Brühl - Karl-Heinz Riedle wurde in seiner erfolgreichen Karriere drei Mal Deutscher Meister. 1988 mit Werder Bremen und 1995 sowie 1996 mit Borussia Dortmund.

Mit dem BVB gewann er außerdem auch die Champions League. Am Freitag treffen seine beiden Ex-Clubs im Weser-Stadion aufeinander. bundesliga.de bat den 46 Jahre alten Weltmeister von 1990 um seine Einschätzungen zum Topspiel.

bundesliga.de: Herr Riedle, in Bremen kommt es zum Verfolgerduell zwischen dem SV Werder und Titelverteidiger Borussia Dortmund. Worauf können sich die Fans Ihrer Meinung nach freuen?

Karl-Heinz Riedle: Ich erwarte, dass sich die beiden Mannschaften einen heißen Kampf liefern und es ein spannendes Spiel wird. Meine beiden Ex-Vereine sind wieder in der Erfolgsspur. Werder hat sich nach dem schlechten Vorjahr wieder gefangen, und auch der BVB hat in den letzten Spielen wieder einen guten Eindruck hinterlassen.

bundesliga.de: Welches Team schätzen Sie stärker ein?

Riedle: Normalerweise sehe ich Dortmund vor Bremen. Dortmund spielt ja fast mit der gleichen Mannschaft wie in der letzten Saison. Die Borussia hatte ja noch nicht einmal Anlaufschwierigkeiten. Die Mannschaft hat super gespielt, nur nicht die Ergebnisse erzielt.

bundesliga.de: Was spricht für Werder Bremen?

Riedle: Werder hat nicht ganz so gute Einzelspieler wie der BVB und kommt mehr über das Kollektiv. Und die Bremer haben im Sturmzentrum mit Claudio Pizarro einen echten Kracher. Er kann das Spiel entscheiden. Ein Spieler dieses Kalibers fehlt der Borussia derzeit, weil Lucas Barrios nach seiner Verletzung noch nicht so weit ist.

bundesliga.de: Sie sind mit beiden Vereinen Deutscher Meister geworden. Wem drücken Sie mehr die Daumen?

Riedle: Ich bin ein Fan von beiden Vereinen, mit denen ich viele Erfolge feiern und schöne Zeiten erleben konnte. Bei der Borussia hatte ich allerdings meine letzte Station in Deutschland und konnte mehr Titel gewinnen.

bundesliga.de: Glauben Sie, dass Bremen oder Dortmund den Bayern noch einmal gefährlich werden können?

Riedle: Im Moment ist Bayern München auch für mich das Maß aller Dinge. Die starke Form der Bayern überrascht mich nicht wirklich. Es wird sehr schwer, den Münchenern den Titel streitig zu machen. Aber kampflos werden sich Bremen und Dortmund sicher nicht ergeben. Ich traue beiden zu, im Titelkampf ein Wörtchen mitzureden und bis zum Schluss auch um die Champions-Leage-Plätze mitzuspielen.

bundesliga.de: Die Fans und die Fachleute schwärmen von Mario Götze. Wie beurteilen Sie das Dortmunder Supertalent?

Riedle: Mario Götze ist für mich ein Ausnahmespieler, wie es ihn vielleicht alle 20 Jahre einmal gibt. Er hat ein Wahnsinnspotenzial. Ich hoffe, dass er auf dem Boden bleibt. Aber nach allem, was ich gehört habe, kommt er aus einem guten Elternhaus und macht einen sehr bodenständigen Eindruck.

bundesliga.de: Welche Teams haben Sie an den ersten acht Spieltagen positiv überrascht?

Riedle: Positiv haben für mich in dieser Saison bislang Borussia Mönchengladbach und Hertha BSC überrascht. Für die Hertha freue ich mich besonders. Ich habe die Mannschaft ein bisschen näher kennengelernt, weil sich die Berliner nun schon zwei Mal in meinem Hotel in Oberstaufen auf die neue Saison vorbereitet hat. Nach dem ersten Mal sind sie aufgestiegen und jetzt spielen sie wieder eine gute Rolle.

bundesliga.de: Und negativ? Wer spielt bislang für Sie keine so gute Rolle?

Riedle: Negativ überrascht bin ich vom Hamburger SV. Ich habe die Hamburger zwar nicht vorne erwartet, hätte aber nicht damit gerechnet, dass sie sich so schwer tun würden. Dagegen mussten der FC Augsburg und der 1. FC Kaiserslautern davon ausgehen, dass sie Probleme bekommen würden. Ich freue mich, dass der FCK in der schweren Zeit zu seinem Trainer steht und den Vertrag mit Marco Kurz, der einen tollen in der Pfalz leistet, verlängert hat.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski