Köln - Nur bei der Partie des VfL Wolfsburg gegen den 1. FC Köln treffen am Samstag zwei Sieger des 1. Spieltags aufeinander. Somit steigt das Spitzenspiel in der Volkswagen-Arena. Vor dem Hit spricht Wolfsburgs Neuzugang Daniel Didavi im Interview mit bundesliga.de über seinen Start beim VfL, Mario Gomez und die ambitionierten Saisonziele.

>>> Anmelden, aufstellen, gewinnen: Jetzt beim offiziellen Bundesliga Fantasy Manager mitmachen!

bundesliga.de: Daniel Didavi, Sie sind seit dem Sommer beim VfL Wolfsburg, haben im Pokalspiel zwei Tore aufgelegt und beim Auftakt in Augsburg selbst getroffen. Haben Sie sich Ihren Einstieg so vorgestellt?

Daniel Didavi: Es hätte sicher nicht viel besser für mich und die Mannschaft laufen können. Der Start war gut. Es wurde vorher viel über uns berichtet, auch negativ. Das war unsere Antwort und so soll es auch weitergehen.

bundesliga.de: Was meinen Sie mit negativen Berichten?

Didavi: Es wurde von außen versucht, sehr viel Unruhe hereinzubringen und viel spekuliert. Aber es gab keinen Grund dafür. Wir haben darauf mit zwei Siegen die perfekte Antwort gegeben.

bundesliga.de: Warum haben Sie sich im Frühjahr für den Wechsel zum VfL Wolfsburg entschieden?

Didavi: Ich war sehr lange beim VfB Stuttgart und habe mich dort auch sehr wohl gefühlt. Durch meine Vertragskonstellation (der Vertrag lief aus, die Red.) hat sich die Möglichkeit ergeben, entweder den Vertrag zu verlängern und meine Karriere mehr oder weniger komplett beim VfB zu verbringen oder den nächsten Schritt zu gehen. Ich habe mich dann schon ziemlich früh dafür entschieden, es bei einer Mannschaft zu probieren, die höhere Ambitionen verfolgt. Ich wollte in Deutschland bleiben, und dann kamen nicht mehr so viele Vereine in Frage. Ich habe gute Gespräche mit Dieter Hecking und Klaus Allofs geführt. Die Perspektive, die sie mir aufgezeigt haben, war sehr gut. Ich wollte international spielen. Zum Zeitpunkt meiner Entscheidung sah es auch noch so aus, dass der VfL in der Europa League spielen würde. Leider ist es anders gekommen. Trotzdem war mein Wechsel die richtige Entscheidung. Ich bin mir sicher, dass die letzte Saison nur ein Ausrutscher war und ich in diesem Jahr mithelfen kann, dass wir im nächsten Jahr international dabei sind.

"Mario Gomez geht voran"

bundesliga.de: Welche Rolle hat dabei gespielt, dass Sie Dieter Hecking schon aus gemeinsamen Nürnberger Zeiten gekannt haben?

Didavi: Das hat natürlich eine Rolle gespielt. Wir haben damals in Nürnberg sehr gut zusammengearbeitet. Ich bin durch ihn ein gestandener Bundesliga-Spieler geworden. Durch die Zeit in Nürnberg wurde ich Stammspieler. Wir hatten damals ein gutes Verhältnis und jetzt auch wieder gute Gespräche. Ich weiß, wie er tickt, wie er spielen lässt. Aber er war jetzt nicht der Hauptgrund für den Wechsel. Man darf seine Entscheidungen nicht von einzelnen Personen abhängig machen. Wenn ich meine Leistung nicht bringe, wird mich der Trainer bestimmt nicht aus Sympathie durchschleppen.

bundesliga.de: Für Sie ist das letzte Jahr in Stuttgart ein bisschen paradox gelaufen. Während die Mannschaft am Ende abstieg haben Sie in 31 Partien 13 Tore erzielt und Ihre beste Saison gespielt. Was waren die Gründe dafür?

