Der 1. FC Nürnberg auf Wolke sieben, Energie Cottbus am Boden zerstört: Während der "Club" nach dem überraschend deutlichen 3:0 (1:0) im Relegations-Hinspiel bei den klassenhöheren Lausitzern den verfrühten Aufstiegsjubel nur mit viel Mühe zurückhalten konnte, versetzte Energie den ganzen Fußball-Osten mit einer blutleeren Vorstellung in Trauerstimmung.

Der Abstieg des letzten in der Bundesliga verbliebenen Ostklubs und die Rückkehr des fränkischen Traditionsklubs in den erlauchten Kreis der deutschen Fußball-Elite scheint im Rückspiel am Sonntag (ab 15 Uhr im Live-Ticker) nur noch Formsache. "Die Butter lassen wir uns nicht mehr vom Brot nehmen", meinte "Club"-Präsident Michael A. Roth.

FCN-Sportdirektor tritt die Euphorie-Bremse

Sollte im easyCredit-Stadion der insgesamt siebte Aufstieg des Dritten der 2. Bundesliga perfekt gemacht werden, dürften in Nürnberg alle Dämme brechen. Nach dem Hinspielsieg trat die sportliche Führung noch mühsam die Euphorie-Bremse und hob angesichts der turbulenten Vereinsgeschichte mahnend den Zeigefinger.

"Der Verein hat in den letzten Jahren viel durchgemacht. Wir müssen höllisch aufpassen, dass wir das nicht mehr aus den Händen geben", sagte Sportdirektor Martin Bader, der zumindest offiziell noch nichts für die Aufstiegs-Sause vorbereitet haben will: "Wir sind da ein gebranntes Kind. Wir können auch spontan gut feiern."

Präsident spricht von Blamage

"Wir haben uns in ganz Fußball-Deutschland blamiert", sagte Präsident Ulrich Lepsch enttäuscht. Zum zweiten Mal seit dem Zusammenschluss der beiden Ligen wird der Fußball-Osten höchstwahrscheinlich von der Bundesliga-Landkarte verschwinden - 20 Jahre nach dem Mauerfall. Das war bislang nur einmal in der Saison 2005/06 der Fall.

Trainer Bojan Prasnikar ließ seine Zukunft in der Lausitz offen: "Unser Ziel haben wir nicht erreicht. Wir werden uns nach dem Spiel in Nürnberg zusammensetzen und eine Analyse machen. Dann sehen wir weiter."

Energie-Kapitän Rost: "Keiner hatte Normalform"

Wie schon in der gesamten Bundesligasaison konnten die Lausitzer auch im ersten Relegationsduell seit 18 Jahren gegen Nürnberg die fehlende Qualität nicht mit dem Kampfgeist der vergangenen Jahre wettmachen. "Ich glaube nicht, dass jeder die 100 Prozent gegeben hat, die man bringen muss", sagte Linksverteidiger Daniel Ziebig und übte Kollegenkritik.

Nach dem unglücklichen 0:1 durch Isaac Boakye in der 13. Minute ergab sich Energie schnell in sein Schicksal. Die ballsicheren Gäste hatten kaum noch Mühe und machten den Sieg durch Treffer von Christian Eigler (55.) und erneut Boakye (89.) perfekt. "Keiner hatte Normalform, es war eine Blamage. Jetzt noch an ein Wunder von Nürnberg zu glauben, fällt mir schwer", meinte Kapitän Rost.