Hannover - "Wir wussten, dass es ein schmutziges Spiel wird, dass es ein enges Spiel wird", verriet Christian Schulz nach dem ersten Aufeinandertreffen von Hannover 96 und dem FC Ingolstadt in der Geschichte beider Vereine.

Vor Anpfiff das Duell des Vorletzten der Heimtabelle gegen den Dritten der Auswärtstabelle, hatten nach dem Abpfiff die Gastgeber nach ihrem zweiten Heimsieg der Saison klar mit 4:0 die Nase vorn (zum Spielbericht). Mit unbändigem Einsatz kauften die 96er den Gästen aus Bayern von Beginn an den Schneid ab.

96-Kapitän Schulz analysiert im Interview den wichtigen Erfolg und den aktuellen Aufwärtstrend der Niedersachsen.

Frage: Herr Schulz, Ingolstadt hatte zuvor gerade mal eines von sieben Auswärtsspielen verloren, Hannover nur ein Hemspiel gewonnen. Waren sie Außenseiter im eigenen Stadion?

Christian Schulz: Wir wussten, dass es ein schmutziges Spiel wird, dass es ein enges Spiel wird, denn die Ingolstädter stehen hinten massiv drin und haben sich bisher gerade auswärts sehr stark präsentiert - und wir haben unser Publikum bisher ja nicht gerade verwöhnt. So ein Sieg gegen einen Aufsteiger ist natürlich sehr wichtig.

"Wir wollten richtig attackieren"

Frage: So eng war es dann ja doch nicht...

© gettyimages / Nigel Treblin

Schulz: Richtig. Am Ende ist es ein super Spiel geworden, mit vielen Torchancen. Wir waren über 90 Minuten aktiv, haben immer wieder attackiert und nach vorne gespielt. Das war unser bestes Spiel im ganzen Kalenderjahr. Wir haben uns endlich mal bewiesen, dass wir einen Gegner über 90 Minuten fußballerisch dominieren können. Wir haben super Kombinationen gezeigt, sind in Eins-gegen-Eins-Situationen mutig gewesen. Ich denke, wir haben auch in der Höhe absolut verdient gewonnen. Von daher sind wir heute sehr glücklich.

Frage: Ingolstadt ist statistisch das Team mit den meisten Fehlpässen und den geringsten Ballbesitzanteilen in der Liga. Hannover hat von Beginn an enormen Druck auf die gegnerischen Spieler gemacht und sie zu vielen Fehlern gezwungen. War das der Matchplan?

Schulz: Ja, das ist eine Variante, gegen Ingolstadt zu spielen. Wir haben im Vorfeld besprochen, dass wir in den ersten fünf Minuten richtig attackieren und auch ein Signal an die Zuschauer senden. Und wenn man merkt, dass es in den ersten fünf Minuten richtig gut klappt und man spürt, dass man da ist, richtig giftig ist, dann behält man das meistens auch bei. Und das hat heute ja ganz gut geklappt.

Frage: Die schnellen Tore nach fünf Minuten zum 1:0 und elf Minuten zum 2:0 waren sicher zusätzlich sehr hilfreich?

Schulz: Natürlich ist es immer einfacher, wenn du schnell 2:0 führst. Aber man kann auch schnell durch einen Standard, wo die Ingolstädter ja nicht schlecht sind, den Anschlusstreffer kassieren. Doch das Gefühl hatte man heute nicht. Wir haben hinten sehr konsequent und vorne sehr ordentlich gespielt.

"Mussten die drei Punkte hier behalten"

Frage: Eine sichere Drei-Tore-Führung zur Pause. Da muss es in der Kabine nach langer Zeit mal wieder mal ganz entspannt zugegangen sein...

Schulz: Nein. Wir haben besprochen, dass wir genau so weitermachen, denn es ist ja erst die Hälfte gespielt. Wir haben uns vorgenommen, weiter zu attackieren.

© gettyimages / Nigel Treblin

Frage: Ein Wort zu Uffe Bech (siehe Bild), der ja in Gladbach ein bisschen Pech gehabt und heute getroffen hat...

Schulz: In der Tat war er in Gladbach nicht vom Glück verfolgt. Er ist ein Spieler, der sehr viel investiert, schnell und stark in den Dribblings ist. Ich habe ihm in der Halbzeitpause gesagt, dass er, wenn er so weiterarbeitet, noch sein Tor machen wird. Es freut mich für ihn, dass das geklappt hat und bin sicher, dass es nach seinem schwierigen Start jetzt vollkommen angekommen ist in Hannover.

Frage: Wie groß war der Druck auf die Mannschaft vor dem Spiel?

Schulz: Wir standen enorm unter Druck - gerade auch angesichts des Restprogramms. Es wusste schon jeder Spieler, dass wir heute die drei Punkte hier behalten müssen. Dass wir so gut mit dem Druck umgegangen sind, war im Vorfeld nicht vorherzusehen. Es war von der ersten bis zur letzten Minute eine Superleistung. Am Ende war der Dreier lebenswichtichtig.

Frage: Sie sprachen das Restprogramm an: Auswärts auf Schalke und bei der TSG Hoffenheim, zum Abschluss der Vorrunde kommt Bayern München nach Hannover. Wie wichtig ist das Ergebnis vor den anstehenden Aufgaben für den Kopf?

Schulz: Das ist sehr wichtig für das Selbstbewusstsein. Gerade heute können wir sagen, dass unterm Strich alles hervorragend war. Wenn wir das in den nächsten Wochen auch auf den Platz bringen, werden wir auch unsere Punkte holen. Da bin ich ganz sicher.

Aus Hannover berichtet Jürgen Blöhs