Christian Streich steht vor seinem 200. Bundesliga-Spiel als Trainer des SC Freiburg - © DFL DEUTSCHE FUSSBALL LIGA / Matthias Hangst/Bundesliga
Christian Streich steht vor seinem 200. Bundesliga-Spiel als Trainer des SC Freiburg - © DFL DEUTSCHE FUSSBALL LIGA / Matthias Hangst/Bundesliga
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200. Bundesliga-Spiel für Christian Streich: Ein Unikat an der Seitenlinie feiert Jubiläum

Freiburg – Wenn es nach Christian Streich ginge, solle vermutlich die volle Konzentration dem Spiel am Samstag bei Borussia Dortmund gelten. Doch es wird für den Trainer des SC Freiburg bei der schweren Auswärtsaufgabe gegen den Tabellenführer etwas zu feiern geben: Der Dauerbrenner aus dem Breisgau steht am Wochenende vor dem 200. Bundesliga-Spiel als Coach des Sport-Clubs.

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Vor etwas weniger als sieben Jahren, als Streich Ende Dezember 2011 den Posten des Cheftrainers in Freiburg übernahm, hätten sich wenige träumen lassen, dass der impulsive Charakterkopf auch Ende 2018 noch an der Seitenlinie stehen wird. Nun ist der Freiburger Coach der dienstälteste Übungsleiter in der höchsten deutschen Spielklasse. Dabei hatte der ehemalige Jugendtrainer immer wieder betont, wie sehr er mit dem Rampenlicht der Bundesliga fremdelt und wie kraftraubend die Arbeit im Brennglas der Öffentlichkeit sei. "Ich weiß nicht, wie lange ich diesen Job noch machen möchte. Und dann mach ich doch weiter. Obwohl es mich enorm viel Kraft kostet, mentale Kraft, körperliche Kraft, psychische Kraft", erklärte Streich, der alles andere als der gewöhnliche Bundesliga-Trainer ist, noch im Sommer dem "Stern" in einem seiner seltenen Interviews.

"Ich weiß nicht, wie lange ich diesen Job noch machen möchte" Christian Streich (Trainer SC Freiburg)

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Die Arbeit mit den Medien ist eine Facette, die dem Südbadener weniger liegt, wenngleich er mit seinen Einlassungen zum tagesaktuellen Weltgeschehen auf den Pressekonferenzen deutschland-weit Kultstatus erlangen konnte. Viel mehr reizt den studierten Lehrer die Arbeit mit seinen Spielern: Mit enormer Leidenschaft und großem pädagogischem Gespür gilt Streich, der 1995 seine Trainerlaufbahn als Jugendcoach beim SC Freiburg begann, als Menschenflüsterer, der sich in seine Schützlinge hineinversetzt und in ihnen weitaus mehr als lediglich leistungsbereite Fußballer sieht. "Ich bin sehr offen mit den Jungs, wir kennen uns gut, auch wenn wir nicht unsere ganze Freizeit zusammen verbringen. In der Zeit, in der wir zusammen sind, sind wir gegenseitig offen. Das hat sicher ein bisschen was mit mir zu tun, weil ich der Meinung bin, dass das Substanz hat", betont Streich in der "Badischen Zeitung".

Seine Pressekonferenzen gelten als legendär: Freiburg-Coach Christian Streich - © gettyimages / Robert Hradil/Bongarts

Gerade deshalb ist es kaum verwunderlich, dass der oft als kauzig verschriene Fußballlehrer der 2. Freiburger Cheftrainer ist, der mit dem SC 200 Bundesliga-Spiele bestreitet – vor ihm gelang das Freiburgs Rekordtrainer Volker Finke (340 Spiele). Die Bilanz, die Streich mit seinem Team dabei eingefahren hat, kann sich durchaus sehen lassen: Unter dem 53-Jährigen holte der Sport-Club in 199 Bundesliga-Spielen stolze 246 Punkte, er hat den besten Punkteschnitt (1,24 pro Spiel) aller Freiburger Bundesliga-Trainer. Von Streichs 199 Partien gingen nur 77 verloren (39 Prozent) – für einen Club wie den SC Freiburg ist das eine beachtliche Quote. Und noch eines verbindet ihn mit der Breisgauer Trainerlegende Finke: Sie sind die einzigen beiden Bundesliga-Trainer, die mit ihrem Club in derselben Amtszeit in die 2. Bundesliga abstiegen, wieder aufstiegen und trotzdem für 200 Bundesliga-Spiele im Sattel saßen.

