Zusammenfassung

  • Im Kölner System könnten die Stärken von Claudio Pizarro voll zum Tragen kommen.

  • Hinter Jhon Cordoba ergeben sich dank seiner Physis viele Räume.

  • Die ersten Spielminuten gegen Leipzig lassen die Kölner hoffen

Köln – In der 54. Minute wurde es beim Spiel gegen RB Leipzig plötzlich sehr laut im Rheinenergie-Stadion in Köln-Müngersdorf. Die Fans des FC empfingen ihren jüngsten Neuzugang Claudio Pizarro frenetisch. Der Peruaner war erst unter der Woche verpflichtet worden. Und die Bundesliga-Legende zeigte gleich mit der ersten Aktion, dass er sofort weiterhelfen kann, legte einen Ball wunderbar ab auf Leonardo Bittencourt, dessen Tor dann jedoch wegen Abseits zurückgepfiffen werden musste. Pizarro strahlte in einer weiteren Chance Torgefahr aus, war aber vor allem auch als Leader seiner Mannschaft auffällig. Am Ende reichte es für den FC zwar wieder nicht für einen Punkt, doch Pizarro verspricht viel Hoffnung für die nächsten Wochen.

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Peter Stöger hat es auf der Pressekonferenz zur Verpflichtung von Claudio Pizarro in einem Satz auf den Punkt gebracht: "Claudio Pizarro ist ein Stürmer mit einem starken Torabschluss und eine Persönlichkeit, die unserer Mannschaft gut tut", erklärte der Österreicher der versammelten Presse. Und gerade die professionelle Lockerheit, für die der Peruaner wie kaum ein anderer Profi der jüngeren Vergangenheit steht, ist dem 1. FC Köln in dieser Saison abhanden gekommen. Dennoch wäre es verkehrt, Pizarro nur auf seine Rolle als Stimmungskanone zu reduzieren. Auch sportlich kann er beim trudelnden FC noch sehr wichtig werden.

Aus neutraler Sicht ist es zunächst einmal schön, das der erfolgreichste ausländische Torjäger der Bundesliga-Geschichte wieder zurück ist. Noch mehr als die Fans in Deutschland freut sich aber der 38-Jährige selbst: "Mein Körper hat mir gesagt‚ du brauchst es, auf den Platz zu gehen und mit dem Ball zu spielen", so Pizarro bei der Verpflichtung. Und tatsächlich wirkte es bei den ersten Aktionen im FC-Training so, als wäre Pizarro durch die Wüste gewandert und hätte nun am Kölner Geißbockheim eine sprudelnde Quelle gefunden. Der Ball und der Torjäger gehören einfach zusammen – auch mit knapp 39 Jahren noch.

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© imago / Uwe Kraft

Kölner System liegt Pizarro

Auffällig dabei, wie gut in Schuss sich Pizarro präsentiert, obwohl sein letztes Bundesliga-Spiel schon über vier Monate zurückliegt. Gut möglich, dass er der FC-Offensive schon relativ kurzfristig neuen Schwung verleihen kann, denn die Rollenverteilung im System des FC spielt seinen Fähigkeiten in die Karten. In der aus seiner Sicht enttäuschenden letzten Spielzeit agierte er für Werder zumeist als vorderste Anspielstation in der Spitze. Mit dem Rücken zum Tor tat sich Pizarro, der natürlich nicht mehr die Spritzigkeit früherer Tage besitzt, häufig schwer und fand nicht mehr zu seinem Spiel. Bei Köln dürfte seine Aufgabe anders aussehen.

Video: Drei Traum-Tore von Pizarro

Mit Jhon Cordoba hat der FC – anders als zuvor Werder Bremen – einen Spieler in seinen Reihen, dessen Stärke das körperintensive Spiel mit enorm vielen Zweikämpfen ist. In seinem Windschatten dürften sich für Pizarro Räume ergeben, die der äußerst spielintelligente Angreifer sicherlich gut zu nutzen weiß. Entweder, um selbst den Abschluss zu suchen, oder seine Nebenleute einzusetzen. Sicherlich wird Pizarro nicht in jedem Spiel beginnen, geschweige denn 90 Minuten über den Rasen pflügen. Aber er war schon immer ein Spieler für die besonderen Momente.

Verbesserter Cordoba dank Pizarro?

Pizarros designierter Sturmpartner Jhon Cordoba könnte der größte Profiteur der Verpflichtung werden. Der Druck auf den Neuzugang hat sich durch die Verpflichtung des namhaften Routiniers deutlich verringert. Das kann dem zuletzt verkrampft wirkenden Angreifer nur gut tun. Physisch bringt der Kolumbianer sowieso alles mit, was einen starken Bundesliga-Stürmer ausmacht. Nur im Abschluss und im Kombinationsspiel agiert er in Köln bislang absolut glücklos. Da kann er sich bei Pizarro eine Menge abschauen. Zudem können sich die beiden auf spanisch unterhalten, was angesichts der limitierten Deutschkenntnisse von Cordoba ebenfalls ein Pluspunkt ist.

Zweistellig treffen wird Pizarro in dieser Saison zwar eher nicht, aber er könnte genau der Baustein sein, der dem Kölner Spiel zuletzt gefehlt hat. Auf dem Feld und als Persönlichkeit in der Kabine. Genauso, wie Peter Stöger es bei der Verpflichtung bereits gesagt hat.

Florian Reinecke