München - Zwei deutsche Real-Profis, zwei Mal Cristiano Ronaldo: Während Mesut Özil seinen Offensiv-Kollegen in den höchsten Tönen lobt, verrät Sami Khedira, wie er dem Ausnahmekönner beikommen will. Derweil reiste Englands Jermain Defoe völlig überraschend in die Heimat zurück. Dänemarks Kapitän Daniel Agger verklagt einen Sportwetten-Anbieter und Lothar Matthäus lobt die Arbeit von Bundestrainer Joachim Löw in höchsten Tönen. Die EM-Splitter am Donnerstag im Überblick:

+++Özil schwärmt von Ronaldo+++

Nationalspieler Mesut Özil schwärmt in den höchsten Tönen von dessen Superstar Cristiano Ronaldo. "Er ist für mich eine außergewöhnliche Person, in jeder Hinsicht. Das habe ich bereits bei meiner Ankunft vor fast zwei Jahren in Madrid gespürt, als er sich intensiv um mich gekümmert hat", schrieb Özil, Ronaldos Teamkollege bei Real Madrid, in einer Kolumne für "Welt online".

Die Bodenständigkeit des teuersten Spielers der Fußball-Geschichte habe ihn "zunächst überrascht", schrieb Özil. "Er ist kein Einzelgänger, sondern er gibt der gesamten Mannschaft viel. Er kümmert sich vorbildlich um das Team. Heute weiß ich, dass er einfach ein netter Kerl ist." Ronaldo zeichne aus, unbedingt jedes Spiel gewinnen zu wollen - und sei es im Training.

"Obwohl ja viel über sein Privatleben geschrieben wird, kann ich mit absoluter Überzeugung sagen, dass er ein hundertprozentiger Profi ist. Er ist sehr stark auf den Sport fixiert und investiert viel in seine persönliche Fitness", schrieb Özil, und schloss mit dem Kommentar: "Ich gönne ihm jeden Sieg - außer den am 9. Juni natürlich."


+++Khedira: "Man muss Ronaldo die Lust nehmen"+++

Cristiano Ronaldo ist einer der besten Fußballer der Welt und der Schlüsselspieler der Portugiesen. "Ihn müssen wir ausschalten", sagte Lukas Podolski vor dem Spiel der Nationalmannschaft am Samstag (ab 20:30 Uhr im Live-Ticker). Wie das gehen soll, weiß Team-Kollege Sami Khedira. "Man muss ihn frühzeitig stellen, ihm den Platz nehmen, und vor allem muss man ihm die Lust nehmen", verriet Ronaldos Mannschaftskollege von Real Madrid: "Er ist Portugiese - und die funktionieren ohne Lust nicht."

Allerdings weiß Khedira auch, wie schwer das Vorhaben sein wird. "Was Cristiano für ein Talent und ein Selbstvertrauen hat, habe ich kein zweites Mal bisher gesehen. Er kann einfach alles. Ich denke, dass man einen Spieler wie Cristiano nie ganz ausschalten kann. Er schießt die Bälle aus allen Entfernungen einfach in den Winkel", lobte der Mittelfeldspieler.

+++Lwiw putzt sich raus+++

Am Stadion werden die letzten Pflastersteine verlegt, vor dem Rathaus verteilen Frauen in historischen Gewändern Süßigkeiten, und die Brauereien haben ihre Bierproduktion erhöht: Lwiw ist bereit für das erste EM-Spiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in der Ukraine. Nur die Fans fehlen noch. Es werden bis zu 60.000 Besucher erwartet.

Dass deutsche Fans gerne Bier trinken, ist in der Ukraine bekannt. "Es gibt zwei Brauereien in Lwiw, beide haben für die EURO ihre Produktion erhöht. Ich hoffe, dass alle Besucher genug Bier bekommen", sagte Galyna Grynyk, die Tourismus-Chefin der Stadt.

