Zusammenfassung

  • Claudio Pizarro fühlt sich nach zwei Jokereinsätzen bereit für die Kölner Startelf.

  • Der Peruaner hat sich in Köln bereits gut eingelebt.

  • Bei einem Treffer gegen Ex-Club Werder Bremen am Sonntag würde der 39-Jährige nur innerlich jubeln.

Köln – Es war der Überraschungscoup der letzten Wochen: Der 1. FC Köln verpflichtete den vertragslosen Claudio Pizarro. Der Peruaner kam in den ersten beiden Partien mit seinem neuen Club jeweils als Joker zum Zug. In einer Presserunde spricht der 39-Jährige über die schwierige Situation in Köln, das Wiedersehen mit Werder Bremen und verrät, dass er sich nun fit genug für die Startelf fühlt.

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Frage: Am Donnerstag müssen Sie zusehen, wie ihre Mannschaftskollegen bei BATE Borisov um Punkte in der Europa League kämpfen. Wie schwer ist es für Sie, in dieser Situation nicht dabei zu sein? 

Claudio Pizarro: Das ist für mich natürlich sehr schwer. Ich habe mit Max Vollmar (Teammanager des 1. FC Köln, Anm. d. Red) gesprochen, ob er mich nicht doch noch nachträglich melden kann, aber leider geht das nicht (lacht). Daher muss ich wohl oder übel das Spiel von draußen verfolgen und mich auf das nächste Spiel in der Bundesliga vorbereiten. Ich werde in Köln bleiben und individuell trainieren, um für Sonntag fit zu sein. 

Frage: Dort warten auf Sie eine besondere Partie, der 1. FC Köln trifft auf ihren Ex-Verein Werder Bremen. Ist die Aufregung bereits groß bei Ihnen? 

Pizarro: Es ist schon ein spezielles Spiel für mich. Auf die alten Kollegen zu treffen ist etwas Besonderes. Beide Mannschaften stecken aktuell in einer schwierigen Situation, aber wir haben den Heimvorteil im Rücken. Hoffentlich können wir das nutzen und die Partie am Sonntag für uns entscheiden.

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Frage: Im Sommer ging es für Sie an der Weser nicht mehr weiter. Ist das Extra-Motivation für den Sonntag? 

Pizarro: Nein. Der Verein hat sich entschieden, dass er nicht mehr mit mir zusammenarbeiten möchte – das war’s. Ich werde am Sonntag ganz normal versuchen, das Spiel zu gewinnen und die Tore zu machen. Für mich dreht sich momentan alles um den FC und nicht um Werder. Was wir alle in Köln dringend brauchen, ist ein Sieg – und wir werden alles versuchen, um das bereits am Sonntag möglich zu machen. 

Frage: Mit einem Tor könnten Sie ihren Ex-Klub noch tiefer in die Krise schießen. Was löst das bei Ihnen aus? 

Pizarro: Das wäre natürlich sehr gut für uns (grinst). Es wäre schade für Werder, aber was mich momentan interessiert, ist mit dem FC zu gewinnen. Mein Kopf ist, wie gesagt, nur in Köln. Wir sind auch in einer schwierigen Situation – und wenn ein Team am Sonntag traurig sein muss, dann muss es aktuell leider Werder sein. Mitleid habe ich da nicht. Sollte ich das entscheidende Tor erzielen, würde ich mich sehr freuen. Aber eher innerlich, jubeln werde ich bei einem Treffer gegen Werder nicht!

"Werder ist in meinem Herzen – nur dieses Wochenende nicht." Claudio Pizarro

Frage: Verfolgen Sie das Geschehen bei Werder denn noch intensiv? Haben Sie am Sonntag das Spiel gegen Mönchengladbach gesehen? 

