Kanada ist eine Eishockeynation. Die legendärsten Duelle auf dem Eis wurden unter dem Ahornblatt gespielt. Doch auch Fußballer stammen aus der Heimat von Wayne Gretzky und Co. Rob Friend zum Beispiel. Mit großen Derbys eisglatter Art großgeworden, kann der Stürmer das Derby seiner Gladbacher Borussia beim 1. FC Köln kaum noch erwarten.

"Die Fans fiebern dem Match entgegen, und wir Spieler mit ihnen, egal ob du aus Kanada oder aus Berlin kommst", freut sich Friend im Gespräch mit bundesliga.de auf das Duell gegen die "Geißböcke".

Selbstbewusst gehen der Angreifer und seine Borussia ins Spiel, haben sie doch am vergangenen Wochenende den Hamburger SV vom Platz gefegt. Im Interview nennt Friend die Gründe für diesen Überraschungserfolg. Außerdem spricht er über die Arbeit seines Trainers und die Zielsetzung fürs Derby.

bundesliga.de: Herr Friend, herzlichen Glückwunsch zum deutlichen Sieg über den HSV. Was war das Geheimnis des Erfolgs am vergangenen Samstag?

Rob Friend: Wenn wir in Führung gegangen sind in dieser Saison, haben wir bis auf eine Ausnahme immer etwas Zählbares geholt. Gegen den HSV haben wir ein gutes Spiel gezeigt und vor allem unsere Tormöglichkeiten genutzt. Das ist uns in Berlin in der Woche zuvor nicht gelungen, obwohl wir dort auch gut gespielt haben.

bundesliga.de: Wo hat die Mannschaft die offensichtliche Lockerheit und die Entschlossenheit hergenommen? Der HSV ist immerhin Titelanwärter.

Friend: Wir haben in den letzten Spielen Selbstvertrauen geschöpft, waren zuhause gegen Hoffenheim dicht vor dem Sieg und haben gegen Hannover gewonnen. Im Borussia-Park haben wir viele gute Spiele gemacht, mit der Unterstützung unserer Fans sind wir nur schwer zu besiegen. Zudem lief es auch auswärts zuletzt besser. Und an Entschlossenheit hat es uns noch nie gemangelt, die ist auch nötig in unserer Lage.

bundesliga.de: In der Rückrunde hat die Borussia bereits acht Punkte geholt, in der kompletten Hinrunde waren es nur elf Zähler. Woran hat Trainer Hans Meyer im Winter besonders arbeiten lassen?

Friend: Hans Meyer ist ein erfahrener Trainer, er hat uns die wichtigen Dinge und das Rüstzeug für den Abstiegskampf mitgegeben. Auch in der Hinrunde haben wir ein paar gute Spiele absolviert, aber die Punkte nicht geholt. Im Winter haben wir dann ein paar neue Grundlagen geschaffen, die sich hoffentlich weiter auszahlen.

bundesliga.de: Gladbach hat auf dem Transfermarkt sehr früh und sehr häufig und gezielt zugeschlagen. Haben diese schnellen Einkäufe allen klar gemacht, wie ernst die Lage ist, und wie wichtig sind vor allem Logan Bailly, Tomas Galasek und Paul Stalteri fürs Team?

Friend: Auch ohne Neuzugänge war uns allen klar, in welcher Lage wir uns befinden. Nichtsdestotrotz sind Tomas und Paul alleine schon mit ihrer Erfahrung sehr wichtig für unsere junge Mannschaft, die wenig Bundesliga-Erfahrung hat. Und Logan hat nicht nur in Bremen gezeigt, wie wertvoll er für uns werden kann.

bundesliga.de: Am kommenden Spieltag sind die "Fohlen" zu Gast in Köln. Es ist eines der legendärsten Derbys der Bundesliga-Geschichte. Wie viel haben Sie von diesem Derby-Fieber bereits in sich?

