Von der zweiten Mannschaft des VfL Bochum zur Zweitvertretung des FC Schalke 04 - dass mit diesem Vereinswechsel der Sprung zum Bundesliga-Stammspieler verbunden sein würde, hätte sich Lukas Schmitz im vergangenen Sommer nicht träumen lassen. Unter Felix Magath gelang dem 21-Jährigen der Aufstieg ins Profiteam.

Bei bundesliga.de erinnert er sich an seine erste Begegnung mit Kuranyi und Co., spricht über seine Vorliebe fürs Mittelfeld und träumt vom Duell mit Lionel Messi.

bundesliga.de: Lukas Schmitz, war Ihr Wechsel vor der Saison von Bochum nach Schalke eigentlich auch eine Herzensangelegenheit? Immerhin haben Sie sich ja als "königsblauer" Sympathisant geoutet.

Schmitz: Das stimmt. Wenn ich früher zum Beispiel die Derbys zwischen Schalke und dem BVB im Fernsehen geschaut habe, war ich immer auf Schalker Seite. Dass ich jetzt dieses Derby selbst auf dem Platz miterleben durfte, war einfach grandios.

bundesliga.de: Aber in Ihrer Familie gibt es auch BVB-Fans?

Schmitz: (lacht) Sagen wir es mal so: In der erweiterten Familie gibt es auch den ein oder anderen BVB-Fan.

bundesliga.de: Ihre persönliche Entwicklung auf Schalke verlief rasant: Eigentlich waren Sie für die zweite Mannschaft in der Regionalliga eingeplant und fanden sich dann plötzlich am 5. Spieltag bei den Profis wieder.

Schmitz: Na ja, eigentlich lief das ganz unspektakulär ab. Ich bekam einen Anruf vom damaligen Amateurtrainer Oliver Ruhnert. Damals fehlten ein paar Profis aufgrund einer Länderspielreise und ich sollte in der ersten Mannschaft mittrainieren. Oliver Ruhnert sagte nur: 'Gib Gas'! Dann stand ich am Wochenende plötzlich im Kader gegen Köln, durfte weiter mit den Profis trainieren und habe eine Woche später gegen Wolfsburg mein Debüt gefeiert.

bundesliga.de: Wie war denn Ihre Gefühlslage, als Sie auf einmal zusammen mit Bordon, Kuranyi und Neuer trainieren durften?

Schmitz: Angst hatte ich keine, aber ein bisschen Muffensausen war schon dabei. Man hat natürlich großen Respekt, auf einmal mit den Leuten in einer Kabine zusammen zu sitzen, die man über Jahre nur im Fernsehen gesehen hat. Aber man gewöhnt sich dann relativ schnell daran.

bundesliga.de: Gilt das auch für das Training selbst? Felix Magath ist ja berüchtigt für intensive Einheiten.

Schmitz: (lacht) Ja, diesen Eindruck würde ich schon teilen. Wenn ich ehrlich bin, hatte ich regelmäßig Muskelkalter. Es waren nur wenige Tage dabei, an denen das mal nicht so war. Aber der Erfolg gibt ihm Recht. Du kannst als Spieler auch nicht zufrieden sein, wenn Du die Woche über schlecht trainierst und am Wochenende das Spiel verlierst. Dann ist es mir so deutlich lieber.

bundesliga.de: Hatten Sie selbst in der Mannschaft Vorbilder oder sogar Idole?

Schmitz: Ein Vorbild nicht direkt, aber in der Vorsaison fand ich Jermaine Jones in der Art und Weise ganz stark, wie er gespielt hat. Zumal das meiner Position entsprochen hat, die ich damals noch bei den Bochumer Amateuren gespielt habe. Mich hat beeindruckt, mit welcher Dynamik er in die Spiele gegangen ist.

bundesliga.de: Ihre ersten Schritte bei den Profis haben Sie also mit sehr viel Respekt gemacht. Haben Sie sich diesen Respekt jetzt auch erarbeitet?

