Bundesliga

"Dafür machen wir ja den Krempel hier..."

München - Sechs Siege in sechs Spielen - die Liga reibt sich verwundert die Augen über den Sensationsstart des 1. FSV Mainz 05. Sogar Meister FC Bayern musste am vergangenen Samstag die Stärke des aktuellen Tabellenführers am eigenen Leib erfahren. Im Gespräch mit bundesliga.de erklärt FSV-Manager Christian Heidel den Lauf der Mainzer, das Geheimnis der Rotation und warum man sich in der Karnevalshochburg davor hütet, neue Ziele zu stecken.

bundesliga.de: Herr Heidel, Sie haben nach sechs Spielen die volle Ausbeute, also 18 Punkte auf dem Konto. Gilt das vor der Saison formulierte Ziel, also der Klassenerhalt, nach wie vor - oder müssen Sie sich neue Ziele setzen?

Christian Heidel: Jeder erwartet jetzt, dass wir uns neue Ziele stecken. Aber es macht doch gar keinen Sinn, es läuft doch gut so. Sicherlich rechnen wir nicht mehr damit, dass wir absteigen. Ich glaube auch, dass wir eine Mannschaft haben, die nicht absteigen wird - aber wir setzen uns doch jetzt keine hochtrabenden Ziele. Dann verlieren wir drei Mal und jeder sagt 'jetzt sind sie abgehoben, weil sie an irgendetwas geglaubt haben'.

bundesliga.de Wie es scheint, bleiben auch die Spieler auch auf dem Boden...

Heidel: In der Tat. Noch in der Kabine war nach dem Sieg gegen Bayern das Thema Hoffenheim. Das wird schwer genug, weil die eine ganz unangenehme Mannschaft haben. Und alles andere - was sollen wir da planen? Sollen wir ein Flugzeug kaufen? Das bringt doch alles gar nichts...

bundesliga.de: Dennoch hat man langsam das Gefühl, dass die Sache eine Eigendynamik bekommt und Mainz 05 in dieser Saison ganz andere Ziele verfolgen könnte.

Heidel: Das war jetzt das zehnte Spiel, das wir nicht verloren haben. Und davon haben wir vier oder fünf auswärts gewonnen - bei allen großen Gegnern. In der vergangenen Rückrunde hat das zum Glück nur keiner gemerkt. Die, die es jetzt gemerkt haben, sind jetzt überrascht - aber es ist eine kontinuierliche Entwicklung. Allerdings sieht man auch, dass wir in jedem Spiel bis an die Grenzen gehen müssen. Deswegen wechseln wir jedes Mal fünf Spieler aus, damit die wieder frisch sind und diesen Stil Fußball spielen können. Sicherlich sagen acht von zehn Leute: "Nächste Woche kommt aber bestimmt der Einbruch'. Doch mit diesem Thema befassen wir uns gar nicht.

bundesliga.de: Was spricht denn dafür, dass die Erfolgsserie bald zu Ende sein könnte?

Heidel: Wir werden sicherlich keine 34 Spiele gewinnen, das wäre äußerst schwierig (lacht). Aber wir denken nicht nicht in Monaten, warum auch? Wir genießen den Moment - und freuen uns, dass in Mainz jetzt Ausnahmezustand herrscht. Dafür machen wir ja den Krempel hier, das ist doch in Ordnung. Jetzt freuen sich alle - warum sollen wir also darüber nachdenken, was in dem Fall passiert, wenn mal ein Knick kommt? Es werden sicher auch schwere Zeiten kommen, aber die werden wir überstehen.

bundesliga.de: Ein Erfolgsrezept des Mainzer Höhenflugs, Sie sprachen es an, scheint die Rotation zu sein. Fördert es nebenbei auch die Einheit, wenn nahezu der gesamte Kader regelmäßig zum Einsatz kommt?

Heidel: Man sieht ja, dass - mit Ausnahme von Malik Fathi , der noch ein bisschen Rückstand hat und Babangida, der verletzt war - alle Spieler schon Einsatzzeiten hatten. Bei uns ist es halt so, dass der Spieler, der bei einem Spiel auf der Tribüne sitzen muss, das nächste Mal durchaus die Chance hat, in der ersten Elf zu stehen...

bundesliga.de: ...was man bei keiner anderen Bundesligamannschaft in dieser Form sieht.

Heidel: Das stimmt - aber wir haben bei der Kaderzusammenstellung sehr darauf geachtet, dass wir ein breites Niveau haben. Unser Fußball ist sehr kraftaufwändig - und dafür braucht man Leute, die in die Bresche springen. Wir haben auf jeder Position darauf geachtet, dass wir zwei ähnlich starke Spieler haben.

bundesliga.de: Dennoch ist ein derartiger Erfolg doch nicht planbar, oder?

Heidel: Dass es natürlich alles so perfekt greift - da träumt man davon, aber eine Garantie darauf hat man natürlich nicht. Um so schöner, dass man nach sechs Spielen sagen kann: 'Bislang passt es!'.

Das Gespräch führte Johannes Fischer