Köln - Der VfB Stuttgart hat sich dank des 5:4-Auswärtssieges bei Eintracht Frankfurt ein kleines Polster auf die Abstiegsränge verschafft.

Im Interview mit bundesliga.de spricht der Stuttgarter Mannschaftskapitän Christian Gentner über die Ups and Downs der Schwaben und den jüngsten Aufwärtstrend.

bundesliga.de: Christian Gentner, der VfB Stuttgart hat zuletzt zwei spektakuläre Spiele in Folge hingelegt, dabei vier wichtige Punkte geholt und sich im Tabellenkeller etwas Luft verschafft. Was sagen diese unglaublichen Up and Downs innerhalb dieser beiden Spiele über die Stärken und Schwächen des VfB aus?

Christian Gentner: Man hat in beiden Partien gesehen, welche Moral unsere Mannschaft hat. Wenn es da nicht stimmen würde, könnte man solche Spiele auch nicht mehr aufholen oder drehen. Die Spiele haben auch gezeigt, dass wir durch mutiges und offensives Spiel zu Toren kommen, aber eben auch, dass wir uns in unserem gesamten Defensivverhalten noch steigern müssen. Denn nicht immer werden wir drei oder fünf Tore erzielen. Die beiden Spiele werden uns auf jeden Fall Selbstvertrauen geben.

bundesliga.de: Die Mannschaft hat gerade in den Auswärtsspielen überzeugt, aber auch in Mönchengladbach, Dortmund und Berlin wichtige Punkte nach Führungen liegen lassen. Was muss die Truppe besser machen, um noch erfolgreicher zu punkten?

Gentner: Wir müssen stabiler werden und in bestimmten Situationen auch cleverer agieren. In Berlin hatten wir zum Beispiel mit einem frühen Tor eine sehr gute Ausgangslage, haben dann jedoch zu passiv agiert. Gegen Frankfurt müssen wir nach dem zwei Tore Vorsprung ruhiger agieren, unser Glück nicht mehr in der Offensive suchen. Unser Team ist jung und ich bin mir sicher, dass wir von diesen Erfahrungen noch profitieren werden.

bundesliga.de: Wenn Sie die ersten neun Spieltage Revue passieren lassen, sich die Tabelle und die bisherigen Gegner des VfB anschauen und feststellen, dass Stuttgart bereits gegen vier der aktuellen Top-5-Teams antreten musste: Empfinden Sie dann die teilweise harte Kritik am Saisonstart als überzogen? Oder war diese vielleicht sogar gerade förderlich?

Gentner: Wir hatten Spiele dabei, in denen mehr möglich war. Jedoch hatten wir auch Spiele wie gegen Köln dabei, in denen wir hinter den Erwartungen zurückgeblieben sind und unsere Leistung nicht abgerufen haben. Die Tabelle ist in der Tat noch wenig aussagekräftig, sie zeigt aber auch, dass die Leistungsdichte Mannschaften, mit Ausnahme von wenigen Teams, noch enger geworden ist und man jeden Spieltag seine Leistung bringen muss, um zu punkten.

bundesliga.de: Wie gefestigt erscheint Ihnen die Mannschaft derzeit?

Gentner: Wenn man allein die beiden vergangen Partien betrachtet kann man sagen, dass wir auf einem guten Weg sind und uns auch von Rückschlägen nicht so einfach aus der Bahn werfen zu lassen.

bundesliga.de: Sie kennen Armin Veh bereits aus gemeinsamen Tagen in Stuttgart und Wolfsburg und arbeiten nun zum dritten Mal mit ihm zusammen. Er kam zurück zum VfB, weil er hier bessere Perspektiven sieht als in z.B. in Frankfurt. Wie erleben Sie ihn in diesen Tagen?

Gentner: Durch seine Trainerstationen hat er viele Erfahrungen gesammelt, auch davon profitieren wir. Wie er zum Beispiel in der Halbzeit unseres Leverkusen-Heimspiels mit der Mannschaft umgegangen ist, war klasse. Da gibt es wahrscheinlich nicht viele Trainer, die so ruhig geblieben wären und ihrem Team vermittelt hätten, dass noch was möglich ist.

bundesliga.de: War er frustriert über den Saisonstart oder eher kämpferisch?

Gentner: Er ordnet die Dinge realistisch ein und weiß, dass es ein längerer Prozess sein wird, die Mannschaft zu entwickeln.

bundesliga.de: Wieviel Potenzial steckt in der Mannschaft? Welche Tabellenregionen erscheinen Ihnen in dieser Saison realistisch?

Gentner: Wir haben einen Kader, der eine gewisse Qualität besitzt. Jedoch bringt es nichts, nur davon zu reden. Wir müssen diese Qualität auch auf den Platz bringen. Von Saisonzielen zu reden bringt uns nicht weiter. Es geht allein darum, dass wir uns auf das kommende Heimspiel konzentrieren.

bundesliga.de: Am kommenden Samstag gastiert Ihr Ex-Verein, der VfL Wolfsburg, in Stuttgart. Sie wurden dort 2009 Meister. Welche Erinnerungen verbinden Sie mit Ihrer Zeit in Wolfsburg? Gibt es noch Kontakt zum Verein?

Gentner: Natürlich gibt es viele schöne Erinnerungen, neben der Meisterschaft zum Beispiel auch die Spiele in der Champions League. Kontakt besteht vor allem noch zu Marcel Schäfer, Diego Benaglio oder auch zum Zeugwart Heribert Rüttgers.

bundesliga.de: Die Wölfe kommen als Tabellen-Dritter und haben einen Lauf. Worauf muss der VfB vor allem achten? Wie ist Wolfsburg zu schlagen?

Gentner: Wolfsburg hat in den vergangenen Spielen gezeigt, dass mit ihnen in dieser Saison zu rechnen ist, wenn es um die Vergabe der vorderen Plätze geht. Sie haben einen sehr starken Kader. Das wird eine harte Nuss, aber wir werden alles daran setzen zu punkten.

Die Fragen stellte Tobias Gonscherowski