Köln - Vor einem halben Jahr konnte der VfL Wolfsburg im Pokalfinale Borussia Dortmund schlagen. Nun kommt es in der Bundesliga zur Neuauflage. Im Topspiel am Samstagabend wollen die drittplatzierten Wölfe den Tabellenzweiten aus Dortmund schlagen und den Rückstand von sieben auf vier Punkte verringern.

Im Interview mit bundesliga.de spricht VfL-Außenverteidiger Christian Träsch über das bisherige Abschneiden der Niedersachsen und die Schwere der Aufgabe gegen den BVB.

bundesliga.de: Christian Träsch, die Fans in Deutschland freuen sich auf das Wochenende, an dem die besten vier Teams der Bundesliga unter sich bleiben. Gladbach empfängt die Bayern, Wolfsburg spielt gegen Dortmund. Glauben Sie, dass die Mannschaften nach dem 15. Spieltag enger zusammengerückt sind?

Christian Träsch: Das hoffe ich doch! Wir wollen erst einmal auf uns schauen, denn die Bayern sind derzeit eher uneinholbar. Aber wir wollen gegen Dortmund einen Dreier einfahren. Dann würden wir schon einmal näher an den BVB heranrücken.

bundesliga.de: Bis zur Winterpause muss der VfL noch drei Spiele in der Meisterschaft und eine Partie in der Champions League absolvieren. Wie bewerten Sie das bisherige Abschneiden der Wölfe?

Träsch: Mit gemischten Gefühlen. Wir stehen in der Bundesliga ganz gut da. In der Champions League sind wir momentan sogar Gruppenerster und können aus eigener Kraft weiterkommen. Im Pokal sind wir dagegen leider schon gegen die Bayern ausgeschieden. Zwischendurch war bei uns eine gewisse Unzufriedenheit da, weil wir nicht den Fußball gespielt haben, den wir spielen können. Aber letztendlich können wir mit dem 3. Platz vollauf zufrieden sein.

"Haben die Abgänge gut gemeistert"

bundesliga.de: Es gab nach dem guten Saisonstart eine kleine Delle mit drei, vier weniger guten Spielen und Ergebnissen. Seitdem punktet Wolfsburg wieder konstant. Wie stabil ist die Mannschaft?

Träsch: Man muss erst einmal sehen, dass wir mit Kevin De Bruyne, Ivan Perisic und auch Aaron Hunt wichtige Spieler abgegeben haben. Daher war es fast zu erwarten, dass es nicht so einfach werden würde. Wir haben die Abgänge aber ganz gut gemeistert. Eine gewisse Stabilität ist jetzt da. Die Automatismen funktionieren, darauf können wir aufbauen.

bundesliga.de: Es ist bekanntlich schwerer, einen Erfolg zu bestätigen als ihn einmal zu erreichen. Konnte die Mannschaft den hohen Ansprüchen, die durch die Vizemeisterschaft und den Pokalsieg entstanden sind, gerecht werden?

Träsch: Hoch kommen, ist das eine, oben bleiben das andere. Erfolge zu bestätigen ist immer schwer. Daran arbeiten wir jetzt. Wir wollen langfristig oben dabei bleiben und Champions League spielen. Wir sind auf einem guten Weg, auch wenn es immer etwas zu verbessern gibt.

bundesliga.de: Sie spielen Ihre fünfte Saison in Wolfsburg. Wie zufrieden sind Sie mit Ihrer eigenen Rolle im Team?

Träsch: Für mich war es damals, als ich nach Wolfsburg gekommen bin, nicht ganz so einfach. Sportlich lief es nicht so rund, wie sich das alle im Verein und auch ich mir vorgestellt habe. Wir haben nicht direkt an der Spitze mitgespielt. Aber wie so oft im Leben muss man auch mal einen Schritt zurückgehen, um wieder nach vorne zu kommen. Das war auch bei mir so. Ich fühle mich mit meiner Familie sehr wohl in Wolfsburg. Mir machen jede Trainingseinheit und jedes Spiel Spaß. Das sieht man auch auf dem Platz. Und so soll es auch weiterhin sein.

"Wollen den Abstand zu Dortmund verringern"

© DFL DEUTSCHE FUSSBALL LIGA / Media Days

bundesliga.de: Das nächste Spiel dürfte Ihnen sicherlich besonders viel Spaß machen - die Partie gegen Borussia Dortmund steht an. Geht es in dem Spiel auch darum, wer die Nummer zwei in Deutschland ist?

Träsch: Wir wissen, dass Dortmund über eine außergewöhnliche Qualität verfügt. Sie haben die letzte Saison, in der es nicht so gut lief, abschütteln können. Jetzt sieht man, wie gut sie Fußball spielen. In der Offensive haben sie eine unglaubliche Qualität. Aber wir wollen natürlich zeigen, dass wir nicht von ungefähr da oben stehen und auch Qualitäten haben. Wir müssen uns nicht verstecken.

bundesliga.de: Welchen Stellenwert hat das Duell? Bei einer Niederlage wäre der BVB zehn Punkte weg von Wolfsburg. Ist verlieren am Samstag verboten?

Träsch: Man kann immer mal ein Spiel verlieren. Aber wir wollen den Abstand zu Dortmund verringern. Es ist sicher ein enorm wichtiges Spiel.

bundesliga.de: Sind Sie überrascht, wie stark die Borussia in dieser Saison zurückgekommen ist?

Träsch: Nein. Mich hat es eher überrascht, dass sie letztes Jahr in der Hinrunde so einen Durchhänger hatten. Wir haben dann aber auch die Rückrunde des BVB gesehen und sie im Pokalfinale erlebt. Das war ein Spiel auf Augenhöhe. Wie gesagt: Wir wissen, welche Qualität im Dortmunder Kader steckt.

"Wollen unsere Heimserie weiter ausbauen"

bundesliga.de: Die Qualität in der Offensive haben Sie bereits angesprochen. Als Abwerspieler sind Sie gefragt, Pierre-Emerick Aubameyang, Marco Reus oder Henrikh Mkhitaryan zu stoppen. Wie wollen Sie das bewerkstelligen?

Träsch: Das wird sicher nicht einfach. Der BVB hat eine Offensive, die zu den besten Europas gehört. Wir müssen versuchen, die Räume auf dem ganzen Platz eng zu halten und Dortmund nicht ins Spiel kommen zu lassen. Dann müssen wir auf unsere Stärken bauen und unsere Spitzen mit unserem guten Umschaltspiel in Szene setzen. Man kann Dortmund verteidigen, das wurde in der Bundesliga schon bewiesen.

bundesliga.de: Wolfsburg kann auch auf seine Heimstärke bauen. Seit bald zwei Jahren hat die Mannschaft kein Heimspiel mehr verloren. Basiert der Erfolg vor allem auf dieser Heimstärke?

Träsch: Die Heim- und Auswärtstabelle sprechen bei uns leider klare Bände. Das gilt es, in den nächsten Wochen zu verbessern. Wir hoffen natürlich, dass wir unsere Heimserie weiter ausbauen können. Mit unseren Fans im Rücken läuft es zuhause einfacher für uns. Das wollen wir auch am Samstag wieder zeigen.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski

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