Pizarro: Klar. Ich habe zugeschaut, um die Spielweise des Teams zu sehen und um festzustellen, was ich am Wochenende machen könnte gegen diesen Gegner. Aber ich habe auch noch viele Freunde in Bremen und hoffe, dass der Verein aus dieser Situation herausfindet. Werder ist in meinem Herzen – nur dieses Wochenende nicht. Da werde ich versuchen, Tore zu schießen und zu gewinnen. Das ist momentan das Wichtigste für mich!

Frage: Wie ging es denn der Mannschaft nach dem Stuttgart-Spiel, als der Knockout in der Nachspielzeit erfolgte? 

Pizarro: Es war sehr schwer für die Jungs. Nicht nur in Stuttgart, sondern in den letzten Spielen hat die Mannschaft alles getan, um endlich zu gewinnen. Wenn es nicht läuft, dann bekommst du so Gegentore wie gegen den VfB. Es ist aktuell schwer, dennoch ist die Mannschaft sehr gut aufgetreten. Unter diesen Umständen, in dieser Situation ist es eine sehr schwere Niederlage. Aber wir sind Profis und wissen, dass wir weitermachen müssen, noch härter arbeiten müssen und versuchen müssen, das nächste Spiel zu gewinnen. Es geht nicht anders! 

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Frage: Ist denn in so einer Phase ihre Erfahrung gefragt? 

Pizarro: Ich habe in den zwei Wochen schon geschaut, wie ich mit welchem Spieler umgehen kann. Manche brauchen Zuspruch, mit manchen muss man schimpfen. Ich kann das jetzt deutlich besser einschätzen, wie die Mitspieler Ratschläge annehmen – und werde mich sicherlich dort einbringen. 

Frage: Wie geht es einem Torjäger wie Ihnen, wenn er von der Bank tatenlos zusehen muss, wie in den ersten 30 Minuten in Stuttgart gleich mehrere Torchancen nicht genutzt werden können? Juckt es da im Fuß? 

Pizarro: Es juckt immer (lacht). Ich war leider noch nicht komplett fit bei diesem Spiel, habe die lange Trainingswoche in den Beinen gespürt. Es ist schade, dass meine Mannschaftskollegen die Chancen nicht nutzen konnten. Wenn ich hereinkomme, versuche ich einfach mein Bestes zu geben. Das gilt auch für den Sonntag!

"Wenn es nach mir geht, könnte es am Sonntag von Beginn an losgehen." Claudio Pizarro

Frage: Wie geht es denn den Beinen und dem Körper insgesamt derzeit? 

Pizarro: Viel besser. Ich habe in der Länderspielpause sehr gut trainieren können und praktisch eine kleine Vorbereitung absolviert. Jetzt fühle ich mich fit – wenn es nach mir geht, könnte es am Sonntag von Beginn an losgehen. 

Frage: Ist denn die WM 2018 für Sie ein Ziel? Peru spielt im November in den Playoffs gegen Neuseeland. Haben Sie schon Kontakt zum Nationaltrainer aufgenommen, um dort den großen Traum zu erfüllen? 

Pizarro: Wir haben immer Kontakt (lacht). Aber wir sprechen darüber, wie das Team spielt – nicht über meine Nominierung. Das ist allein die Entscheidung des Trainers. Ich war bis jetzt noch nicht richtig fit, daher war es auch schwierig für ihn, mich zu nominieren. Der Traum von der WM 2018 ist aber definitiv in meinem Hinterkopf. Ich versuche, hier in Köln zu zeigen, was ich kann, um eine Chance zu haben. 

Frage: Haben Sie während der vereinslosen Phase eigentlich ans Karriereende gedacht? 

Pizarro: Nein. Ich hatte verschiedene Angebote, die ich mir angeschaut habe. Eigentlich war geplant, dass ich nur dieses Jahr noch spielen werde. Natürlich ist das Karriereende nicht mehr allzu weit weg. Aber ich werde das nicht konkret formulieren. Vielleicht fühle ich mich im Sommer noch gut und möchte noch ein Jahr weiterspielen (lacht).

Aus Köln berichtet Thomas Reinscheid