Nach der sportlich bestandenen Reifeprüfung gegen Topfavorit Spanien kommt es für die deutschen U-21-Fußballer nun zum Charaktertest gegen Außenseiter Finnland.

Und nach einem starken, aber torlosen Spiel gegen die Iberer sind viele psychologische Mittel recht, um die fehlenden Reserven zu mobilieren.

Löw und Hrubesch appellieren an Charakter

"Das Spiel gegen Finnland muss gewonnen werden", sagt Löw, der am Donnerstag in Halmstad (18:15 Uhr/live im ZDF) wieder auf der Tribüne sitzen wird: "Nachdem, was ich vom ersten Spiel im Fernsehen gesehen und von unseren Beobachtern gehört habe, sind wir normalerweise die stärkere Mannschaft." Dies sieht auch U-21-Coach Horst Hrubesch so. "Wir sind bestens aufgestellt", meint er und ruft die mentale Reifeprüfung aus: "Dieses Spiel geht nur über den Charakter."

Torhüter Neuer hat dagegen seine eigene Art, an die Ehre der Mitspieler zu appellieren. "Man frotzelt mit den Spielern, die die Chancen vergeben haben und macht Witzchen", erklärt er schmunzelnd: "Aber das ist nur Motivation. Wer will schon immer geneckt werden?"

Konzentration hochhalten

Obwohl die Finnen um den kantigen Bundesliga-Stürmer Berat Sadik (Arminia Bielefeld) beim 1:2 gegen England zum Auftakt überraschend stark spielten, scheinen jedenfalls nur zwei Dinge dem DFB-Team den standesgemäßen Sieg kosten können: die mangelnde Torausbeute oder Überheblichkeit.

Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff, der ebenfalls in Schweden weilt, sieht das 0:0 gegen Spanien deshalb als ideales Ergebnis. "Es wurde zwar ein Sieg verschenkt", meint Bierhoff: "Das Positive ist aber: Man ist gezwungen, die Konzentration hochzuhalten."

Und endlich das leidige Sturmproblem in den Griff kriegen. "Wir müssen uns Gedanken machen, wie wir besser ins Offensivspiel finden", sagt Kapitän Sami Khedira. Zwei Tore hat die deutsche U-21 in 2009 erst erzielt. Der Schütze beider Treffer, der Duisburger Sandro Wagner, wird am Donnerstag aber zunächst wieder auf der Bank sitzen und muss zwei Mittelfeldspielern beim Stürmen zusehen. Neben Ashkan Dejagah (VfL Wolfsburg) könnte diesmal der Gladbacher Marko Marin nach vorn rücken. Der eigentlich vorgesehene Mesut Özil (Werder Bremen) konnte das Abschlusstraining wegen Rückenproblemen nicht absolvieren und bangt um seinen Einsatz.

Schmelzer ersetzt Boenisch

"Es macht keinen Sinn, Aktionismus zu betreiben und etwas zu ändern", meint Hrubesch: "Wir haben gegen Spanien viele Chancen rausgespielt und wir werden auch gegen Finnland zu Chancen kommen. Und dann wird der Knoten zwangsläufig platzen."

Sicher ändern wird sich die Startformation nur auf der linken Verteidigerseite, wo der Dortmunder Marcel Schmelzer für den verletzten Bremer Sebastian Boenisch (Bänderdehnung im Knöchel) beginnen wird. Möglich ist, dass der Berliner Patrick Ebert den gegen die Iberer schwachen Deutsch-Spanier Gonzalo Castro (Leverkusen) ersetzen wird.

Die Finnen setzen gegen die DFB-Auswahl vor allem auf drei Faktoren: Den in der Bundesliga noch kaum zum Zug gekommenen Stoßstürmer Sadik, vor dem Hrubesch großen Respekt hat. Ihr Selbstvertrauen (Trainer Markku Kanerva: "Ein Sieg ist ein Muss, und wir glauben fest an unsere Stärke."). Und die zahlreichen finnischen Fans, die ihr Team im Nachbarland unterstützen werden. Der englische Mittelfeldspieler Mark Noble erklärte nach dem Auftaktspiel jedenfalls frustriert: "Das war ein Heimspiel für die Finnen."

Die voraussichtliche Aufstellung:

Neuer (Schalke 04) - Beck (1899 Hoffenheim), Jerome Boateng (Hamburger SV), Höwedes (Schalke 04), Schmelzer (Borussia Dortmund) - Khedira (VfB Stuttgart), Aogo (Hamburger SV) - Castro (Bayer Leverkusen) oder Ebert (Hertha BSC), Marin (Borussia Mönchengladbach) - Dejagah (VfL Wolfsburg), Özil (Werder Bremen) oder Ben-Hatira (MSV Duisburg)