heimspiel gegen den Bayern im September vergangenen Jahren trotzten Ostrzolek und Co den Bayern zumindest ein torlosen Remis ab.

"Sollten uns von Außen nicht zu sehr ablenken lassen"

Bei den deutschen Wettanbieter stehen die Chancen auf einen Erfolg der Hamburger denkbar schlecht. 1:35 ist teilweise die Quote auf einen Sieg der Hanseaten. Trotzdem würde Mittelfeldspieler Ivo Ilicevic auf sein Team setzen, verrät er.  "Ich habe total Bock auf das Spiel. Es geht gegen die Bayern nur über den Zusammenhalt. Wir müssen die Zweikämpfe annehmen und als komplettes Team agieren, sonst nehmen uns die Bayern auseinander", prophezeit der Kroate.

Die Unruhe im Verein aufgrund der Pokalniederlage und der Rucksack-Affäre von Sportchef Peter Knäbel versuchen die Spieler so gut es geht auszublenden. "Wir sind das aus der vergangenen Saison ja schon gewohnt", unkte Ostrzolek, "ich höre auf so etwas gar nicht mehr." Auch Djourou hofft, dass die Mannschaft sich nicht ablenken lässt: „"Wir gucken viel zu viel auf andere, sollten uns von außen nicht zu sehr ablenken lassen. Es ist wichtig die Ruhe zu bewahren.“"

Besonderes Wiedersehen: Diaz freut sich auf Vidal

© imago / Marcelo Hernandez

Ein besonderes Spiel wird das Duell mit dem Rekordmeister übrigens für den Chilenen Marcelo Diaz. Er freut sich auf das Wiedersehen mit seinen Landsmann Arturo Vidal. Die Beiden sind seit über zehn Jahren befreundet und holten im Sommer zusammen mit Chile die Copa America im eigenen Land. "Wir schicken uns fast täglich eine SMS. Ich freue mich ihn wiederzusehen. Während des Spiels ruht jedoch die Freundschaft", so Diaz.

Immerhin wird der HSV am Freitag aus dem Vollen schöpfen können. Einzig hinter dem Einsatz von Abwehrchef Johan Djourou steht noch ein Fragezeichen. "Ich hoffe, ich kann dabei sein", so der Schweizer, der die Mittwochs-Einheit fast ohne Probleme absolvieren konnte. Nur der Brasilianer Cleber fehlte. Er klagte über Nackenschmerzen, wird aber auch vermutlich spielen können. Was die Aufstellung angeht, experimentierte Labbadia vor allem noch im Offensivbereich. Ob Pierre-Michel Lasogga oder Sven Schipplock als einzige Spitze agieren werden, ließ er noch offen, auch wer über die offensiven Außenbahnen beginnen wird, steht noch nicht fest.

Schweres Auftaktprogramm für den HSV

Trotz der Querelen im Verein freut sich der Cheftrainer auf den Bundesliga-Start. Auch wenn auf den HSV ein knackiges Auftaktprogramm mit drei Auswärtsspielen (in München, zuhause gegen Stuttgart, in Köln, in Gladbach) wartet. „"Freitagabend unter Flutlicht und dann noch das Eröffnungsspiel. Das hat besonderen Reiz. Ich hoffe, dass die Mannschaft einen leidenschaftlichen Auftritt hinlegen wird."

Aus Hamburg berichtet Alexander Barklage