Friend: Es ist Wahnsinn, welchen Schatten dieses Spiel im Vorfeld wirft. Natürlich bin ich auch schon davon infiziert, da kannst du dich gar nicht gegen wehren. Die Spiele in der 2. Bundesliga im vorigen Jahr und das Hinspiel waren schon tolle Erfahrungen, auch wenn ich hoffe, dass diesmal alles friedlich bleibt. Wir brauchen die Unterstützung unserer Fans, die zu zigtausenden in Köln im Stadion sein werden. Sie sollen uns anfeuern, uns nach vorne und zum Sieg schreien. Ausschreitungen jegwelcher Art sind kontraproduktiv, das dürfte spätestens das letzte Spiel beim 1. FC Köln bewiesen haben.

bundesliga.de: In der Hinrunde verlor Gladbach das Spiel erst kurz vor Schluss. Was stimmt Sie zuversichtlich, am Spielende diesmal nicht mit leeren Händen dazustehen?

Friend: In den letzten beiden Spiel hat Köln jeweils in der Schlussminute entscheidend getroffen, ich erinnere mich noch an den mehr als umstrittenen Strafstoß, den wir bei einer 1:0-Führung in Köln in der letzten Minute gegen uns bekamen. Damals waren wir vielleicht am Ende nicht konzentriert, nicht entschlossen genug, auch wegen der Geschichten auf den Tribünen. Daraus haben wir und unsere Fans gelernt, das passiert uns nicht wieder. Diesmal müssen wir ein Tor drauflegen, dann schmerzt ein Last-Minute-Tor nicht mehr.

bundesliga.de: Sie kommen aus Kanada, wo Fußball zwar an Stellenwert gewinnt, aber bei weitem nicht den Status hat wie hier. Ist so ein traditionelles Derby wie das zwischen Gladbach und Köln etwas Besonderes für Sie?

Friend: Ja, natürlich. Wie gesagt, Derbys haben auf jeden Fall ihren besonderen Charakter. Die Fans fiebern dem Match entgegen, und wir Spieler mit ihnen, egal ob du aus Kanada oder aus Berlin kommst. Es mag aber sein, dass es für den einen oder anderen ein ganz normales Spiel ist - schließlich kannst du auch in Köln nur drei Punkte gewinnen. Aber alleine die Tradition der beiden Clubs spricht für eine besondere Atmosphäre.

bundesliga.de: Die vergangene Saison war Ihre erste in Deutschland. In der 2. Bundesliga waren Sie einer der Top-Stürmer. Wie schwer ist Ihnen die Umstellung auf die Bundesliga gefallen und wo sehen Sie sich aktuell in Ihrer Entwicklung?

Friend: Natürlich ist die Bundesliga eine ganz besondere Herausforderung, hier geht es schneller zur Sache als in der 2. Bundesliga, hier darfst du dir keinen Fehler leisten, denn der wird sofort bestraft. Du bekommst als Angreifer weniger Chancen, um dein Tor zu erzielen, aber insgesamt sind wir als Mannschaft auf einem guten Weg, und ich persönlich habe hoffentlich mit meinem Tor gegen den HSV meine Durststrecke beendet.

bundesliga.de: Bis auf Hannover spielt die Borussia noch gegen alle Clubs, die ebenfalls im Abstiegskampf stecken. Natürlich will eine Mannschaft jedes Spiel gewinnen, aber haben diese direkten Duelle einen besonderen Stellenwert?

Friend: Klar! Gegen die direkten Konkurrenten wiegen vor allem Niederlagen viel schwerer. Wenn du gewinnst, bekommst du immer drei Punkte. Verlierst du, hast du null, verlierst du aber gegen einen direkten Konkurrenten, dann hat er noch drei Punkte mehr. Andererseits liegt für uns auch eine große Chance darin, solange wir diese Spiele erfolgreich bestreiten.

Die Fragen stellte Sebastian Stolz