+++Matthäus stellt Löw Bestnote aus+++

Zwei Tage vor dem Spiel gegen Portugal hat DFB-Ehrenspielführer Lothar Matthäus dem Bundestrainer Joachim Löw ein überragendes Zeugnis ausgestellt. "Ich denke, dass Löw in den letzten Jahren eine tolle Arbeit abgeliefert und den deutschen Fußball nach vorne gebracht hat. Wenn er von mir eine Schulnote bekommen würde, dann würde ich ihm eine 1+ geben", sagte der Weltmeister von 1990 im Interview mit Eurosport.

Selbst den Titel hält Matthäus für möglich. Um dieses Ziel zu erreichen, müsse die DFB-Auswahl aber von Beginn an konzentriert auftreten. "Am besten wäre gleich ein Sieg gegen Portugal, der dem Team zusätzliches Selbstvertrauen geben würde. Wenn die Mannschaft die Leistungen umsetzt, die sie in den vergangenen Jahren gezeigt hat, und die Spielfreude sowie diese Spielqualität an den Tag legt, dann sollte die schwere Gruppe B zu überstehen sein." Zudem benötige die DFB-Auswahl auch "das notwendige Glück. Dann ist vielleicht auch das Finale oder sogar der Titelgewinn drin".

+++Rosicky mit besonderen Schuhen+++

Kapitän Tomas Rosicky wird die tschechische Fußball-Nationalmannschaft bei ihrem ersten Gruppenspiel bei der EM in Polen und der Ukraine am Freitag gegen Russland mit besonderen Schuhen in den Nationalfarben seines Landes auf den Rasen führen. Auf den rot-weiß-blauen Spezialanfertigungen hat sich der frühere Bundesligaprofi von Borussia Dortmund neben seiner Rückennummer 10 auch vier Buchstaben sticken lassen.

"Es sind die Anfangsbuchstaben eines Satzes, der für mich sehr viel Bedeutung hat. Um was es genau geht, verrate ich aber nicht", sagte der 31 Jahre alte Profi vom FC Arsenal vor dem Duell im polnischen Breslau. Rechtzeitig vor dem Turnierstart der Tschechen in der Gruppe A war Rosicky erst in dieser Woche wieder voll ins Mannschaftstraining eingestiegen. Der Mittelfeldspieler hatte zuletzt wegen einer Wadenverletzung gefehlt.

+++Defoe reist ab+++

Die Schreckensnachrichten für die englische Nationalmannschaft reißen nicht ab. Stürmer Jermain Defoe (29) von Tottenham Hotspur musste am Donnerstag das EM-Quartier der "Three Lions" in Krakau verlassen, weil sein Vater gestorben ist. Teammanager Roy Hodgson wird keinen Ersatzmann nominieren.

"Defoe wird in Kürze zum Team zurückkehren", teilte der nationale Fußball-Verband FA am Vormittag auf seiner Internetseite mit. "Wir bitten jetzt alle Medien, die Privatsphäre von Jermain und seiner Familie in dieser schwierigen Zeit zu respektieren."

+++Agger verklagt Wettfirma+++

Dänemarks EM-Kapitän Daniel Agger hat kurz vor dem Auftaktspiel gegen die Niederlande in Charkiw am Samstag Ärger mit einer Wettfirma. Agger (27) will die damalige Muttergesellschaft (MTG) des Unternehmens (Bet24) verklagen, weil sie in der Weihnachtszeit einen Reklame-Spot verbreitete, der den Profi des englischen Traditionsclubs FC Liverpool zeigte.

"Wenn sie mich vorher gefragt hätten, hätte ich's sicher erlaubt. Aber das haben sie ja nicht getan. Ich finde es arrogant und frech, mich als Blickfang für eine Wettfirma zu benutzen, mit der ich keinen Kontakt habe. Deshalb gehe ich mit Liverpool vor Gericht", sagte Agger im EM-Trainingslager der Dänen im polnischen Kolobrzeg. "Wenn jemand die Grenze überschreitet, soll er das auch wissen. So war ich immer - nicht nur im Umgang mit den Medien, sondern generell."

