Bremen - Im zweiten Teil des Exklusiv-Interviews erklärt Claudio Pizarro, warum das Nordderby zwischen Werder Bremen und dem Hamburger SV in dieser Saison besonders heikel ist, wer für ihn der Favorit auf die Torjägerkanone ist und ob der 38-Jährige selbst vielleicht noch eine Saison bei Werder Bremen dranhängen wird.

>>> Teil 1: Claudio Pizarro über sein Comeback und die aktuelle Lage bei Werder Bremen

bundesliga.de: Am 12. Spieltag steht das Nordderby gegen den HSV auf dem Programm. Sie haben schon in großen Arena dieser Welt gespielt und viele Titel geholt. Ist das Nordderby gegen den HSV überhaupt noch etwas Besonderes?

Claudio Pizarro: Ja, auf jeden Fall. Als ich 1999 nach Deutschland gekommen bin, wurde mir gleich eingeimpft, dass die beiden Spiele gegen den HSV besonders wichtig sind. Für mich ist es immer noch das wichtigste Spiel der Saison.

bundesliga.de: Für beide Nordclubs läuft es in dieser Saison alles andere als gut. Sowohl der HSV als auch Werder sind tief in den Abstiegskampf verstrickt. Ist das Derby deshalb in diesem Jahr für beide Mannschaft noch brisanter, weil beide Rivalen die Punkte unbedingt brauchen?

Pizarro: Ich glaube schon. Beide Mannschaften sind nicht da, wo sie eigentlich stehen wollten. Es wird schwer, denn wir müssen nach Hamburg reisen. Im Derby ist aber immer alles möglich.

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bundesliga.de: In der vergangenen Saison konnte der HSV seit langer Zeit mal wieder beide Duelle gegen Werder gewinnen. Ist jetzt eine Revanche im Volkspark fällig?

Pizarro: Stimmt, in der letzten Saison haben wir beide Spiele verloren. Die Bundesliga bringt immer wieder neue Geschichten hervor, wir werden sehen, was passiert.

bundesliga.de: Von einem Hoch im Norden kann man aktuell nicht sprechen. Viele Jahre lang spielten Werder, Hamburg, Wolfsburg und sogar Hannover international. Jetzt spielt 96 in der 2. Bundesliga, und auch Werder und der HSV sind in den letzten Jahren im unteren Tabellendrittel zu finden. Der HSV überstand zweimal nur knapp die Relegation, Werder vermied diese in der vergangenen Saison im letzten Heimspiel gegen Frankfurt. Haben Sie eine Erklärung, warum es für die Nordclubs derzeit nicht gut läuft?

Pizarro: Nein, ich kann mir das auch nicht erklären. Ich habe auch schon öfter darüber nachgedacht, warum diese Vereine nicht mehr so stark spielen, wie vor Jahren, aber ich weiß es wirklich nicht.

Video: Pizarro im Ohne-Worte-Interview

bundesliga.de: Als bester ausländischer Torschütze aller Zeiten sind Ihre Torjäger-Qualitäten unbestritten. In der aktuellen Bundesliga-Torjägerliste führen Pierre-Emerick Aubameyang und Anthony Modeste. Wer wird am Ende das Rennen um die Torjägerkanone machen?

Pizarro: Ich glaube, dass es trotzdem ein Zweikampf zwischen Aubameyang und meinem ehemaligen Teamkollegen Robert Lewandowski wird. Beide haben gegenüber den anderen Kandidaten den Vorteil, dass sie mit ihren Clubs offensiven Fußball spielen und viele Tore schießen.

bundesliga.de: Neben Aubameyang steht etwas überraschend auch der Kölner Modeste mit zwölf Treffern ganz vorne. Wie beurteilen Sie die Leistung des Franzosen?

Pizarro: Modeste spielt eine super Saison und der 1. FC Köln hat sich sehr gut entwickelt. Sie zeigen, dass sie derzeit sehr stark sind.

bundesliga.de: Sie sind ja gerade erst wieder fit geworden, trauen Sie sich noch zu, in den Kampf einzugreifen?

Pizarro: Das ist natürlich schwer, aber ich werde es versuchen. Momentan liege ich ja etwas zurück. (lacht)

bundesliga.de: Der Aufsteiger RB Leipzig steht derzeit vor dem FC Bayern an der Tabellenspitze. Glauben Sie dennoch, dass es um die Meisterschaft eher einen Zweikampf zwischen dem Rekordmeister und Borussia Dortmund geben wird?

Pizarro: Das ist schwer zu sagen. Im Moment gibt es viel Konkurrenz für die Bayern, aber sie sind immer Favorit. Ich glaube, der BVB hat eine starke Mannschaft. Die sind zwar noch nicht so richtig eingespielt, haben aber einige tolle Spieler. Die beiden Teams haben im Meisterschaftskampf einfach auch viel mehr Erfahrung als die anderen Kontrahenten wie Hoffenheim oder Leipzig, das ist auch ganz wichtig. Aber es kann passieren, dass auch mal ein Außenseiter Deutscher Meister wird.

bundesliga.de: Kommen wir einmal auf Ihre persönliche Zukunft zu sprechen. Wie geht es für Sie nach der Saison weiter?

Pizarro: Das weiß ich noch nicht, ich kann auch noch nicht daran denken. Ich muss erst einmal wieder fit werden, das ist das Wichtigste. Ich will der Mannschaft helfen und wenn das klappt, dann werde ich schauen, ob ich noch ein Jahr weitermache.

bundesliga.de: Mit 38 Jahren muss man als Fußballer auch langsam an die Zeit nach seiner Karriere denken. Was haben Sie für Pläne? Bleiben Sie in Deutschland oder geht es zurück in Ihre Heimat Peru?

Pizarro: Nein, wir werden nicht zurück nach Peru gehen, das haben wir bereits beschlossen. Wir tendieren, nach der Karriere zurück nach München zu gehen, aber ganz sicher ist das noch nicht.

bundesliga.de: Cristiano Ronaldo hat bei seiner Vertragsverlängerung bei Real Madrid verkündet, dass er noch zehn Jahre weiterspielen möchte, er wäre dann 41. Dann haben Sie ja noch drei gute Jahre als Fußballer...

Pizarro: (lacht) Ja, vielleicht. Ich habe immer gesagt, dass ich so lange spielen möchte, so lange ich fit bin. Zé Roberto, ein ehemaliger Mitspieler von mir spielt in Brasilien auch immer noch. Wie alt ist der nochmal?

bundesliga.de: Der ist 42 - dann warten wir mal ab... In nicht mehr ganz so weiter Ferne wartet schon Weihnachten. Wo verbringt Familie Pizarro die Feiertage? Mit Geschenken unter dem Tannenbaum oder in der Sonne?

Pizarro: Wir haben schon beides gemacht. Dieses Mal geht es aber in die Sonne.

bundesliga.de: Und wie verbringen Sie ansonsten Ihre Freizeit?

Pizarro: Ich genieße dann die Zeit mit meiner Familie. Und ich liebe meine Pferde und schaue auch viele Rennen im Fernsehen. Außerdem gehe ich sehr gerne ins Kino.

bundesliga.de: Welchen Film haben Sie zuletzt geschaut?

Pizarro: Dr. Strange habe ich zuletzt gesehen. Der war ganz okay.

Das Gespräch führte Alexander Barklage

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