Dortmund - Keine Frage, es war der Abend des Ciro Immobile in Dortmund. Auch wenn sein Kracher-Tor und eine Tor-Vorlage am Ende beim 2:2 gegen den VfL Wolfsburg nur zu einem Punkt für die Borussia reichten, bot der Italiener doch eine bärenstarke Leistung. Die Glückwünsche nach dem Spiel waren ihm fast unangenehm – Immobile lobte lieber die eigenen Fans.

Es kommt eher selten vor, dass Jürgen Klopp einen Spieler besonders hervorhebt und ihn mit einem Extralob adelt. Doch dieses Mal ging es irgendwie gar nicht anders: „Das war ohne Zweifel Ciros bestes Spiel, das er bisher für uns gemacht hat. Er hat sensationell aufgespielt!“ (Stimmen zum Spiel)

Tatsächlich hatte Immobile gegen Wolfsburg eine Gala abgeliefert. Sechs Torschüsse (Analyse), bei denen Gäste-Keeper Benaglio alles aufbieten musste und bei denen er nach 76 Minuten doch machtlos war. Dazu sein erster Assist in der Liga. Und die meisten gewonnnen Zweikämpfe (19) aller Spieler auf dem Platz.

Es war eine Art persönlicher Befreiungsschlag für den italienischen Stürmer, der im Sommer zum BVB gewechselt und bislang irgendwie noch nicht so richtig angekommen war. Jetzt scheint er sich mit Leidenschaft und Schusskraft in die Herzen der schwarz-gelben Fans katapultiert zu haben, für die er nach dem Spiel nur lobende Worte fand.

Frage: Ciro Immobile, nach Ihrem Treffer sind Sie beim Jubeln ja quasi explodiert und auf die Südtribüne zugestürmt. Beschreiben Sie doch bitte mal, was da in Ihnen vorgegangen ist.

Ciro Immobile: Das waren einzig und allein Glücksgefühle für die Mannschaft. Wir sind in Führung gegangen und dann auch noch direkt vor der Südtribüne, wo unsere fantastischen Fans uns trotz der schwierigen Situation immer wieder so hervorragend unterstützen. Das war das, was ich in diesem Moment gefühlt habe und was da bei mir zum Ausdruck gekommen ist.

"Solche Fans habe ich noch nie erlebt"

Frage: Auch in Italien gibt es emotionale Fans. Kann man das vergleichen?

Immobile: Nein, das ist hier in Dortmund etwas ganz Besonderes. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich so etwas in meiner Karriere zuvor noch nicht erlebt habe.

Frage: Ein Tor, eine Vorlage, leidenschaftlich und kampfstark – es war wohl mit Abstand Ihr bestes Bundesligaspiel für den BVB bislang. Wie sehen Sie Ihre Leistung?

Immobile: Ich versuche immer mein Bestes zu geben für die Mannschaft. Es war vorher manchmal auch eine mentale Sache, dass manche Dinge nicht so gut gelungen sind in dieser Situation, in der wir uns befinden. Es ist das Allerwichtigste, dass wir dort unten aus der Tabelle heraus kommen.

Frage: Es gab schon Gerüchte über eine mögliche Rückkehr nach Italien, als es bei Ihnen nicht so gut lief. Aber Sie sind ein Kämpfer und wollen sich beim BVB durchsetzen?

Immobile: Ich habe keine Sekunde an meiner Entscheidung gezweifelt, nach Dortmund gewechselt zu sein und für den BVB zu spielen. Das ist ein großer Verein, das ist eine große Mannschaft. Das Einzige, was auch für mich traurig ist, ist der Tabellenstand zurzeit. Wir müssen einfach weiter daran arbeiten, dort unten wieder heraus zu kommen.

Frage: Kann man sagen, dass Sie mit dieser Leistung gegen Wolfsburg richtig angekommen sind in der Bundesliga und in Dortmund?

Immobile: Es war natürlich teilweise eine schwierige Situation. Aber der Trainer hat das gut gelöst und mich im richtigen Moment gebracht. Und dann muss ich einfach bereit sein und meine Leistung bringen. Natürlich bin ich jetzt erleichtert und zufrieden. Aber meine eigene Situation ist nicht so bedeutend. Wichtig ist nur, dass wir als Mannschaft da wieder herauskommen. Daran müssen wir alle arbeiten.

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte