München - Die Erleichterung war in den Minen der Spieler und Verantwortlichen deutlich zu erkennen. Mit viel Mühe und wenig Glanz hat der FC Bayern einen wichtigen Erfolg eingefahren, um das letzte verbliebene Saisonziel zu erreichen: die Qualifikation für die Champions League.

Durch das 1:0 gegen Borussia Mönchengladbach kletterten die Münchner wieder auf den 3. Rang - ihre beste Platzierung in dieser so durchwachsenen Saison.

"Endlich auf dem 3. Platz"

"Das war ein Sieg, der für den ganzen Verein sehr wichtig ist. Wir haben jetzt den 3. Platz erreicht, und den müssen wir auf jeden Fall halten", gab Sportdirektor Christian Nerlinger seinem Personal als Botschaft mit auf die Zielgerade.

Und auch der scheidende Trainer atmete durch. "Mit dem Resultat bin ich natürlich zufrieden, weil wir jetzt endlich auf dem 3. Platz stehen. Das ist unser Mindestziel", sagte Louis van Gaal. Dass der Rekordmeister nach dem "Arbeitssieg in einem Geduldspiel" (Philipp Lahm) aber nicht vollends zufrieden war, wollte keiner verhehlen.

Einzig Thomas Müller versuchte noch, den wenig attraktiven Auftritt zu verteidigen. "Es war klar, dass Gladbach nicht mit drei Spitzen spielt und hinten aufmacht. Sie haben aus einer sehr kompakten Defensive heraus agiert, da muss man Geduld aufbringen."

"Tagesform war nicht gut"

Insgesamt bot die Vorstellung in der heimischen Allianz Arena allerdings eher Anlass für Selbstkritik. "Wir haben einfach nicht gut gespielt, das muss man ehrlich sagen. Die Tagesform war nicht gut", bemängelte Arjen Robben.

Die FCB-Stars taten sich gegen Schlusslicht Gladbach ganz lange sichtlich schwer und kreierten kaum Chancen. Sehenswerter Kombinationsfußball? Fehlanzeige! Stattdessen auffällig viele Fehlpässe im Spielaufbau und zu wenige Ideen rund um den Strafraum der "Fohlen".

"Robbery" macht wieder einmal den Unterschied

Und so war der "Dreier" beinahe folgerichtig einer Energieleistung der beiden Superstars zu verdanken. Robben spielte in der 77. Minute auf Franck Ribery, der Franzose passte zurück zum Niederländer und der netzte zu seinem neunten Saisontor - alle in der Rückrunde - ein.

"Da haben wir gut zusammengespielt. Es war vielleicht nicht perfekt, aber am Ende spielt er den Ball noch zu mir und dann war es nicht mehr so schwierig", sagte der Matchwinner über die beste und entscheidende Szene von "Robbery". Für ihn keineswegs ein Grund abzuheben. "Wir müssen unsere Spiele gewinnen und Punkte holen."

Angriff auf Leverkusen "nicht realistisch"

Mit Kampfansagen getreu dem bajuwarischen Selbstbewusstsein hielten sich die Münchner tunlichst zurück, Konzentration auf sich selbst lautet das Motto. "Wir haben in dieser Saison schon oft auf die Gegner geschaut und gehofft, dass sie patzen. Wir müssen auf uns schauen und unsere Spiele gewinnen", so Lahm.

Also offiziell keine Seitenblicke nach Leverkusen und in Richtung von Platz 2. Sieben Punkte in sechs Partien aufzuholen werde schwer, meinte Lahm. Robben nannte es "im Moment nicht realistisch".

Ein bisschen lebt aber natürlich noch genau diese Hoffnung. "Es steht außer Frage, dass wir auf Platz 2 wollen, aber das haben wir nicht in der eigenen Hand. Wenn noch etwas nach oben möglich ist, nehmen wir das gerne an", sagte Lahm zögerlich, um dann doch wieder die Erleichterung hervorzuheben: "Aber in unserer Phase muss man zufrieden sein, wenn man die Spiele gewinnt und drei Punkte einfährt."

Tim Tonner