Klick, klick, klick - wie eine Maschinengewehrsalve hallten die Auslöser der Fotografen durch das Stadion Camp Nou. So eben waren die Spieler des VfB Stuttgarts beim Abschlusstraining vor dem Achtelfinal-Rückspiel gegen den FC Barcelona parallel zum Schriftzug und Vereinsmotto der Spanier getrabt. "Més que un club" - "Mehr als ein Verein" ist durch weißgefärbte Sitze in großen Lettern auf Höhe der Mittellinie kenntlich gemacht.

Doch beim VfB scheint sich dafür keiner zu interessieren. Dass es vor gut 85.000 Zuschauern gegen den Titelverteidiger und derzeit wohl besten Club der Welt geht (Mi., ab 20:30 Uhr im Live-Ticker), merkt man den Schwaben gar nicht an. Dass sich Weltfußballer Lionel Messi in Topform befindet, nicht der Rede wert.

Gross fordert Effizienz

"Barcelona ist der beste Verein der Welt, trotzdem haben wir unsere Chance. Dafür müssen wir aber effizienter spielen als beim 1:1 in Stuttgart. Wir müssen aggressiv ins Spiel gehen, aber dabei trotzdem cool bleiben", erklärte Stuttgarts Trainer Christian Gross auf der Pressekonferenz zum Spiel.

Gross lebt seinen Profis diese "Coolness" schon einmal vor. Vielleicht lag das daran, dass er dem großen Favoriten mit dem FC Basel in der vergangenen Saison schon ein 1:1 in dessen Stadion abgetrotzt hat. "Nein, das waren ganz andere Vorzeichen. Es war ein Gruppenspiel und wir waren auch schon so gut wie ausgeschieden", stellte Gross klar.

Lehmann hat die Lacher auf seiner Seite

Auch Torwart Jens Lehmann zeigte sich im fast voll besetzten Presseraum des Camp Nou gewohnt entspannt - und mit seinem typischen Humor. Ob er vor dem vielleicht letzten Spiel auf europäischer Bühne total gelassen bleiben könnte, antwortete er mit einem klaren "Ja!". Pause. Die Lacher hatte er auf seiner Seite.

Auf Nachfrage kam der Routinier dann aber ins Philosophieren: "Wenn ich an all das denken würde, woran ich denken könnte, dann wäre ich den ganzen Tag damit beschäftigt, an Dinge zu denken, die vielleicht nicht passieren. Das wäre sehr zeitaufwendig."

Für Lehmann zählen momentan nur die 90 Minuten am Mittwochabend. "Natürlich ist das ein besonderes Spiel, aber das blende ich aus, da solche Gedanken nur ablenken würden. Wir sind hochkonzentriert und absolut fokussiert auf diese Partie", sagte er.

"Über die Grenzen gehen"

Und wie ist dem großen FC Barcelona um Starspieler Messi denn nun beizukommen? "Ich erwarte von jedem einzelnen, dass er an seine Grenzen und darüber hinaus geht. Nur dann ist etwas möglich", setzte Gross seine Spieler unter Druck.

Beim Abschlusstraining wirkten diese aber noch locker und gelöst. Gross schaute sich die Übungseinheit entspannt als stiller Beobachter an und überließ Co-Trainer Jens Keller die Regie auf dem Rasen des Camp Nou. Zumindest so lange, bis die Fotografen weg waren.


Aus Barcelona berichtet Michael Reis

"Fahren nicht aus Spaß nach Spanien"