Zusammenfassung

  • Der HSV setzt bei der Mission Wiederaufstieg voll auf Trainer Christian Titz

  • Lob von allen Seiten für den 47-Jährigen und seinen Ballbesitz-Fußball

  • Auch Arp, Ito und Vagnoman sollen Schlüsselpositionen einnehmen

Hamburg - Nach dem ersten Abstieg der Vereinsgeschichte muss sich der Hamburger SV erst einmal sammeln und seine Wunden lecken. Doch eines ist beim HSV ganz klar, der Abschied aus der Bundesliga soll keiner für lange Zeit sein.

Auf den Monitoren in der Mixed Zone des Hamburger Volksparkstadions stand es schon kurz nach dem besiegelten Abschied geschrieben: "Danke für Eure Unterstützung. Wir kommen wieder." Nun hat es also auch ruhmreichen Hamburger Sportverein erwischt - nach fast 55 Jahren. Am Samstagnachmittag verabschiedete sich das Team von Trainer Christian Titz zumindest mit einem völlig verdienten Heimsieg gegen Mönchengladbach aus der Bundesliga.

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"Mit Titz werden wir sofort wieder aufsteigen"

Vor allem unter Christian Titz, der das Traineramt vom glücklosen Bernd Hollerbach übernahm, blühte die Mannschaft noch einmal so richtig auf. Leider etwas zu spät. In den acht Spielen unter Titz holten die Hanseaten starke 13 Punkte und gewannen die letzten drei Heimspiele gegen Freiburg, Schalke und Mönchengladbach. Schon vor der Partie gab der Verein am Donnerstag bekannt ligaunabhängig mit Titz in die neue Saison gehen zu wollen. Ein großer Vertrauensbeweis für den 47-Jährigen, der seine Chance genutzt hat und nun beim HSV weiterarbeiten darf.

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Besonders die neue offensive Spielweise im Abstiegskampf, die Titz seinem Team verordnetem kam überaus positiv an. Nach dem eher defensiv ausgerichteten Fußball unter Bernd Hollerbach überraschte Titz mit Ballbesitz-Fußball. Das honorierten nicht nur die Fans, sondern auch die Verantwortlichen im Verein. Auch seine Spieler lobten den Coach nach dem Abstieg am Samstag über den grünen Klee, selbst Hitzkopf Kyriakos Papadopoulos, der zunächst etwas Probleme mit Titz hatte: "Der Trainer-Wechsel kam zu spät. Man hat ja gesehen, was wir davor für einen Fußball gespielt haben. Mit Titz werden wir direkt aufsteigen. Riesen-Kompliment an ihn, auch wenn ich Anfangs ein Problem mit ihm hatte. Er hat eine klare Spielidee."

Die Zukunft heißt Ito, Arp und Vagnoman

Titz hauchte seinen Spielern in den vergangenen Wochen wieder Selbstbewusstsein ein und verpasste dem HSV ein positives Gesicht. Die Auftritte des flinken Japaners Tatsuya Ito oder die "Wiedergeburt" des fast schon vergessenen Matti Steinmann als Staubsauger vor der Abwehr gingen auf das Konto von Titz. Und auch dem bereits ausrangierten Lewis Holtby impfte er wieder Selbstvertrauen ein. Holtby zahlte das Vertrauen mit fünf Treffern unter Titz zurück.

Für den Neubeginn in der 2. Bundesliga stehen wahrscheinlich auch die talentiertenGideon Jung und Fiete Arp zur Verfügung. Außerdem hat der HSV mit den jungen Stephan Ambrosius (19) und Josha Vagnoman (17) verlängert. "Ich empfinde Stolz für diese Jungs, wie sie sich in den vergangenen acht Wochen mit dem Trainerstab eingebracht haben, um dieses Wunder noch möglich zu machen," lobte Titz seine Mannschaft.

Kapitän Gotoku Sakai verkündete nach dem Spiel, seinen auslaufenden Vertrag verlängern zu wollen © DFL DEUTSCHE FUSSBALL LIGA

Titz: "Es ist etwas mit den Fans entstanden"

Titz glaubt, dass er die zuletzt entstandene gute Stimmung rund um den Verein nutzen kann und setzt dabei auf die Unterstützung des eigenen Anhangs auch für Liga zwei. "Es ist etwas mit den Fans entstanden." Den Support der Fans wird die Mannschaft in der kommenden Saison auch gut gebrauchen können, wenn die Reiseziele nicht mehr München, Dortmund oder Stuttgart heißen, sondern Sandhausen, Magdeburg und Paderborn."

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HSV-Vorstand Frank Wettstein glaubt an Titz: "Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass er aus dieser sehr guten Grundlage noch mehr machen kann. Wir haben Freude, Fußball zu spielen. Jetzt geht alles auf Null." Auch Papadopoulos unterstrich noch einmal, dass Titz der Hamburger Hoffnungsträger für den nun nicht mehr Bundesliga-Dino ist: "Christian Titz muss beim HSV bleiben, seine Arbeit ist überragend. Er ist der Hauptgrund, weshalb wir die letzten acht Spiele so gespielt haben." Aufmunternde Worte gab es auch noch vom ehemaligen HSV-Star Rafael van der Vaart auf Twitter: "Ein trauriger Tag für alle die hinter diesem Verein stehen, aber ich bin mir sicher, der HSV ist schon bald wieder da, wo er hingehört."

Aus Hamburg berichtet Alexander Barklage