München - Bleibt er doch beim FC Bayern? Claudio Pizarro spricht im bundesliga.de-Interview über seine Karriere in Deutschland und blickt in die Zukunft.

bundesliga.de: Claudio Pizarro, sind Sie heute zum vorletzten Mal an der Säbener Straße?

Claudio Pizarro: Warum? (lacht)

bundesliga.de: Ihr Vertrag läuft am 30. Juni aus, noch haben Sie mit Bayern keine Einigung über eine Verlängerung erzielt.

Pizarro: Das ist richtig, aber die Situation ist wie in den letzten beiden Jahren: Da habe ich meinen Vertrag jeweils erst nach dem Saisonende verlängert. Natürlich ist es möglich, dass ich den Verein verlasse. Aber bisher steht noch gar nichts fest.

bundesliga.de: Besteht eine realistische Chance, dass Sie bleiben?

Pizarro: Der Verein hat sich noch nicht entschieden, wir haben noch nicht gesprochen. Ich habe immer gesagt, dass ich mich hier sehr wohl fühle, auch wenn das letzte Jahr nicht einfach für mich war, weil ich wenig gespielt habe. Nur wenn keine Einigung mit Bayern zustande kommt, werde ich mich mit anderen Angeboten beschäftigen.

"Wechsel in der Bundesliga wäre schwierig"

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bundesliga.de: Einer peruanischen Zeitung sollen Sie gesagt haben, dass für Sie ein Wechsel innerhalb der Bundesliga schwer vorstellbar wäre...

Pizarro: Ich habe seit zwei Monaten mit keiner peruanischen Zeitung gesprochen... (lacht) Aber es stimmt schon, das wäre schwierig. In Deutschland gibt es keinen besseren Verein als Bayern. Natürlich ist Bremen immer eine Möglichkeit, da habe ich ja schon gespielt. Ich habe aber keine Eile und schließe keine Option aus. Zunächst haben wir ein schweres Spiel vor uns am Samstag, dann werden wir feiern, danach geht’s für mich erstmal zur Copa America.

bundesliga.de: Mit einem Treffer gegen Mainz würden Sie auf Rang 7 der ewigen Bundesliga-Torschützenliste vorrücken. Ist das Ihr großes Ziel?

Pizarro: Ja, natürlich - das ist es schon lange. (lacht) Ich habe wie gesagt nicht viele Einsätze gehabt in dieser Saison. Aber wenn ich die Möglichkeit bekomme, will ich natürlich treffen.

bundesliga.de: Hat Pep Guardiola Ihnen einen Einsatz versprochen?

Pizarro: Nein, der Trainer bestimmt seine Aufstellung immer im letzten Moment.

"In Peru gibt es weniger Ordnung und Disziplin"

bundesliga.de: Als Sie 1999 zu Werder Bremen wechselten konnten Sie sicherlich nicht erwarten, 15 Jahre lang in Deutschland zu spielen. Hatten Sie vor Ihrem Wechsel eine Vorstellung von der Bundesliga?

Pizarro: Absolut, ich hatte die Bundesliga schon in Peru intensiv verfolgt. In meiner Jugend wurden der italienische und der deutsche Fußball im Fernsehen gezeigt. Daher kannte ich schon viele Bundesliga-Spieler.

bundesliga.de: Der Umzug damals brachte also keinen Kulturschock mit sich?

Pizarro: Nein - zumindest nicht in Sachen Fußball...

bundesliga.de: Aber abseits des Platzes?

Pizarro: Nichts hat mich geschockt, aber natürlich herrscht hier eine andere Kultur. Hier war alles neu für mich. In Peru gibt es weniger Ordnung und Disziplin. Aber ich habe die Lebensweise gut angenommen. Zu Beginn lag mein Fokus allein auf dem Fußballspielen. Mit der Zeit habe ich mich dann auch außerhalb des Platzes eingelebt.

bundesliga.de: Würden Sie sich wieder für den Wechsel entscheiden?

Pizarro: Ja, ich denke schon. Mit dem Wechsel nach Deutschland habe ich alles richtig gemacht.

"Nur das Toreschießen hat sich nicht verändert"

bundesliga.de: In Ihrer Zeit hier hat sich die Bundesliga enorm entwickelt. Welche Veränderungen haben Sie festgestellt?

Pizarro: Jahr für Jahr sind wichtige Spieler in die Bundesliga gewechselt, die die Qualität verbessert haben. Die Bundesliga-Spieler sind heute fitter als die der anderen Ligen, hier herrscht ein hoher Rhythmus, das Spiel ist schneller.

bundesliga.de: Ist das Toreschießen jetzt schwieriger oder einfacher als zu Beginn Ihrer Bundesliga-Zeit?

Pizarro: Meiner Meinung nach ist das die einzige Sache, die sich nicht verändert hat. (lacht) Ich muss genauso viel reinlegen wie damals, um Tore zu schießen.

bundesliga.de: Mehmet Scholl sagt, Sie seien der beste Fußballer, mit dem er in seiner Karriere gespielt hat. Wer war Ihr bester Mitspieler?

Pizarro: Ich habe mit so vielen guten zusammengespielt, das ist schwierig zu sagen. Aber Mehmet war auch für mich einer der besten. Er hat mich auf dem Platz oft gesucht und angespielt. Ihm habe ich viele Tore zu verdanken. 

bundesliga.de: Gibt es einen Gegenspieler, den Sie besonders gefürchtet haben?

Pizarro: Da waren ein paar, gegen die es heftiger war zu spielen. Es wäre aber verkehrt einen hervorzuheben. Glücklicherweise waren die besten Verteidiger sowieso meistens in meiner Mannschaft. (lacht)

bundesliga.de: Ist das aktuelle Bayern-Team die stärkste Mannschaft, in der Sie gespielt haben?

Pizarro: Das ist schwierig zu sagen. Wir haben einen starken Kader und viele gute Spieler, aber auch 2006 hatten wir eine sehr gute Mannschaft mit Spielern wie Michael Ballack, Ze Roberto, Robert Kovac und Hasan Salihamidzic. Auch damals hätten wir die Champions League gewinnen können.

bundesliga.de: Das Ziel hat Bayern in dieser Saison nicht erreicht. Ist der Champions-League-Sieg im nächsten Jahr drin?

Pizarro: Mit der Qualität der Spieler und des Vereins ist das definitiv möglich. Seit dem Triple vor zwei Jahren haben wir nicht viel verändert, gute Spieler dazubekommen. Leider hatten wir am Ende der Saison nicht unseren besten Rhythmus und wichtige Spieler waren verletzt.

"Bleibe nach der Karriere in München"

bundesliga.de: Wollen Sie nach der Copa America eigentlich weiter für Peru auflaufen?

Pizarro: Das werde ich erst nach dem Turnier entscheiden.

bundesliga.de: Haben Sie sich für die Copa Ziele gesetzt?

Pizarro: Das wird kein einfaches Turnier. Wir müssen uns für die Gruppenphase qualifizieren, dann schauen weiter.

bundesliga.de: Steht eigentlich schon fest, wo Sie nach Ihrer Fußballer-Karriere leben werden?

Pizarro: Ich bleibe mit meiner Familie in München, das haben wir gemeinsam entschieden. Wenn ich noch zu einem anderen Club wechseln sollte, werden wir danach zurückkehren.

Das Gespräch führte Felix Seaman-Höschele

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