Freiburg - Nach dem mageren 0:0 gegen den HSV zieht Jubilar Christian Streich eine Bilanz seiner Amtszeit und blickt gedämpft optimistisch in die Zukunft.

Gerade eben hatte sich Joe Zinnbauer mit einer herzlichen Umarmung von seinem Freiburger Kollegen verabschiedet, da musste der eine Frage beantworten, mit der er offenbar nicht gerechnet hatte. Was ihm bei seinem 100. Bundesligaspiel als Cheftrainer des SC Freiburg durch den Kopf gegangen sei, wollte ein Journalist von Christian Streich wissen. Und der schaute überrascht drein: "Jetzt ist Samstag Abend, am Dienstag spielen wir bei den Bayern, daran habe ich wirklich nicht gedacht."

"Werden bis zum Ende kämpfen“

Streich hat dann allerdings doch noch mal nachgedacht, wie er die Zeit seit seinem Amtsantritt am 29. Dezember 2011 bewerten soll. Damals übernahm er den SC als Tabellenletzter. Seither schaffte der SC drei Mal den Klassenerhalt, in der Saison 2013/14 gelang sogar der Sprung in die Europa League. "Es ist nicht alles schief gegangen", fand Streich, der auch nicht vergaß zu erwähnen, dass er seither immer wieder den Abgang wichtiger Leistungsträger zu beklagen hatte: "Die anderen haben halt mehr Geld und haben Spieler gekauft", bilanzierte er. "Dafür konnten wir etwas zurücklegen, um ein neues Stadion zu bauen." In der Tat würde der SC bei einem Stadionneubau ein Eigenkapital im zweistelligen Millionenbereich einbringen, sofern die Volksbefragung im Februar 2015 die Signale entsprechend stellt.

Mit dem Stadion hätte der SC wesentlich bessere Vermarktungsmöglichkeiten – eine Entwicklung, die Streich vollauf mitträgt, selbst wenn sie bedeutet, dass zuweilen weniger Geld für Transfers zur Verfügung steht. Den Klassenerhalt wollen sie beim SC allerdings dennoch schaffen. Und sind guter Dinge, dass das gelingt: "Wir sind nicht abgeschlagen", sagte Streich. "Ob wir aber am Ende drei Mannschaften hinter uns lassen können, steht in den Sternen. Wir werden aber bis zum Ende kämpfen."

Der SC hat eine Ergebniskrise

Das 0:0 gegen den HSV half da allerdings nur bedingt weiter. Zumal der  SC Freiburg damit schon das achte Remis in dieser Halbserie quittieren musste. Auch diesmal wollte der Ball einfach nicht ins Tor. Nicht einmal, als Schiedsrichter Wolfgang Stark nach einem Foul von Ronny Marcos an Felix Klaus auf Elfmeter entschied: Vladimir Darida, der bislang alle vier Saison-Elfmeter verwandelt hatte, scheiterte an Jaroslav Drobny im Hamburger Tor.

Seine beste Phase hatte der SC dann unmittelbar nach der Pause, als Jonathan Schmid gleich zwei gute Gelegenheiten hatte, sein Team in Führung zu bringen (50./51.), das war`s dann allerdings auch. "Was wir jetzt brauchen", ächzte Mittelfeldmann Felix Klaus, "ist ein dreckiges Tor notfalls nach einer Standardsituation." Dass im Angriff Handlungsbedarf besteht, wissen allerdings auch die Verantwortlichen, die derzeit nach möglichen Wintertransfers fahnden.

“Zwei von 15 Spielen schlecht gespielt"

Allerdings war der SC auch gegen den HSV einmal mehr das bessere Team. Kein Wunder, dass Jubilar Streich da Wert auf die Feststellung legte, dass man in weiten Teilen eine Ergebniskrise habe, die Leistungen aber unterm Strich zufriedenstellend seien: "Wir haben zwei Spiele von 15 schlecht gespielt – in Augsburg und Paderborn. Der Rest war ordentlich bis gut." Das gelte auch für das 0:0 gegen den HSV: "Wir haben einen Elfmeter verschossen, aber die Reaktion der Mannschaft war gut. Wir haben alles getan, um dieses Spiel zu gewinnen, aber leider kein Tor geschossen."

Schon am Sonntag saß Streich dann zur Aufarbeitung des Spiels wieder mit seinem Team zusammen. Den Anteil von Patrick Baier, Andreas Kronenberg und Lars Voßler am Alltag beim SC hatte er schon unmittelbar nach dem HSV-Spiel herausgestrichen. Auch sein Trainerteam komme offenbar noch jeden Morgen gerne zur Arbeit und bastle mit ihm an der Zukunft des Vereins: "Die haben es offenbar alle mit mir ausgehalten."

Aus Freiburg berichtet Christoph Ruf