Neven Subotic ist erst 19 Jahre alt, hat aber bereits viel erlebt. 1994 kam der kleine Neven mit seinen Eltern und seiner Schwester Natalie als Kriegsflüchtling aus Bosnien-Herzegowina nach Schömberg in den Nordschwarzwald. 1999 musste die Familie wegen einer fehlenden Aufenthaltserlebnis in die USA auswandern. Subotic nahm die amerikanische Staatsbürgerschaft an und kickte in den US-Junioren-Nationalmannschaften.

Doch sein Ziel war Deutschland: "Ich wollte immer dorthin zurückkehren, wo ich glücklich war." Also packte er 2006 seine Koffer und reiste nach Mainz zum Probetraining. Bereits im zweiten Jahr avancierte er zum Stammspieler bei den 05ern und überzeugte in seiner ersten Zweitliga-Saison derart, dass die Dortmunder neben Trainer Jürgen Klopp auch Subotic aus Mainz loseisten.

Beim BVB findet der unaufhaltsame Aufstieg des Innenverteidigers derzeit eine rasante Fortsetzung. In allen 13 Bundesliga-Partien war Subotic im Einsatz und trug sich gleich fünf Mal als Torschütze ein.

Im Interview mit bundesliga.de spricht er über seine Erfahrungen, seine Kopfballstärke, die Umstellung auf die Bundesliga und die Unterschiede zwischen Deutschland und den USA. Außerdem verrät er, welche Ziele er sich mit dem BVB bis zur Winterpause gesetzt hat.

bundesliga.de: Herr Subotic, als 19-Jähriger einen Stammplatz in der Bundesliga, bereits fünf Treffer nach 13 Spieltagen - wie oft fragen Sie sich eigentlich selbst, ob Sie träumen?

Neven Subotic: (lacht) Ich versuche, mir diese Frage gar nicht zu stellen, sonst denke ich noch, ich müsste mich mal locker machen. Aber das tue ich nicht. Selbst wenn es ein Traum ist, will ich mich nicht wecken lassen.

bundesliga.de: Sind Sie generell so gut oder haben Sie einfach im Moment ein Hoch?

Subotic: Ich würde sagen, dass ich zur Zeit ganz ordentlich spiele. Es läuft einfach bei mir. Was extrem auffällt, auch den Medien, sind eben die Tore.

bundesliga.de: Sie sprechen es an, Sie sind der torgefährlichste Dortmunder. Haben die Kollegen aus dem Sturm sich schon Tipps bei Ihnen abgeholt?

Subotic: Nein. Ich bin ja nur bei den Ecken vorne mit dabei. Und wenn die Bälle dann so super herein kommen, fällt es leicht, die Tore zu schießen. Das geht aber nicht nur mir so. Felipe Santana hat ja auch schon drei Treffer erzielt. Daher geht das Lob auch an den Flankengeber.

bundesliga.de: Auffallend ist Ihre Kopfballstärke dennoch. Ist das nur auf Ihre Körpergröße von 1,93 Meter zurückzuführen?

Subotic: Nein, in der Bundesliga gibt es ja noch größere Spieler als mich. Zum Beispiel Naldo von Werder Bremen ist ein wirkliches Kopfballungeheuer. Wir üben natürlich die Standardsituationen im Training ein, und im Moment läuft es einfach bei mir. Man muss im Luftkampf seinen Körper einsetzen, das habe ich in der Zwischenzeit gelernt.

bundesliga.de: Wie haben Sie die Umstellung von 2. Bundesliga auf Bundesliga empfunden?

Subotic: Ich habe schon beim ersten Training in Dortmund gemerkt, dass Bundesliga etwas ganz anderes ist. Da fliegen die Bälle an dir vorbei, ohne dass du irgendwas machen kannst, außer blöd zu gucken.

bundesliga.de: Als 18-Jähriger Stammspieler bei Mainz, als 19-Jähriger in der ersten Saison Stammspieler bei Borussia Dortmund - woher nehmen Sie trotz Ihrer jungen Jahre die Sicherheit und Abgeklärtheit?

