Borussia Mönchengladbach bleibt weiter auf Kurs. Eine Saison ohne Abstiegssorgen wollten sie spielen, einen gesicherten Platz im Mittelfeld erreichen. Nach dem 5:3-Sieg gegen Hannover 96 wird die Borussia mindestens auf Platz 11 überwintern. 21 Punkte hat die Frontzeck-Truppe bereits eingefahren und sich einen komfortablen 8-Punkte-Vorsprung auf den Relegationsrang erarbeitet.

Das Spiel im Borussia-Park war gerade abgepfiffen, da stapfte Borussias Sportdirektor Max Eberl kopfschüttelnd und über beide Backen grinsend durch die Katakomben des Stadions. Den Journalisten rief er zu: "So viele Zeilen habt Ihr gar nicht, wie Ihr über dieses Spiel schreiben könntet."

Novum sorgt für Gladbacher Sieg

Recht hatte er. Denn die Partie Borussia gegen "96" war sicherlich das bislang kurioseste Bundesliga-Spiel der Saison und eins für die Geschichtsbücher. In der torreichsten Begegnung der bisherigen Spielzeit erzielten die Gäste sechs der acht Treffer, verloren aber dennoch mit 3:5, weil sie drei Mal ins eigene Tor trafen.

Drei Eigentore der gleichen Mannschaft in einem Spiel, das gab es zuvor noch nie in der Bundesliga-Geschichte. Mit 17 Treffern in den ersten 15 Spielen hatte die Borussia-Offensive eigentlich nicht im Übermaß für Panikattacken beim Gegner gesorgt. Doch auch ohne die Selbsttore überzeugte das Angriffsspiel der "Fohlenelf" an diesem besonderen Spieltag.

Der seit Wochen überragende Marco Reus wirbelte die Gäste-Hintermannschaft durcheinander, Borussia erspielte sich Torchancen ohne Ende, auch Rob Friend und Karim Matmour sorgten für reichlich Unruhe. Die Tore der befreit aufspielenden "Elf vom Niederrhein" fielen fast zwangsweise.

Friend gerät ins Schwärmen

Die Entwicklung der Borussia im Kalenderjahr 2009 ist bemerkenswert. Vom verunsicherten Abstiegskandidaten Nummer Eins verwandelte sich die Mannschaft in eine spielstarke Truppe, die daheim mehr Punkte auf dem Konto hat als Teams wie Bremen, Wolfsburg oder Hoffenheim und auch auswärts Akzente setzt.

"Das ist die beste Borussia seit ich hier spiele", sagt Friend. "Wir spielen viel besser als vor einem Jahr. Wir haben jetzt die individuelle Qualität. Wir haben viel aus den Fehlern der letzten Saison gelernt und auch aus der Phase in dieser Saison, in der wir fünf Spiele in Folge verloren haben. Das hat uns hungriger auf Siege gemacht. Wenn man als Team durch eine harte Zeit geht, macht einen das besser und stärker."

Neulinge schlagen voll ein

Dank des energischen Zwischenspurts mit 14 Punkten aus den letzten sieben Spielen hat sich die Borussia vom Tabellenkeller absetzen können. "Wir haben jetzt die 20-Punkte-Marke geknackt und eine Basis für eine ruhige und erfolgreiche Saison gelegt", freut sich Borussia-Kapitän Tobias Levels.

"Ich habe das erste Mal das Gefühl, dass hier eine Mannschaft auf dem Platz steht, die weiß, was sie zu tun hat und in der jeder weiß, wo er hingehört", beschreibt Levels einen Lernprozess der Mannschaft: "Dafür ist der Trainer verantwortlich." Außerdem haben die Neuverpflichtungen richtig eingeschlagen. "Sie fügen sich super ein und sind eine Bereicherung für unser Spiel", lobt Levels. Namentlich Juan Arango, Marco Reus und Thorben Marx.

Mit breiter Brust zum Spitzenreiter

Doch noch ist die erste Halbserie nicht zu Ende gespielt. Das rheinische Derby beim Spitzenreiter Bayer Leverkusen steht noch aus. "Wir haben eine sehr schöne Hinrunde erlebt mit Hochs und einem langen Tief. Mit den 21 Punkten haben wir schon ein sehr gutes Ergebnis erreicht. Jetzt fahren wir zu einer Mannschaft, die ungeschlagen ist", sagt Max Eberl. "Dort werden wir versuchen, noch ein Highlight zum Ende der Hinrunde zu setzen."

Allerdings muss sich Borussias Defensive in der BayArena anders präsentieren als beim Tag der offenen Tür gegen Hannover. Sonst droht ein Ergebnis wie in der Vorsaison, als Mönchengladbach 0:5 unterging. Borussias Innenverteidiger Dante produzierte damals übrigens ein äußerst sehenswertes Eigentor...

Aus Mönchengladbach berichtet Tobias Gonscherowski