Mönchengladbach - Es ist sein zweiter Anlauf in der Bundesliga - und diesmal soll es der Durchbruch werden: Raul Bobadilla kehrte nach einer halbjährigen "Auszeit" in Griechenland zurück zu Borussia Mönchengladbach.

bundesliga.de blickt auf die Leistungsdaten des Argentiniers, checkt die "Kompatibilität" mit dem System von Trainer Lucien Favre und bewertet seine Chancen, sich einen Stammplatz zu ergattern.

Erst Rekordstrafe, dann ab nach Saloniki

Während seiner ersten Zeit am Niederrhein hatte "Boba" weniger durch starke Leistung auf sich aufmerksam gemacht, als vielmehr damit, den Geduldsfaden der Verantwortlichen zu strapazieren. Negativer Höhepunkt war eine Rote Karte, die der Argentinier bei der 1:2-Niederlage gegen Hannover im vergangenen Dezember kassiert hatte. "Dieses Verhalten können wir nicht dulden. Raul hat der Mannschaft geschadet und sich völlig falsch verhalten", giftete Sportdirektor Max Eberl nach der Aktion des bulligen Stürmers, der sich zu einem Tritt gegen Sergio Pinto hatte hinreißen lassen.

Neben einer Rekordstrafe bekam Bobadilla noch eine weitere Quittung serviert: Statt mit der Borussia das "Unternehmen Klassenerhalt" anzugehen, wurde er in der Rückrunde nach Griechenland geschickt, um bei Aris Saloniki die Schuhe zu schnüren. Seine Bilanz von zwei Treffern in sieben Spielen klingt zwar recht mager - doch der mittlerweile 24-Jährige betrachtet die Zeit im "Exil" nicht als verschenkt und gibt sich geläutert: "Es waren schöne Monate, die Leute sind nett und haben mich gut empfangen", erzählt er. "Ich bin zwar immer noch der alte 'Boba' - aber ruhiger." Ein Comeback mit gebremstem Schaum - das ist genau das, was sich die Verantwortlichen Rund um den Borussia Park wünschen.

Favre: "Raul hat viel Qualität"

Ruhiger dürfte sich jedoch nur auf sein Verhalten außerhalb des Platzes beziehen - denn auf dem Feld beackert der bullige Angreifer nach wie vor jeden Grashalm. Auf den ersten Blick passt sein teilweise unorthodoxes Spiel, das auf lange Sprints basiert, nicht zum ausgeklügelten System des Borussen-Coach Lucien Favre. Der Schweizer lässt den Ball am liebsten im One-Touch-Fußball durch die Offensive kreisen, während "Boba" den Ball gerne im Alleingang nach vorne treibt.

Dennoch ist Favre ein großer Befürworter des "Gaucho"-Stürmers - und ist von dessen "Kompatibilität" mit seinem System überzeugt: "Raul hat viel Qualität. Er braucht manchmal noch Anweisungen auf dem Platz, er weiß, dass er sich in das Kollektiv eingliedern muss auf dem Feld. Er wird das machen", so Favre.

Dass Bobadilla dies bereits in den ersten Testspielen verinnerlicht hätte, war nur bedingt zu sehen. Nach altbekannter "Boba"-Art schnappt er sich noch immer den Ball - und gibt ihn erst einmal nicht mehr her. Dass dies jedoch ebenso zum Erfolg führen kann, bewies er eindrucksvoll: Gegen Greuther Fürth gelang ihm eine Vorlage, in Heidenheim traf er selbst. "Ich habe mich in der Sommerpause selbst fit gehalten und fühle mich sehr gut", sagte der Stürmer auf Borussias Homepage. "Von mir aus kann es gerne so weitergehen."

Schussgenauigkeit ausbaufähig

Während seiner ersten Zeit im Borussia Park hatte Bobadilla noch keine großen Duftmarken hinterlassen. In 44 Einsätzen, 33 davon in der Startaufstellung, erzielte er sieben Tore und gab zehn Torvorlagen. Dabei ist offensichtlich, dass es beim wuchtigen Stürmer an der Schussgenauigkeit haperte: Über 16 Torschüsse benötigte er im Durchschnitt für einen Treffer - für einen Top-Stürmer eindeutig zu viel.

Abgehakt - Bobadilla ist davon überzeugt, jetzt durchstarten zu können und setzt sich gegenüber bundesliga.de ein großes Ziel: "Ich hoffe, dass ich am ersten Spieltag gegen Bayern München zur ersten Elf gehöre." Dass die Borussia überhaupt gegen den Rekordmeister antreten kann und am Ende der vergangenen Saison nicht in die 2. Bundesliga absteigen musste, grenzt für Bobadilla an ein Wunder. "Ich habe es in Argentinien im TV gesehen und war beeindruckt, wie sie das gemacht haben."

Nach der sensationellen Rettung am Ende der vergangenen Spielzeit darf "Boba" nun also seine Erstligatauglichkeit unter Beweis stellen. Und wie es scheint, wird er dazu auch die Gelegenheit haben.

Johannes Fischer