Didavi: Das ist einfach zu erklären. Es war die erste Saison, in der ich komplett verletzungsfrei geblieben bin. Ich bin fast zweieinhalb Jahre nicht richtig auf die Beine gekommen und habe nur ein paar Spiele zwischendurch gemacht. Ich habe immer angedeutet, dass ich etwas kann. In der letzten Saison war es so, dass ich komplett durchspielen konnte. Ich habe nur drei Spiele gefehlt, zweimal wegen einer Sperre, einmal wegen einer Zerrung. Aber auch die letzte Saison war noch nicht perfekt von mir. Ich kann noch viel mehr zeigen und habe noch Luft nach oben. Bitter war, dass ich mich dann mit dem Abstieg vom VfB verabschiedet habe.

bundesliga.de: Jetzt lernen Sie mit Mario Gomez beim VfL einen anderen ehemaligen Stuttgarter kennen. Welchen Eindruck haben Sie von ihm bisher gewinnen können?

Didavi: Mario macht einen überragenden Eindruck, nicht nur auf dem Platz. Da sieht man schon, dass er ein überragender Spieler ist und warum er so viele Tore macht. Er ist auch menschlich und als Person eine sehr wichtige Verpflichtung. Er geht jetzt schon ein bisschen voran und wird bald in der Bundesliga zeigen, was er kann.

"Wollen zurück ins internationale Geschäft"

bundesliga.de: Welche Ziele peilen Sie mit den Wölfen an? Ist das internationale Geschäft Pflicht?

Didavi: Ja, wir wollen zurück ins internationale Geschäft. Das müssen wir mit unserem Kader erreichen. Klar ist aber auch, dass es nicht einfach wird und die Bundesliga mit Ausnahme vielleicht von Bayern München eine unheimlich ausgeglichene Liga ist. Du gehst in kein Spiel, in dem du sagen kannst, dass du da sicher drei Punkte holst. Du musst voll konzentriert sein. Auch die Konkurrenz hat sich sehr gut verstärkt. Wir brauchen jetzt keine großen Töne spucken, dass wir ganz noch oben oder in die Champions League wollen. Wenn wir einen guten Saisonstart hinlegen, schauen wir, ob es für weiter oben reichen könnte.

bundesliga.de: Am Samstag kommt es nun zum "Topspiel" der beiden Tabellen-Zweiten gegen den 1. FC Köln. In der letzten Saison haben Sie in beiden Partien gegen den FC getroffen, der Gegner scheint Ihnen zu liegen. Was für ein Spiel erwarten Sie?

Didavi: Ich hoffe doch, dass ich wieder treffen kann. Aber klar ist auch, dass auch Köln sehr gut in die Saison gestartet ist. Sie spielen einen besseren Fußball als im letzten Jahr und haben keine Leistungsträger verloren, sondern die Mannschaft zusammenhalten können und sich sogar noch verstärkt. Sie waren letztes Jahr Neunter, haben eine gute Truppe und können vielleicht die Überraschungsmannschaft werden. Es wird ein sehr schweres Spiel. Wir müssen hochkonzentriert sein und wissen, was auf uns zukommt. Aber wir haben ein Heimspiel und sollten gar nicht zu sehr auf den Gegner schauen. Wenn wir unsere Leistung bringen und uns noch etwas im Vergleich zum Auftakt steigern, können wir die drei Punkte holen.

bundesliga.de: Vielleicht hat Ihr Teamkollege Yannick Gerhardt, der bis zum Sommer beim FC spielte, noch den einen oder anderen Tipp.

Didavi: Er ist gerade erst von der U21-Nationalmannschaft zurückgekommen, wird uns aber sicher noch etwas zum FC erzählen.

bundesliga.de: Stichwort Nationalmannschaft. Hatten Sie nach Ihrer guten letzten Saison und dem gelungenen Start in Wolfsburg ein wenig Hoffnung auf eine Nominierung durch Bundestrainer Joachim Löw gemacht?

Didavi: Nein, gar nicht. Ich bin jetzt 26 Jahre alt und denke gar nicht daran. Es kommen immer neue und jüngere Spieler nach. Ich war viel verletzt und muss jetzt erst einmal konstant meine Leistung bringen. Was kommt, wird man dann sehen.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski