Gelsenkirchen - Auch bei Christian Strohdiek saß der Frust über die unglückliche 0:1-Niederlage des SC Paderborn auf Schalke tief. Doch in die Enttäuschung mischte sich bei ihm auch jede Menge Trotz. Der Verteidiger hat die Hoffnung auf den Klassenerhalt noch nicht aufgegeben – und beschwört dazu im Interview auch die Hilfe des Fußballgottes.

Frage: Christian Strohdiek, Paderborn hat eine starke Leistung gezeigt, Moral und Mut bewiesen – aber das Tor einfach nicht getroffen.

Christian Strohdiek: Wir haben ein gutes Spiel gemacht, waren ein unangenehmer Gegner, waren die bessere Mannschaft, hatten die klareren Torchancen. Und dann geht der Ball einfach nicht rein. Auf der anderen Seite ist er dann plötzlich unglücklich drin und wir stehen mit leeren Händen da. Das ist natürlich enttäuschend, gar keine Frage.

"Letztes Jahr war der Fußballgott auf unserer Seite"

Frage: Paderborn ist auf den letzten Tabellenplatz abgerutscht. Wie groß ist jetzt noch die Hoffnung auf den Klassenerhalt?

Strohdiek: Trotz allem gilt es jetzt, sich noch einmal sieben Tage voll zu fokussieren und dann zu Hause gegen Stuttgart alles raus zu hauen. Letztes Jahr war der Fußballgott auch auf unserer Seite. Warum sollte das dieses Mal nicht auch so sein?

Frage: Sie brauchen tatsächlich fremde Unterstützung, denn jetzt hat es Paderborn nicht mehr in der eigenen Hand.

Strohdiek: Wir hatten es selbst in der Hand, mit zwei Siegen. Einen haben wir jetzt vertan. Aber wir geben auf keinen Fall auf! Es ist noch ein Spiel, es sind noch 90 Minuten – und da kann im Fußball viel passieren. Wir müssen unser Heimspiel gewinnen, und dann schauen wir mal. Wenn wir Glück haben, können wir uns dann über die Relegation noch zwei Mal beweisen und hoffentlich doch den Klassenerhalt feiern.

Frage: Haben Sie gedacht, dass Sie dieses Spiel auf Schalke noch verlieren können?

Strohdiek: Wir wussten immer um die Gefahr, dass Schalke einen Konter setzen kann. Aber dass du es dann so verlierst mit einem verlängerten Kopfball per Eigentor, das ist schon extrem bitter. Aber wir hatten es vorher selbst in der Hand, die Tore zu schießen. Wir haben es nicht gemacht. Diesen Vorwurf müssen wir uns jetzt gefallen lassen.

"Wir haben sieben Tage, um uns aufzurichten"

Frage: Wie tief sitzt der Frust? Wie ist die Stimmung in der Kabine gewesen?

Strohdiek: Wenn man so ein starkes Spiel macht und sich dann nicht belohnt, ist das natürlich total enttäuschend. Jeder, der schon mal Fußball gespielt hat, kann sich das vorstellen. Aber auch wenn die Enttäuschung jetzt da ist – wir haben sieben Tage Zeit, um uns aufzurichten, wieder eine positive Stimmung hinein zu bringen und dann gegen Stuttgart drei Punkte zu holen.

Frage: Ist trotzdem auch so etwas wie Verzweiflung zu spüren?

Strohdiek: Es nutzt ja nichts, wir müssen weitermachen. Und wenn der eine oder andere im Umfeld jetzt verzweifelt, dann müssen wir eben umso mehr beweisen, dass wir es nicht sind. Wir müssen jetzt gegen Stuttgart die drei Punkte holen und auf einen Ausrutscher des Hamburger SV hoffen, um dann über die Relegation unser Ding zu machen.

Frage: Der HSV spielt zuhause gegen Schalke. Trauen Sie den Schalkern eine starke Leistung zu?

Strohdiek: Ich will es hoffen. Ich will es wirklich hoffen.

Aus Gelsenkirchen berichtet Dietmar Nolte