+++Platini kritisiert Lahm+++

Vor dem deutschen Fußball-EM-Auftaktspiel hat sich UEFA-Präsident Michel Platini in einem Ivinterview mit der ARD die jüngsten Äußerungen von Nationalmannschaftskapitän Philipp Lahm zur politischen Situation in der Ukraine kritisiert. "Ich glaube, dass ein Fußballer - vor allem ein Kapitän einer Nationalmannschaft - sich nicht zwangsläufig in der Öffentlichkeit zu politischen Dingen äußern sollte", äußerte der 56-jährige Platini. Weiter sagte der Chef der Europäischen Fußball-Union: "Es gibt in der Ukraine eine Menge Leute, die dafür arbeiten, dass er dort spielen kann. Ich würde mir als Spieler nicht erlauben zu sagen: Ihr müsst dies und das tun."

"Meine Ansichten zu demokratischen Grundrechten, zu Menschenrechten, zu Fragen wie persönlicher Freiheit oder Pressefreiheit finde ich in der derzeitigen politischen Situation in der Ukraine nicht wieder. Wenn ich sehe, wie das Regime Julia Timoschenko behandelt, dann hat das nichts mit meinen Vorstellungen von Demokratie zu tun", hatte Lahm dem "Spiegel" gesagt. Am Ende des ARD-Interviews gab sich Platini in Bezug auf den DFB-Spielführer aber wieder versöhnlich: "Lahm ist ein sehr, sehr guter Spieler. Vielleicht überreiche ich ihm auch den Pokal - mit einem Lachen im Gesicht."

+++Friedrich kommt zum EM-Endspiel mit Deutschland+++

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) wird nicht zu den deutschen EM-Vorrunden-Spielen in die Ukraine fahren, möchte aber zum Finale in der ukrainischen Hauptstadt Kiew reisen. "Ich habe nicht vor, zu den Vorrunden-Spielen zu fahren, und ich glaube nicht, dass der Sportminister unbedingt schon bei jedem Spiel dabei sein muss", sagte Friedrich am Donnerstag.

"Aber ich freue mich natürlich auf das Viertelfinale, das Halbfinale und auf das Endspiel", sagte Friedrich, "vorausgesetzt, dass das Endspiel mit deutscher Beteiligung stattfindet, werde ich beim Endspiel sein."

Die Bundesregierung hatte zuletzt den Umgang der ukrainischen Regierung mit der inhaftierten Oppositionspolitikerin Julia Timoschenko kritisiert. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will kurzfristig über Besuche von Spielen EM entscheiden.

+++Ballack traut Deutschland EM-Titel zu+++

Der ehemalige Nationalmannschafts-Kapitän Michael Ballack traut der DFB-Auswahl bei der am Freitag beginnenden EM-Endrunde in Polen und der Ukraine den Titel zu.

"Natürlich ist der Druck für die deutsche Mannschaft riesengroß. Aber es braucht niemand zu zittern. Wir können den großen Coup landen. Wir kommen ins Halbfinale. Und dann ist alles möglich", schreibt der 98-malige Nationalspieler in seiner Kolumne für den "Express".

Wichtig sei, dass die deutsche Mannschaft erfolgreich in das Turnier starte."Ich weiß es aus eigener Erfahrung: Ein guter Start kann eine Befreiung sein. Das kann dir Flügel verleihen. Das verschafft dir etwas Luft für die nächsten Spiele in dieser knüppelharten Vorrunde", sagt Ballack. Für den 35-Jährigen ist Portugal ein gefährlicher Gegner, aber eins sei klar: "Da muss ein Sieg her für die deutsche Mannschaft."

Besonders Bastian Schweinsteiger nimmt der Vizeweltmeister von 2002 in die Pflicht. "Bastian muss die Mannschaft führen. Das kann er. Dazu hat er die Qualität, die Persönlichkeit und den Mumm. Er schafft das auch. Denn er ist für mich auf seiner Position einer der besten Spieler der Welt."