Leverkusen - Mit dem dritten Sieg in Folge hat sich Bayer 04 Leverkusen im Kampf um einen der begehrten Startplätze in der Champions League zurückgemeldet. Souverän besiegte die Werkself im Freitagabendspiel den Verfolger VfL Wolfsburg mit 3:0 (zum Spielbericht). Zu den Torschützen zählte auch wieder Chicharito, der zuvor drei Spiele in Folge nicht mehr getroffen hatte.

Gerade einmal 282 Minuten währte die Torflaute von Javier Hernandez, den alle nur Chicharito nennen. 282 torlose Minuten - das ist für einen Torjäger ein lächerlicher Wert (zur Torjägerliste). Selbst Tormaschine Robert Lewandowski hat in dieser Spielzeit einmal 373 Minuten lang nicht getroffen. Daher blieben sie in Leverkusen ob der vermeintlichen "Torkrise" ihres Goalgetters auch gelassen (Chicharito im Interview: "Das Wichtigste ist, dass ich spiele").

Selbstvertrauen durch die Nationalelf

Mehr Gedanken machten sich die Verantwortlichen der Werkself über die Reisestrapazen, die Chicharito in den vergangenen Tagen durchgemacht hatte. Der Mexikaner musste in der WM-Qualifikation zweimal gegen Kanada ran und mit der Nationalmannschaft erst in Vancouver und dann in Mexico City um wichtige Punkte kämpfen. Die Mexikaner hielten sich schadlos, holten sechs Zähler und auch Chicharito hatten seinen Treffer beigesteuert.

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"Chicharito hat das Tor bei der Nationalmannschaft gut getan", freute sich Leverkusens Sportchef Rudi Völler. "Ich kenne das ja noch aus eigener Erfahrung. Wenn du ein paar Wochen nicht getroffen hast, dann zur Nationalmannschaft fährst und da ein tolles Kopfballtor erzielst, tut dir das gut. Er kam sicherlich ein bisschen müde zurück." Und zwar erst am Donnerstag, einen Tag vor dem Spiel gegen die Wölfe.

Deshalb ließ Bayer 04-Trainer Roger Schmidt sein Angreifer zunächst auf der Bank Platz nehmen. Nach einer Stunde wechselte er Chicharito für Kapitän Lars Bender ein (Bender im Interview: "Haben einen Big Point gelandet"). In den 30 Minuten auf dem Platz wurde der 27-Jährige wieder zum Matchwinner und Musterbeispiel für Effizienz. Gerade einmal zehn Ballkontakte hatte Chicharito, doch dabei gelang ihm eine Balleroberung gegen Dante und zehn Sekunden später ein Traumtor zum vorentscheidenden 2:0. Den dritten Treffer der Werkself durch Vladen Yurchenko legte er auch noch auf.

Völler: "Das war toll"

"Wir wissen, dass er immer seine Chance kriegt, wenn er reinkommt. Die hat er sich auch noch selbst erarbeitet. Das war toll", war Rudi Völler vom Kurzauftritt Chicharitos begeistert. "Man merkt, wie effektiv Chicharito ist", meinte auch Sturmkollege Julian Brandt anerkennend. "Es ist nicht leicht für ihn gewesen. Er ist erst am Donnerstag wieder gelandet, hatte nach der langen Reise Jetlag. Er fügt sich dann nahtlos ein, kommt rein, schießt sein Tor und legt eins auf. Mehr muss man zu ihm gar nicht sagen."

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Den gelungenen Abend für die Rheinländer rundete auch das Debüt des seit Saisonbeginn verletzten Charles Aranguiz ab. In der 89. Minute wurde der Chilene für Stefan Kießling eingewechselt und durfte inklusive Nachspielzeit knapp vier Minuten mitwirken. "Es freut mich für ihn persönlich extrem, dass er noch ein paar Minuten bekommen hat", sagte Werkself-Kapitän Lars Bender. "Er wird jetzt langsam Teil des Teams. Jetzt soll er ein paar Spiele machen und Vertrauen gewinnen. Für ihn wird dann das kommende Jahr entscheidend."

Wenn Leverkusen seine aktuelle Form noch bis zum Saisonende konservieren kann, ist auch die erneute Teilnahme an der Champions League wieder möglich. Denn Bayer 04 hat es nun wieder in der eigenen Hand und kann sie in den noch ausstehenden direkten Duellen gegen Schalke, Mönchengladbach und Hertha BSC perfekt machen. Vorher geht es aber zunächst in der kommenden Woche zum rheinischen Derby beim 1. FC Köln.

Aus Leverkusen berichtet Tobias Gonscherowski