Schmitz: Es ist klar, dass man sich das Schritt für Schritt erarbeiten muss. Aber es ist auch so, dass man mit jedem Spiel etwas an Ansehen gewinnt. Ich denke, ich bin auf einem ganz guten Weg.

bundesliga.de: Zu welchem Zeitpunkt haben Sie sich persönlich ernsthaft mit dem Gedanken beschäftigt, dass Schalke ganz weit oben landen kann?

Schmitz: Wir haben einen guten Start hingelegt und eine gute Hinrunde gespielt. Da denkst Du dann darüber nach, ob es so wohl weitergehen kann. Nachdem wir dann auch gut in die Rückrunde gestartet sind, habe ich eigentlich keinen Grund mehr gesehen, warum wir uns nicht oben festsetzen sollen. Es gab nichts, was dagegen sprach.

bundesliga.de: Und jetzt träumen Sie angesichts der Champions League davon, demnächst gegen Lionel Messi zu spielen?

Schmitz: Es wäre schon eine ganz tolle Sache, wenn man in den Gruppenspielen direkt einen richtigen Kracher vom Format des FC Barcelona hätte. Das wäre für mich eine tolle Erfahrung und etwas, dass ich wahrscheinlich mein ganzes Leben lang nicht vergessen würde.

bundesliga.de: Der Verein sucht nach Aussage von Felix Magath zurzeit unter anderem noch einen linken Verteidiger. Das würde auch Sie persönlich betreffen. Sehen Sie jeder Herausforderung gelassen entgegen?

Lukas Schmitz: Warum soll ich mir jetzt viele Gedanken über neue Spieler machen? Ich muss so oder so im Training meine Leistung bringen und mich anbieten. Das ist das Einzige, was sich selbst beeinflussen kann. Und dann werde ich hoffentlich auch aufgestellt.

bundesliga.de: Kennt Magath denn Ihre Vorliebe fürs Mittelfeld? Er hat Sie überwiegend in der Abwehr eingesetzt.

Schmitz: Der Trainer weiß, dass ich lieber im Mittelfeld spiele. Man hat hier noch mehr Möglichkeiten, gerade auf einer zentralen Position zum Beispiel bei einer Doppel-Sechs. Außerdem ist man näher am Tor und kommt öfter zum Abschluss. Aber auf meine Vorlieben kommt es gar nicht an. Das Wichtigste für mich ist, dass ich der Mannschaft helfen kann. Und das am besten auf dem Platz.

bundesliga.de: Der Jugendstil der Liga hat sich für einige junge Spieler auch mit Blick auf die Nationalelf ausgezahlt. Badstuber, Müller, Hummels und Großkreutz zählen zum engeren oder erweiterten Kader. Denken Sie ab und zu auch mal ans Nationaltrikot?

Schmitz: Ganz ehrlich? Überhaupt nicht! Ich war eigentlich nie richtiger Bestandteil irgendeiner Jugend-Nationalmannschaft. Aber ich habe meinen Weg trotzdem gemacht. Wichtig ist, dass man im Verein seine Leistung bringt. Da muss man sich täglich beweisen. Das ist für mich auch das Wichtigste. Alles andere ist nicht mehr als ein Zubrot.

bundesliga.de: Ihr erstes Bundesligaspiel, ihr erstes Tor, die Unterschrift unter Ihren ersten Profivertrag: Was war für Sie persönlich der herausragende Tag der Saison?

Schmitz: Als ich im Spiel gegen den HSV mein erstes Bundesligator geschossen habe, da ist mir das Herz noch einmal in die Hose gerutscht. Das ist schon der Tag, der mit von allen am deutlichsten in der Erinnerung hängen geblieben ist und auch bleiben wird. Der Tag der Vertragsunterzeichnung war natürlich auch etwas Besonderes. Aber irgendwie anders. Das kann man nicht vergleichen mit den Emotionen, die man beim Einlaufen in ein volles Stadion hat oder in dem Moment, in dem man für ein Tor gefeiert wird. Das ist schlicht überragend!

Das Gespräch führte Dietmar Nolte