Subotic: Das kann ich nur schwer beantworten. Ich habe einfach immer mein Bestes gegeben und nie gedacht, ach, ich mache mal locker und schnuppere nur rein. Vielleicht liegt es auch an meiner Position. Als junger Offensivspieler stehst du zwar schnell mal im Rampenlicht, verschwindest aber auch schnell wieder in der Versenkung. Als Abwehrspieler musst du immer Verantwortung übernehmen, was dazu beiträgt, dass man als Spieler schneller reift.

bundesliga.de: Aber nicht alle Abwehrspieler kommen mit der Verantwortung so gut zu recht wie Sie...

Subotic: Vielleicht helfen mir dabei mein Leben und meine Erfahrungen abseits des Fußballplatzes, die meinen Charakter geprägt haben.

bundesliga.de: Wie würden Sie Ihren Charakter denn beschreiben?

Subotic: Ich halte mich für verantwortungsvoll und zeige das nicht nur auf dem Platz, sondern auch in meinem Leben. Die wenigsten ziehen mit 17 Jahren zuhause aus und gehen in ein anderes Land, um sich dort durchzusetzen.

bundesliga.de: Sie kamen damals allein aus den USA nach Mainz. Wie kam der Kontakt zustande?

Subotic: Ich wollte damals unbedingt in Deutschland Fußball spielen. Mein Berater hat mir das Probetraining in Mainz durch seine Kontakte ermöglicht. Er meinte, das sei ein geeigneter Verein für den Anfang, da er etwas kleiner war und es mir so leichter fiel, Spielpraxis zu sammeln. In Mainz lief es von Anfang an perfekt, ich habe gleich für die nächste Saison meine Chance bekommen, habe bei den Profis trainiert und bei den Amateuren gespielt. Im zweiten Jahr in Mainz habe ich dann in der 2. Bundesliga meine Spiele gemacht. Das war also für mich die komplett richtige Entscheidung.

bundesliga.de: Sie haben sieben Jahre in den USA gelebt, Ihre Eltern wohnen immer noch dort. Welche Unterschiede haben sie zwischen Amerika und Deutschland erlebt, privat und sportlich?

Subotic: Die Leute hier in Deutschland sind einfach viel netter, höflicher. Die Vorurteile, die Deutschen seien immer so ernst und die Amerikaner immer so fröhlich, kann ich nicht bestätigen - im Gegenteil: Es ist genau anders herum. Fußballerisch ist Deutschland eine andere Welt. Die Bundesliga gehört zu den besten Ligen der Welt.

bundesliga.de: Eine Hilfe war sicherlich, dass Sie Trainer Jürgen Klopp noch aus Mainzer Zeiten kannten. Hat er sich in Dortmund verändert?

Subotic: Naja, er hat sich am Anfang jedenfalls sehr viel Zeit genommen für jeden einzelnen Spieler. Aber das ist auch normal, wenn man als Trainer zu einem neuen Club kommt, um die Spieler wirklich kennen zu lernen. Bei den Trainingsinhalten gibt es im Vergleich zu Mainz einige neue Elemente, wir spielen mit Borussia Dortmund ja auch ein anderes System, das 4-4-2 mit Diamant. Im Prinzip hat er sich aber nicht sehr verändert, er ist immer noch sehr lustig.

bundesliga.de: Wie groß ist Klopps Anteil am Dortmunder Erfolg?

Subotic: Das Problem in den letzten Jahren in Dortmund war, dass die Mannschaft auf dem Platz nicht immer den nötigen Willen gezeigt hat. Das hat sich in dieser Saison verändert, Jürgen Klopp hat vor allem im Bereich Motivation einiges bewegt.

bundesliga.de: Der BVB liegt derzeit mit 21 Punkten auf Platz 6. Was sind Ihre kurzfristigen Ziele bis zur Winterpause?

Subotic: Unser kurzfristiges Ziel lautet natürlich, am Freitag in Karlsruhe drei Punkte zu holen. Wir sind derzeit gut drauf. Unsere kommenden Gegner (KSC (A), Wolfsburg (H), Bielefeld (A), Gladbach (H), Anmerk. d. Red.) sind nicht zu unterschätzen, aber mit einem guten Spiel auch zu schlagen. Wir müssen realistisch bleiben, beim KSC gewinnen und dann schauen wir mal weiter.

Das Gespräch führte Denis Huber