München - Statt seiner üblichen Jubelgeste signalisierte Corentin Tolisso nach seinem ersten Treffer mit Daumen und Zeigefinger einfach eine Zwei. Exakt diese Anzahl an Toren fehlte dem FC Bayern München schließlich, um den Traum vom Gruppensieg in der Champions League gegen Paris Saint-Germain doch noch zu realisieren. Dennoch tankten die Bayern mit dem 3:1-Prestigesieg viel Selbstvertrauen - allen voran Doppeltorschütze Tolisso.

Als einen besonderen Motivationsschub habe es Tolisso nicht empfunden, gegen seine Landsleute aus der französischen Hauptstadt von Beginn an auflaufen zu dürfen. "Aber es ist richtig, dass es schon etwas anderes ist, gegen eine französische Mannschaft und gegen Paris Saint-Germain zu spielen", räumte der 23-Jährige ein. "Es hat mir sehr viel Spaß gemacht. Ich kenne die Mannschaft sehr gut."

Heynckes vertraut auf Tolissos Erfahrung

Gegen kein anderes Team spielte Tolisso in seiner bisherigen Laufbahn häufiger. Mit Olympique Lyon traf er allein elf Mal auf PSG. Nach einem 45-minütigen Einsatz bei der 0:3-Niederlage im Hinspiel unter Carlo Ancelotti in Paris, schenkte Bayern-Trainer Jupp Heynckes dem Neuzugang als zentralem Teil einer französischen Achse mit den Flügelspielern Franck Ribéry und Kingsley Coman über 90 Minuten das Vertrauen.

Video: Coman führt Bayern gegen Hannover zum Sieg

Insbesondere auf die Personalie Tolisso hatte sich Heynckes in seinen Überlegungen schon frühzeitig festgelegt. "Ich hatte sowieso vor, ihn spielen zu lassen", erklärte der 72-Jährige nach der Partie am Dienstagabend seine Aufstellung. "Bei Coco Tolisso habe ich in den letzten Wochen immer schon gesehen, dass er sehr gute Ansätze hat. Dass er auch Torgefahr entwickelt, hat er heute unter Beweis gestellt."

>>> Die Bayern feiern Kingsley Coman und Franck Ribéry

Dreh- und Angelpunkt des Bayern-Spiels

In seinem 13. Duell mit Paris schnürte der französische Nationalspieler seinen ersten Doppelpack für den Rekordmeister und traf damit am Dienstag genauso oft wie in seinen bisherigen zwölf Partien gegen PSG. "Ich bin sehr glücklich, dass ich Bayern heute gegen Paris Saint-Germain helfen konnte", sagte Tolisso. Seine Kollegen profitierten aber nicht allein von seiner Abschlussstärke. Der Mittelfeld-Allrounder, der bei Lyon sogar anfangs als Außenverteidiger auflief, war der Dreh- und Angelpunkt des Münchner Spiels. Er gab die meisten Pässe aller Bayern-Spieler ab, seine überzeugende Erfolgsquote von 93 Prozent wurde nur von Niklas Süle übertroffen.

"Er ist ein Spieler, der immer den Ball haben will und er geht immer vorne mit rein. Es macht Spaß, mit ihm zu spielen." Sebastian Rudy über Corintin Tolisso

Charakteristisch für sein Spiel ist sein Offensivdrang. Meist initiiert Tolisso die Angriffe mit präzisen, scharfen Pässen aus dem defensiven Mittelfeld heraus - und nimmt dann selbst Tempo auf. So war er an der Entstehung aller drei Tore gegen PSG auch selbst beteiligt. Vor dem Führungstor durch Robert Lewandowski verlagerte er das Spiel über Ribéry und James auf die linke Seite. Vor seinen beiden Toren war Tolisso im Mittelfeld den entscheidenden Schritt schneller gegen Adrien Rabiot, beziehungsweise Marco Verratti.

Ein "wichtiger Schritt" für Tolisso

"Er ist ein Spieler, der immer den Ball haben will und er geht immer vorne mit rein", erklärte Sebastian Rudy die Stärken seines Kollegen. "Es macht Spaß, mit ihm zu spielen." Nach drei Bundesligaspielen zu Saisonbeginn über die vollen 90 Minuten, inklusive Tor beim Debüt am 1. Spieltag, wurden Tolissos Einsatzzeiten unregelmäßiger. Seinen Wert unterstrich er zuletzt gerade in der Champions League, an vier der letzten fünf Tore der Bayern war er direkt beteiligt. "Er hatte in den letzten Spielen auch immer gute Aktionen. Trotzdem denke ich, dass es auch für ihn ein sehr wichtiger Schritt war", sagte Rudy.

© DFL DEUTSCHE FUSSBALL LIGA / Johannes Simon

In den sieben Bundesligaspielen unter Heynckes zählte Tolisso erst zwei Mal zur Anfangsformation, mit seiner Gala gegen PSG sammelte er auch bei seinem Chef Pluspunkte. "Er ist ein sehr guter Teamplayer und vor allen Dingen auch läuferisch und kämpferisch stark", lobte Heynckes seine Allzweckwaffe. Wie zum Beweis bezog Tolisso seine Bilanz zunächst auf die gesamte Teamleistung: "Kämpferisch, taktisch und technisch haben wir annähernd perfekt gespielt." Seine Freude über seine gelungene Vorstellung konnte er dennoch nicht verbergen: "Ich habe zwei Tore gemacht und ein gutes Spiel abgeliefert. So soll es jetzt weitergehen."

Aus München berichtet Maximilian Lotz