Wolfsburg - Die vergangenen drei Jahre waren hart für Daniel Didavi. Schwere Verletzungen, die ihn monatelang außer Gefecht setzten, und ständiger Kampf gegen den Abstieg mit dem VfB Stuttgart liegen hinter dem hochtalentierten Mittelfeldspieler. Mit seinem Wechsel zum VfL Wolfsburg soll sich das ändern, Didavis Blick geht nach oben in der Tabelle.

"Wer mich kennt, der weiß, dass es eine sportliche Entscheidung war", erklärte Didavi im April seine Entscheidung, den VfB ablösefrei nach Ablauf seines Vertrages zu verlassen und stattdessen beim VfL anzuheuern. Es sei eine der "schwersten Entscheidung in meinem ganzen Leben" gewesen, berichtete der Linksfuß. Verständlich, schließlich hatte der gebürtige Nürtinger schon in der F-Jugend für seinen Herzensclub an der Neckar gespielt. Doch die Chancen, mit den Wölfen in naher Zukunft international zu spielen, stehen derzeit deutlich besser als mit den Schwaben, erst Recht nach deren bitterem Abstieg.

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Zwar hat auch der VfL eine mehr als durchwachsene Saison hinter sich, die für den Vizemeister von 2015 auf Platz acht und damit außerhalb der Europacup-Plätze endete, doch ist zu erwarten, dass die Wölfe in der kommenden Saison wieder angreifen werden. Didavi spielt dabei in den Plänen von Coach Dieter Hecking eine zentrale Rolle. "Daniel ist ein Kämpfertyp und zugleich ein Offensivspieler moderner Prägung, der im Mittelfeld alle Positionen einnehmen kann und damit unser Spiel noch variabler machen wird", erklärt der Wölfe-Coach die Stärken seines neusten Schülers. "Darüber hinaus ist er sehr torgefährlich und stark bei Standardsituationen. Mit ihm werden wir zukünftig noch schwerer auszurechnen sein."

Durchbruch unter Hecking

Hecking muss es wissen, schließlich hatte er Didavi schon einmal unter seinen Fittichen. In der Saison 2011/12 war der fünffache U21-Nationalspieler vom VfB an den 1. FC Nürnberg ausgeliehen. Unter Heckings Regie erzielte Didavi neun Tore in 23 Bundesliga-Spielen. Es war gleichzeitig der Durchburch des schnellen Mittelfeldspielers. Der hatte sich bereits als Sieben-Jähriger den Schwaben angeschlossen und dort alle Jugendmannschaften durchlaufen. 2008 erzielte er in seinem ersten Spiel für die VfB-Reserve in der 3. Liga gleich zwei Tore und bereitete eins vor. 2010 feierte er sein Profi-Debüt in der Bundesliga. Da sich der damals 21-Jährige aber noch nicht richtig beim VfB durchsetzen konnte, ging es erst einmal für ein Jahr nach Nürnberg.

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Kurz vor seiner Rückkehr in die Neckar-Metropole zog er sich eine Knorpelverletzung im Knie zu - der Anfang einer fast drei-jährigen Leidensgeschichte, in der er immer wieder durch Verletzungen zurückgeworfen wurde. In drei Jahren beim VfB kam er nur auf 21 Bundesliga-Spiele, wobei er im Schlussspurt der Saison 2014/15 jedoch mit vier Toren einen entscheidenden Anteil am Klassenerhalt der Schwaben hatte.

In der abgelaufenen Spielzeit blieb Didavi endlich einmal praktisch verletzungsfrei und spielte persönlich eine sehr starke Saison. 13 Tore erzielte der Sohn einer Deutschen und eines Westafrikaners, hinzu kamen drei Vorlagen. Den ersten Abstieg der Stuttgarter seit 1974 konnte er damit aber auch nicht verhindern.

"Höchste Ambitionen"

Die unteren Tabellenregionen will er in Niedersachsen weit hinter sich lassen. Statt Abstiegskampf will er in Wolfsburg den Europacup, möglichst die Champions League anpeilen. "Ich bin davon überzeugt, dass der Wechsel zum VfL genau der richtige Schritt für mich ist, weil Wolfsburg höchste sportliche Ambitionen verfolgt. Und ich möchte meinen Teil dazu beitragen, diese Ziele zu erreichen", sagt Didavi. VfL-Geschäftsführer Klaus Allofs ist sich sicher, dass Didavi bei den Wölfen einschlagen wird. "Er hat sich in den vergangenen Jahren beim VfB Stuttgart zu einem Leistungsträger und zu einer Führungspersönlichkeit entwickelt. Er erhöht unsere Qualität im offensiven Mittelfeld."

Tobias Schild