Bremen - Ein altes Eisen, das immer noch heiß ist: Claudio Pizarro. Der 38-Jährige war in der vergangenen Saison Werder Bremens Lebensversicherung und schoss seinen Verein mit 14 Treffern zum Klassenerhalt. Seine Rückkehr wird bei den Norddeutschen sehnsüchtig erwartet. Am 10. Spieltag durfte Pizarro schon wieder 20 Minuten ran. Im Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt steht der beste ausländische Torschütze der Bundesliga-Geschichte endlich wieder als echte Alternative bereit. Im ersten Teil des Exklusiv-Interviews mit bundesliga.de spricht der Peruaner über seine Rückkehr ins Team und die aktuelle Situation in Bremen.

>>> Teil 2: Claudio Pizarro über das Nordderby und seine Zukunft

Video: Werders Hoffnungsträger

bundesliga.de: In Deutschland ist wieder einmal der Winter eingekehrt. Auch in Bremen liegt schon Mitte November Schnee und es sind Minusgrade. Macht es Ihnen als 38-Jähriger immer noch Spaß bei Wind und Wetter zu trainieren?

Claudio Pizarro: Ja, ich habe immer noch sehr viel Lust, auch wenn das Wetter im Moment nicht dabei hilft. (lacht) Es ist aber ja immer das Gleiche in Deutschland in dieser Jahreszeit. Ich freue mich immer, wenn ich Fußball spielen darf.

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bundesliga.de: Auf Schalke haben Sie zuletzt nach langer Verletzung Ihr Comeback für Werder gegeben und schon 20 Minuten gespielt. Es war der erste Einsatz in dieser Saison. Wann können die Fans, die Ihre Rückkehr so herbeisehnen, wieder mit einem 100 Prozent fitten Claudio Pizarro rechnen?

Pizarro: Ich habe mich gegen Schalke nach meiner Einwechslung gut gefühlt, besser als ich dachte. Natürlich fehlt mir noch die Fitness, aber für's Erste war das sehr gut. Ich habe eine lange Pause gehabt mit vielen hartnäckigen Verletzungen und muss meinen Körper jetzt wieder auf Betriebstemperatur bringen, aber es läuft alles richtig gut, das freut mich sehr.

Video: Super-Tore von "Pizza"

bundesliga.de: Die Länderspielpause kam Ihnen also sehr gelegen?

Pizarro: Ja, ich konnte die Zeit und die Bundesliga-Pause weiter nutzen, um meine Fitness zu erhöhen. Jede Trainingseinheit mit der Mannschaft hilft mir dabei, weiter voran zu kommen.

bundesliga.de: Sie sind wieder fit, Max Kruse trainiert wieder und auch Philipp Bargfrede steht nach Verletzungspause wieder auf dem Platz. Bei Werder Bremen lichtet sich so langsam das Lazarett. Wie schätzen Sie dann die Leistungsfähigkeit der Mannschaft ein? Momentan steht Werder mit gerade einmal sieben Punkten auf Rang 16.

Pizarro: Wir hatten vor der Saison schon die Erwartung, dass wir mit unserem Kader etwas Großes erreichen können. Wir haben zwar viele gute Spieler verloren, aber auch einige sehr gute Neuzugänge verpflichtet. Dann haben sich, wie es im Fußball leider oft der Fall ist, wichtige Spieler verletzt und wir konnten unser Potenzial viel zu selten ausschöpfen. Ich glaube, wenn wir alle Mann fit an Bord haben, werden wir nichts mit dem Abstieg zu tun haben.

bundesliga.de: Sie haben in Ihrer Karriere schon unter vielen großen Trainern wie Ottmar Hitzfeld, Jupp Heynckes oder auch Jose Mourinho trainiert. Was zeichnet Ihren aktuellen Coach, den jungen Alexander Nouri aus?

Pizarro: Ich habe jetzt eine Woche intensiv mit ihm trainiert und habe ihn richtig kennengelernt. Ich mag seinen Stil. Er war ja einige Zeit in Spanien, hat dort hospitiert und sich von dem Fußball dort inspirieren lassen. Er lässt uns fast alle Übungen mit dem Ball machen, das gefällt mir sehr. Ich habe mit dem Ball immer viel Spaß. (lacht) Auch als ich verletzt war und individuell trainiert habe, berichteten die Jungs mir durchweg nur Gutes über den Trainer. Er ist ein sehr positiver Mensch. Ich bin sehr gespannt und freue mich, mit ihm zu arbeiten.

bundesliga.de: Werder ist für Sie eine Herzensangelegenheit, zum dritten Mal sind Sie jetzt in Bremen. Was macht diesen Verein für Sie so besonders?

Pizarro: Werder war 1999 mein erster Verein in Europa und das ist natürlich etwas ganz Spezielles für mich. Der Verein hat mich damals super aufgenommen und ich habe mich sofort wohlgefühlt hier. Werder wird immer etwas ganz Besonderes für mich bleiben, auch nach meiner Karriere.

bundesliga.de: Mit Serge Gnabry hat Werder Bremen wieder einen deutschen Nationalspieler im Kader. In Rio hat er mit der deutschen U21-Nationalmannschaft noch die olympische Silbermedaille gewonnen. Welche Zukunft sehen Sie für Ihren jungen, hochtalentierten Teamkollegen?

Pizarro: Man hat sofort beim ersten Training gesehen, was er für eine Qualität hat. Er ist sehr schnell, was für unser Spiel sehr wichtig ist. Er entwickelt sich gut und hat für uns schon ein paar Tore geschossen. Es freut mich, dass es so gut für ihn bei uns läuft und die Einladung zur Nationalmannschaft ist die Bestätigung für seine guten Leistungen in den letzten Monaten. Er ist ein Guter.

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bundesliga.de: Sie sind jetzt endlich wieder fit. Was haben Sie für ein kurzfristiges Ziel in dieser Saison? Haben Sie sich eine Marke gesetzt, wie viele Tore Sie noch schießen wollen?

Pizarro: Nein, das habe ich nicht. Ich kann momentan noch nicht so weit denken. Ich möchte so schnell wie möglich vollends fit werden und wieder für die Mannschaft wichtig sein und ihr helfen. Am besten mit Toren.

bundesliga.de: In der ewigen Torjägerliste liegen Sie mittlerweile auf Platz 5 mit 190 Toren. Glauben Sie, Sie können noch den ehemaligen Bremer Manfred Burgsmüller von Rang vier verdrängen? Er hat insgesamt 213 Treffer erzielt.

Pizarro: Puh, das sind 23 Tore, das wird schwierig.

bundesliga.de: Wenn Sie Burgsmüller überholen wollen, dann müssen Sie vielleicht noch eine Saison dränhängen...?

Pizarro: Vielleicht schaffe ich es ja, ihn noch in dieser Saison zu überholen...

Das Gespräch führte Alexander Barklage

>>> Zu Teil 2: Claudio Pizarro über das Nordderby und seine Zukunft