Stuttgart - Nach dem 3:1 Sieg beim VfB Stuttgart geht der Blick des FC Bayern München in Richtung Lissabon. Ein schweres Spiel, das war Spielern und Verantwortlichen in Stuttgart anzumerken. Der Respekt vor Benfica ist bei den Münchnern groß, aber auch das Selbstvertrauen.

Die Rechnung ist ganz einfach und Bayern-Trainer Pep Guardiola fasste sie auf der Pressekonferenz am Samstagabend in Stuttgart noch einmal in klare Worte: "Wir brauchen noch drei Siege und ein Unentschieden, dann schaffen wir etwas, das bisher noch keine deutsche Mannschaft geschafft hat." Nämlich den Gewinn der vierten Deutschen Meisterschaft in Folge, etwas Historisches also. Es ist die Münchner Sprachregelung seit Beginn der Saison, dass dieser vierte Meistertitel das ganz große Ziel sei. Und nicht etwa der Triumph in der Champions League, wo die Bayern auf dem Weg dahin am Mittwoch in Lissabon bestehen müssen.

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"Wir müssen einen Treffer erzielen"

Sprachregelung gut und schön. Wer aber nach dem letztlich souveränen, aber nicht immer glanzvollen 3:1-Erfolg beim tapferen VfB  mit den Verantwortlichen und Stars der Münchner sprach, der konnte schnell zu einem anderen Eindruck kommen. Der Sieg bei den Schwaben war schnell abgehakt. "Wir müssen in Lissabon einen Treffer erzielen", sagte beispielsweise Torjäger Robert Lewandowski, der seit einigen Wochen unter Ladehemmung leidet. "Ich denke, dass wir Benfica jetzt besser als vor dem Hinspiel kennen. Aber wir müssen natürlich sehr aufpassen."

Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge versuchte noch einmal deutlich zu machen, dass er das 1:0 vom Hinspiel durchaus als gute Ausgangsposition betrachtet. "Wir fahren mit Respekt nach Lissabon, das ist ein schweres Spiel", sagte Rummenigge. Das Ergebnis aber sei nicht schlecht, schließlich habe man bereits vor dem Hinspiel gesagt, dass jeder "Zu Null-Erfolg" eine gute Ausgangsposition sei. "Wir haben ordentliche Voraussetzungen, die nächste Runde zu erreichen."

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82 Prozent Ballbesitz

Dafür, und das wird auch Rummenigge wissen, benötigt es aber eine klare Leistungssteigerung im Vergleich zum Stuttgart-Sieg. Denn bis zum unglücklichen Eigentor von Stuttgarts Georg Niedermeier (zum Interview mit Niedermeier) in der 31. Minute waren die Bayern zwar wie immer dominant, hatten sage und schreibe 82 Prozent Ballbesitz, aber auch so gut wie keine Torgelegenheiten. Wie bereits einige Male zuletzt fehlte es an der entscheidenden Durchsetzungskraft und Zielstrebigkeit, man tat sich auch in Stuttgart schwer.

Hoffnung aber macht in jedem Fall die Leistung von Franck Ribéry. "Franck war der beste Mann auf dem Platz", meine Rummenigge am Samstagabend. Der Franzose befindet sich auf dem besten Weg zu alter Stärke und war in der Mercedes-Benz-Arena von seinem Gegenspieler Florian Klein kaum zu stoppen. Aber auch der Brasilianer Douglas Costa machte nach seiner Einwechslung einen guten Eindruck und erzielte den entscheidenden Treffer. Ribéry und Costa - die beiden Flügelflitzer werden die Bayern vor allem in der Champions League benötigen, zumal das verletzungsbedingte Fehlen von Arjen Robben immer noch schwer zu kompensieren scheint.

"Das nennt man Cleverness"

Auf die Bayern warten nun die entscheidenden Wochen. "Wir haben jetzt dreimal 1:0 gewonnen und heute 3:1 gespielt. Ich glaube, bei guten Mannschaften nennt man das Cleverness", meinte Thomas Müller gewohnt launig. In der Tat aber werden die Bayern diese Cleverness benötigen. Schritt für Schritt, Spiel für Spiel – so könnte am Ende der ganz große Triumph, das Triple, gelingen.

Aus Stuttgart berichtet Jens Fischer