Mittlerweile hat sich Streich sogar etwas mehr daran gewöhnt, im Mittelpunkt des Interesses zu stehen. "Mit dieser öffentlichen Wahrnehmung und der Bedeutung umzugehen, ist nicht so einfach. Die Öffentlichkeit ist eine große Aufgabe. Man wird jede Woche begutachtet. Das ist ja auch toll und tut auch der Eitelkeit genüge", weiß der ehemalige Mittelfeldspieler (unter anderem Stuttgarter Kickers und SC Freiburg) im "Sky Sports News HD"-Interview um die Herausforderungen und Verlockungen des Profigeschäfts. Dennoch fühlt sich Streich als verantwortlicher Trainer beim SC Freiburg an der richtigen Stelle: "Man ist ja nicht zufällig da, wo man ist. Ich hätte ja - wenn ich das besser gefunden hätte - auch im Wald arbeiten können oder irgendwo, wo einem niemand zuschaut bei der Arbeit."

"Man ist ja nicht zufällig da, wo man ist. Ich hätte ja - wenn ich das besser gefunden hätte - auch im Wald arbeiten können oder irgendwo, wo einem niemand zuschaut bei der Arbeit" Christian Streich (Trainer SC Freiburg)

Zuschauen musste Streich am Anfang der Saison – Rückenbeschwerden setzten ihm derart zu, dass er die ersten zwei Partien verpasste, die Freiburg beide verlor. Nach seiner Rückkehr auf die Trainerbank ging es für den Sport-Club wieder bergauf, die Breisgauer fuhren in zehn Spielen 14 Punkte ein und mussten lediglich zwei Niederlagen hinnehmen. Eine Heilung, die Streich und Freiburg offensichtlich gut getan hat. "Ich hatte immer wieder Rückenprobleme. Diesmal sind sie eben nicht mehr weggegangen. Vieles sind auch Folgeerscheinungen der exzessiven Fußballspielerei. Und mit 53 Jahren treten diese nun mal auf", versuchte sich der Freiburger Kulttrainer gegenüber der "Badischen Zeitung" an einer Erklärung für seine körperlichen Probleme. Jetzt setzt er zunehmend auf Yoga: "Das entspricht mir, tut mir gut. Da komme ich zur Ruhe. Ich habe keine Schmerzen mehr. Vor ein paar Wochen war das anders. Da war überhaupt nicht daran zu denken, dass ich jemandem Energie geben könnte."

Nimmermüder Irrwisch auf den Spuren des Rehhagel-Rekords

Energie, die nun für 200 Bundesliga-Spiele den SC Freiburg belebt – gerade an der Seitenlinie gilt Streich als nimmermüder Irrwisch, der bei den Partien emotional mitfiebert. Und nun einen Meilenstein begehen darf: Insgesamt wird Streich erst zum 18. Bundesliga-Trainer, der es auf 200 Bundesliga-Spiele mit ein und demselben Verein bringt. Zuletzt gelang dies Jürgen Klopp mit Borussia Dortmund, der zwischen 2008 und 2015 238 Spiele an der Seitenlinie stand. Das ist sicherlich ein Grund zu feiern, auch wenn Christian Streich das vielleicht anders sieht. Rekordhalter ist übrigens Otto Rehhagel, einst bei Werder Bremen für 493 Spiele in der Verantwortung. Dafür müsste Streich noch einige Zeit auf der Freiburger Trainerbank verbringen – auszuschließen ist das beim "kauzigen Menschenflüsterer" aus Südbaden definitiv nicht.

Thomas Reinscheid